Infos zum Impfen verunsichern

Mitarbeiter des Hauses Kammersberg in Hessisch Lichtenau sind am Limit

Susanne Appel-Grundmann (links) und Stefanie Frese freuen sich, dass Landrat Stefan Reuß angekündigt hat, am Montag mit ihnen über die Situation telefonieren zu wollen.
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Susanne Appel-Grundmann (links) und Stefanie Frese freuen sich, dass Landrat Stefan Reuß angekündigt hat, am Montag mit ihnen über die Situation telefonieren zu wollen.

Für Aufregung in Hessisch Lichtenau sorgte in den vergangenen Tagen eine Mitteilung des Hauses Kammersberg, dass Corona-Erkrankte erst sechs Monate nach der Infektion eine Impfung erhalten sollten.

Hessisch Lichtenau – Das betreffe sowohl Bewohner als auch Mitarbeiter. Viele Angehörige meldeten sich bei der HNA, weil sie Sorge um ihre Verwandten hatten, die in dem Seniorenwohn- und Pflegezentrum leben.

So auch Ines Stipanowsky: Ihre Mutter lebt im Haus Kammersberg. Sie hatte keinerlei Symptome, wurde aber einmal positiv getestet, nachdem sie einige Tage vorher und dann zehn Tage später wieder negativ getestet worden ist. Ob sie wirklich erkrankt war, bezweifelt Stipanowsky und befürchtet deswegen, dass ihre Mutter keine Abwehrstoffe gegen das Virus hat. „Auch mit einer Erkrankung steht ja noch nicht fest, ob man danach immun ist“, sagt Stipanowsky. Wenn sie nun aber länger auf eine Impfung warten müsste, wäre sie wahrscheinlich beim nächsten Ausbruch ungeschützt.

Zudem bemängelt sie, dass es im Haus Kammersberg so lange mit den Impfungen dauere. „Die Heimleitung hat immer wieder nachgefragt, wann sie denn dran sind, aber es ist noch nichts passiert“, sagt Stipanowsky. In anderen Heimen hätte das schneller funktioniert.

Auch die Mitarbeiter im Heim sind unzufrieden mit der Situation. Das Erkrankte erst nach sechs Monaten geimpft werden sollen, hat sich inzwischen revidiert. Nun habe das Impfzentrum bekannt gegeben, dass drei Monate nach der Erkrankung geimpft werden kann.

Heimleiterin Stefanie Frese und ihre Stellvertreterin Susanne Appel-Grundmann bemängeln zum einen den Informationsfluss, aber auch, dass die Informationen häufig nur an sie weiter geleitet werden und nicht öffentlich gemacht werden. „So müssen wir dann die Angehörigen informieren“, sagt Frese. Neben der allgemeinen Pflege und den Hygiene- und Testaufgaben durch Corona sowie deren Dokumentation sei das Pensum für die Mitarbeiter bereits sehr hoch. „Wir sind am Limit“, sagen die beiden. Da sowohl Appel-Grundmann als auch Frese in der Pflege tätig sind, könnten sie zudem selten an der wöchentlichen Telefonkonferenz des Kreises teilnehmen.

Aktuell werden sie zwar durch Soldaten der Bundeswehr unterstützt. Diese dürfen neuerdings aber keine Schnelltests mehr an Bewohnern machen, sondern nur noch das Personal testen. Und wahrscheinlich dürfen die Soldaten auch nur bis zum 20. Februar bleiben.

Danach sollen Helfer die Seniorenheime unterstützen, die das Heim anstellen muss. Vergütet werden sollen die Helfer mit 20 Euro pro Stunde, die der Bund refinanziert. „Bei einer Vollzeitstelle verdient ein Helfer dann mehr als eine Pflegekraft“, kritisiert Frese.

Am Freitag wurde nun das erste Mal im Haus Kammersberg geimpft. Mitarbeiter bekommen aber nur den Impfstoff von Astrazeneca, der nur einen geringeren Wirkungsgrad haben soll. Den Moderna-Impfstoff mit einem Wirkungsgrad bis 95 Prozent bekommen nur noch die Bewohner der Pflegeheime. Sowohl Frese als auch Appel-Grundmann freuen sich aber über das Gesprächsangebot von Landrat Stefan Reuß, der am Montag mit ihnen telefonieren möchte.

Erkrankte werden drei Monate nach ihrer Genesung geimpft

Die Impfungen in den Seniorenheimen sollen bis zur achten Kalenderwoche (Beginn 22. Februar) abgeschlossen sein, berichtet Kreissprecher Jörg Klinge auf Anfrage.

Da auch eine überstandene Covid-Erkrankung nicht sicherstellt, dass die Person Antikörper gebildet hat, wird geimpft, um eine sichere Immunität zu erreichen. Personen, die an Corona erkrankt waren, werden nach der aktuellen Empfehlung der Ständige Impfkommission (Stiko) drei Monate nach der Genesung von der Infektion geimpft. Die Stiko ist ein unabhängiges Expertengremium, das Impfempfehlungen für Deutschland entwickelt.

Da die Stiko zunächst einen Zeitraum von sechs Monaten empfohlen habe, habe der Kreis das so auch kommuniziert, so Klinge. Seit dem 4. Februar empfehle die Stiko nun aber den Zeitraum von drei Monaten nach der Geneseung, sodass auch der Kreis diese Vorgabe angepasst habe. Ehemals Erkrankte sollen nun nach Ablauf der dreimonatigen Frist geimpft werden. Wer die Frist bereits erreicht habe, werde nun auch geimpft, informiert der Kreissprecher. Der Impftermin werde in Abstimmung mit dem Impfzentrum festgesetzt.

Vom Land Hessen sei festgelegt worden, dass die Mitarbeiter der Seniorenheime nun den Astra Zeneca-Impfstoff bekommen und nur für die Bewohner noch der Impfstoff von Moderna verwendet wird.

Weiterhin habe der Bund festgelegt, dass die Bundeswehrsoldaten Bewohner nun nicht mehr auf eine Corona-Infektion testen dürfen. Auch habe der Bund entschieden, dass die Soldaten von Freiwilligen abgelöst werden sollen, die für ihre Arbeit mit 20 Euro pro Stunde vergütet werden sollen. Die Vermittlung der Kräfte soll über die Bundesanstalt für Arbeit laufen, berichtet Klinge.

Der Kreis bietet wöchentliche Telefonkonferenzen an, um die Mitarbeiter in den Seniorenheime über den aktuellen Stand zu informieren. Nach Kenntnis der Kreisverwaltung habe das Haus Kammersberg seit dem 7. Januar nicht mehr an einer solchen Konferenz teilgenommen.

(Evelyn Ludolph)

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