Er verwandelte alten Kohleabbau in Nationales Naturerbe

Kämpfer für Naturschutz: Konrad Volkhardt stirbt 99-jährig

Naturschützer Konrad Volkhardt
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Konrad Volkhardt mit seinem Lebenswerk, den Feuchtwiesen Glimmerode: Am Montag ist der Naturschützer im 100. Lebensjahr verstorben.

Er hat sich für den Naturschutz in der Region eingesetzt wie kein Zweiter: Im Alter von 99 Jahren ist der Hessisch Lichtenauer Konrad Volkhardt am Montag gestorben.

Hessisch Lichtenau – Bei seinem Einsatz für die Natur ist Volkhardt, der jahrzehntelang Nabu-Kreisvorsitzender war, stets seinem Leitsatz „Tue Recht und scheue niemand“ treu geblieben. Dass er sich nicht einmal scheute, notfalls den Klageweg zu beschreiten, bekam auch der damalige Lichtenauer Bürgermeister Jürgen Herwig zu spüren: Im Zuge des Lossetalbahnbaus bewirkte Volkhardt, dass die Kasseler Verkehrsgesellschaft auf Höhe der Nachklärbecken, zu denen die Kammmolche zum Laichen wanderten, die Strecke zugunsten der Tiere höher schotterte.

„Volkhardts Forderung ging noch weiter: Er wollte, dass die Tiere in einem Institut in Braunschweig verwirbelt werden, um zu überprüfen, dass sie durch den Sog keinen inneren Schaden nehmen“, erinnert sich Herwig. „Unwahrscheinlich gut informiert“ sei er auch beim Planen der A 44 gewesen. Da erreichte der Naturschützer einen landschaftsangepassten Verlauf der Trasse und bewirkte letztendlich den Bau des Tunnels Hirschhagen, mit 247 Millionen Euro das teuerste Teilstück der Autobahn.

Seinen wohl wichtigsten Beitrag für die Natur und somit auch für nachfolgende Generationen leistete Volkhardt, indem er das ehemalige Braunkohle-Abbaugebiet Glimmerode in ein Nationales Naturerbe verwandelte. Über sein Lebenswerk hat er 2015 ein Buch verfasst, in dem er auch schildert, wie er nach einem Streit am Hellkopfsee brutal zusammengeschlagen wurde.

„Er beeindruckte mich immer durch seine umfassende Sachkunde“, sagt der amtierende Bürgermeister Michael Heußner. „Ich werde ihn als nicht unumstrittenen, aber als erfolgreichen Kämpfer für den Naturschutz im Werra-Meißner-Kreis und beeindruckenden Menschen in Erinnerung behalten.“

Zwar ging sein Wunsch, 100 Jahre zu werden, nicht ganz in Erfüllung. Doch lebte der am 27. Februar geborene Orchideenzüchter, der laut eigener Aussage alles in seinem Leben noch einmal ganz genauso gemacht hätte, bis zuletzt zufrieden in seinem Haus und war geistig topfit.

Der Inhaber des Landesehrenbriefs hinterlässt einen Sohn und eine Tochter.   (Gudrun Skupio)

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