Walburg

Zugfahrten 1973 erstmals reduziert: Einst Lost Place, heute Privatgelände

Der alte Bahnhof in Walburg war einst ein beliebter Lost Place für Hobbyfotografen. Mittlerweile ist das Betreten verboten, der Bahnhof ist jetzt ein Privatgelände.
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So sah es früher aus: Der alte Bahnhof in Walburg war einst ein beliebter Lost Place für Hobbyfotografen. Mittlerweile ist das Betreten verboten, der Bahnhof ist jetzt ein Privatgelände.

Sie sind alt, verlassen und oft vergessen: Sogenannte „Lost Places“. Auch im Werra-Meißner-Kreis gibt es diese Orte, einer war einst der alte Bahnhof in Walburg.

Walburg – Seit einigen Jahren gibt es den Trend, solche Orte zu besuchen, dort Fotos zu machen und sie mit anderen Menschen in den sozialen Medien zu teilen. Meist sind es alte Fabriken, Villen, Krankenhäuser und Hotels, die geschlossen und länger nicht mehr betreten wurden.

Auch im Werra-Meißner-Kreis gibt es ein paar solcher Orte mit spannenden Motiven für Ruinenfotografie, hinter denen oft interessante Geschichten stecken. Für einige der Hobbyfotografen ist es ein Nervenkitzel, denn viele der Gebäude sind so lange nicht mehr in Betrieb, dass sie mittlerweile einsturzgefährdet sind. Ein bekannter Lost Place war der alte Bahnhof in Walburg. Der Personenverkehr wurde dort 1973 eingestellt und seit 2002 auch der Güterverkehr. Der Bahnhof auf der Verbindungsstrecke Kassel-Eschwege diente besonders dem Güterverkehr für die Sprengstofffabrik in Hirschhagen und dem Braunkohlebergbau am Meißner.

Der Verein Eisenbahnfreunde Walburg, der 1993 in Wanfried gegründet wurde, lagerte nach Einstellung des Zugverkehrs verschiedene Schienenfahrzeuge und Waggons an dem Bahnhof. Der Verein setzte sich dafür ein, dass die ehemalige Strecke zum Teil für den Museumsverkehr reaktiviert werden kann. Jedoch scheiterte die Idee, die Züge blieben stehen. Der Verein existiert heute nicht mehr, viele Züge verfielen zum Teil Vandalismus.

Die Züge verfielen zum Teil auch Vandalismus. Heute gibt es keine mehr.

Es war ein Lost Place, an den es viele Hobbyfotografen, auch mit weiterer Anfahrt, zog. Mittlerweile ist das gesamte 1,6 Hektar große Gelände das Privatgrundstück von Ralf Herbert – und seit letztem Sommer auch kein Lost Place mehr. Im Juni des vergangenen Jahres besuchte nach Anzeige eines Unbekannten das Regierungspräsidium Kassel den Ort und legte fest, die noch vorhandenen Züge aus Umweltschutzgründen zu verschrotten, erzählt Ralf Herbert.

Anderthalb Wochen habe es nur gedauert, die Schienenfahrzeuge und restlichen Bahnschwellen zu beseitigen. Dagegen habe er allerdings nichts machen können, sagt er, da sie dem ehemaligen Verein gehörten. Mit einem 40 Tonnen Bagger wurden die Züge in Einzelteile zerlegt und in Containern weggeschafft. Insgesamt seien es fast 400 Tonnen gewesen, die weggefahren wurden.

So aufgeräumt sieht es heute aus: Der alte Bahnhof in Walburg.

Ralf Herbert hatte auf seinem Grundstück Wohnmobilplätze erstellt, die bei der Verschrottung jedoch in Mitleidenschaft gezogen wurden und somit erst wieder hergerichtet werden müssen. Lost Place Fans seien immer gern gesehen gewesen, jedoch ist das Betreten jetzt, wo keine Züge mehr stehen, verboten. Gemeinsam mit seiner Frau veranstaltet er aber Countryfeste auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände und bietet auch Line-Dance-Kurse an. (Kontakt per E-Mail an westernrailstation@arcor.de)

Von Patrizia John

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