Grabsteine sollen wieder aufgerichtet werden

Kirche und Bürgerverein wollen Opfern des Vandalismus helfen

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Vor einem der beschädigten Gräber: Pfarrerin Anja Peters, Horst Islei vom Kirchenvorstand und gleichzeitig Betroffener (Mitte) und Dirk Oetzel, Vorsitzender des Bürgervereins Hessisch Lichtenau, haben einen Solidaritätsfonds für die Betroffenen des Grabvandalismus ins Leben gerufen.

Hessisch Lichtenau. „Wir bedauern die Ereignisse zutiefst, wollen uns aber nicht damit abfinden“, sagt Anja Peters. Aus diesem Grund hat die Pfarrerin im Namen der Kirchengemeinde mit dem Bürgerverein Hessisch Lichtenau einen Solidaritätsfonds für die Betroffenen des Grabvandalismus eingerichtet.

„Wir wollen gemeinsam ein Zeichen gegen Zerstörung und Vandalismus setzen“, sagt Peters.

Das Geld soll den Angehörigen der 39 Gräber zugutekommen, die in der Silvesternacht durch bislang unbekannte Täter zerstört wurden. Bei zwei weiteren Gräbern sind laut Peters nur die Blumen herausgerissen worden. Die Ermittlungen der Polizei dauern noch an. Die Kirchengemeinde hat eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt, einige Hinweise seien bei der Polizei bereits eingegangen. „Bei den meisten Gräbern wurden die Grabsteine herausgerissen und umgeworfen, da liegt der Schaden zwischen 3000 und 7000 Euro“, sagt die Pfarrerin. Insgesamt beläuft sich der Schaden auf mehr als 100 000 Euro. „Die meisten Grabsteine liegen mit der Schrift nach unten, sodass man den Schaden noch nicht in Gänze beurteilen kann“, erklärt Horst Islei vom Kirchenvorstand, der den Friedhof ehrenamtlich betreut. Bis die rund 300 Kilogramm schweren Steine aufgerichtet werden können, müsse das Wetter besser werden, damit die Geräte nicht wegrutschen.

Mit 15 000 Euro Schaden habe es ein Doppelgrab am schlimmsten getroffen, bei dem keine Hinterbliebenen mehr bekannt seien. Dort wurde der Grabstein auf die Grabplatte geworfen, wodurch beides zu Bruch ging. Selbst wenn man das Grab nur abräumen ließe, würden Kosten von mehreren Hundert Euro entstehen, die nicht gedeckt seien. „Jede Alternative kostet Geld“, macht Dirk Oetzel, Vorsitzender des Bürgervereins Hessisch Lichtenau, deutlich und fügt hinzu, dass die Kirchengemeinde nicht einfach beispielsweise die Einnahmen der Kirchensteuer dafür verwenden könnte, da Friedhof und Kirche zwei getrennte Haushalte hätten. Vielleicht könne der Sozialfonds helfen, dass nicht alle Gräber abgeräumt werden müssen, sagt Islei, der selbst zu den Betroffenen gehört.

„Eventuell hat die Tat am Ende noch ihr Gutes, weil viele Menschen dadurch daran erinnert wurden, wie wichtig der Friedhof ist“, sagt Peters, die bereits zahlreiche Hilfsangebote von Privatpersonen, Parteien und Verbänden erhalten hat. Momentan sei jedoch in erster Linie finanzielle Hilfe nötig, da die Betonfundamente nur von einer Fachfirma gemacht werden dürfen.

Mit 250 Euro hat der Bürgerverein, der auch Faltblätter drucken und Firmen anschreiben will, den Anfang gemacht. Auch die Kirchengemeinde werde eine „starke Summe“ geben, die in der Sitzung nächste Woche beschlossen werden soll, sagt Peters. „Wir legen Wert auf eine schöne Grabgestaltung und würden natürlich gern sehen, wenn die Gräber wieder hergerichtet werden.“

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