Doppelter Krankenkassenbeitrag: Tagesmutter fürchtet um Existenz

Echte Mama und Leihmama: Inga Dossinger da Silva kümmert sich neben ihrer vierjährigen Tochter Letizia (links) als Tagesmutter um drei weitere Kinder, darunter auch der zweijährige Ben. Foto: Lischper

Doppelte Sozialabgaben bei gleichbleibendem Einkommen? Das Ende einer gesetzlichen Sonderregelung zwingt die Tagesmutter Inga Dossinger da Silva bald zur Aufgabe ihres Berufs.

Sie wechselt Windeln, krabbelt mit den Kindern auf dem Fußboden herum und kennt deren Marotten: Inga Dossinger da Silva kümmert sich um den Nachwuchs, während die Eltern arbeiten oder studieren. Seit einem Jahr kann die 34-Jährige endlich von ihren Einnahmen leben - doch das könnte sich bald schon wieder ändern.

Denn wenn im Dezember die vergünstigte Sonderregelung zur Bemessung der Krankenversicherungsbeiträge ausläuft, dann heißt das für sie: Die Höhe der Sozialabgaben verdoppelt sich.

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Bisher zahlt Dossinger da Silva als nebenberuflich Selbstständige für ihre Kranken- und Pflegeversicherung 163 Euro im Monat. Ab Januar 2016 wird sie rund 367 Euro zahlen müssen. Die Höhe der Abgaben wird insgesamt von etwa 434 Euro auf 638 Euro ansteigen. Geht man von ihrem aktuellen Einkommen von 845 Euro aus, und zieht davon die Abgaben für Steuer, Rente und Krankenversicherung ab, kommt sie dann auf ein Netto-Einkommen von etwa 200 Euro - für eine 51-Stunden-Woche.

Derzeit betreut Inga Dossinger da Silva drei Kinder im Alter von einem, zwei und drei Jahren. Die Betreuungszeiten pro Kind variieren von zwölf bis 35 Stunden pro Woche. 4,44 Euro bekommt sie derzeit pro Kind und Stunde. Ist nur eines da, bleibt es bei vier Euro. Für ihr geringes Einkommen investiert die Tagesmutter viel. Manchmal nimmt sie morgens um 6 Uhr das erste Kind in Empfang. Dann wird gespielt, der Bauernhof in der Nachbarschaft besucht und Mittagessen gekocht.

Flexibilität wird abverlangt 

Ein langer Tag kann 15 Stunden dauern. In der Zeit versucht sie das zu kompensieren, wozu die Eltern oft keine Zeit haben. Ihrem jüngsten Pflegekind bringt sie gerade das Trinken aus dem Becher bei. „Da geht natürlich erst einmal einiges daneben, aber dann gibt’s halt ein Dauerlätzchen“, sagt Dossinger da Silva gelassen und lächelt. Sie beobachtet gerne die Entwicklung der Kinder und unterstützt sie dabei.

Fortbildungen stehen an 

Sind die Kinder abgeholt, wird das Haus geputzt, werden Büroarbeiten erledigt und Fortbildungen absolviert. In ihrem Privatleben muss die Tagesmutter Abstriche machen, sie muss flexibel und spontan sein, weil die Arbeitszeiten der Eltern auch mal variieren können. Das bekommt auch ihre vierjährige Tochter Letizia zu spüren. „Wenn die Kinder da sind, dann gehört ihnen meine Aufmerksamkeit.“ Auch die finanzielle Abhängigkeit ist nicht zu unterschätzen. „Bei vier Wochen Kündigungsfrist kann man fast nicht kalkulieren.“

Ab Sommer werden sie nun zwei der drei Kinder wegen Umzug und Kindergartenstart verlassen - Nachrücker sind noch nicht in Sicht. Und selbst wenn neue Kinder nachrücken, steht Dossinger da Silva ab Januar vor dem Problem, dass sich die Arbeit als Tagesmutter wegen der Erhöhung des Krankenkassenbeitrags eigentlich nicht mehr rentiert.

Kontakt: inga-dossinger@web.de oder www.fbs-eschwege.de

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