Landrat bittet um Hilfe: Landesbürgschaft einzige Hoffnung für Firma Richter

Parkplatz wird sich leeren: Am Mittwoch erfuhren die 106 Mitarbeiter der Firma Richter in Hessisch Lichtenau, dass sie ihren Job verlieren werden. Gegenüber unserer Zeitung mochte sich keiner der Mitarbeiter äußern, einen Betriebsrat, der Stellung nehmen könnte, gibt es bei Richter nicht. Foto: Röß

Hessisch Lichtenau. Vermutlich kann die Firma Richter aus Hessisch Lichtenau nur über eine Landesbürgschaft gerettet werden. Das ist die Einschätzung von Landrat Stefan Reuß (SPD).

Der Landrat wirbt derzeit an vielen Fronten um Unterstützung für das zahlungsunfähige Traditionsunternehmen- unter anderem beim hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). „Das ist die einzige Möglichkeit für Richter“, so Reuß.

Es gebe bereits positive Signale bezüglich einer Landesbürgschaft, sagt Reuß vorsichtig. Nach Unstimmigkeiten mit der Kasseler Bank kann die Firma Richter derzeit kein Material für Aufträge kaufen. Alle 106 Mitarbeiter erhielten deshalb bei einer Betriebsversammlung am Mittwoch ihre Kündigung.

Gespräche führen, Entscheider auf Landesebene für das Schicksal der Mitarbeiter sensibilisieren, „das ist alles, was wir als Region für die Firma Richter derzeit tun können“, sagt Landrat Stefan Reuß (SPD) auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir können der Firma ja keine Aufträge vermitteln“, sagt Reuß. „Aber Herr Richter hat mir versichert, dass er Aufträge bekäme, wenn er seine Vorlieferanten bezahlen kann.“

In einem Brief bittet Reuß daher den hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), sich für eine Landesbürgeschaft einzusetzen, weil die Hausbank der Firma Richter nicht mehr bereit sei, Geld zur Verfügung zu stellen. „Dies ist umso ärgerlicher, da die Auftragslage sich deutlich verbessert und das Kerngeschäft der Firma Richter, nämlich der Anlagenbau für Windkraftanlagen, wieder deutlich zunimmt“, so Reuß. „Ich brauche sicherlich nicht zu betonen, dass eine Entlassung von mehr als 100 Mitarbeitern für unseren Werra-Meißner-Kreis und die Region einen schweren Schlag bedeuten.“

Laut Reuß kann wohl nur eine Landesbürgschaft die Firma Richter retten. Dabei würde die WI-Bank eine Kreditlinie für Richter finanzieren. Die Kasseler Bank würde so die nötige Sicherheit erhalten, die sie braucht, um Richter wieder Geld auszuzahlen. Eine direkte Zahlung der WI-Bank an in Schieflage geratene Firmen ist laut Reuß unüblich.

Wie die meisten Beobachter wurde auch Reuß vom Aus der Firma völlig überrascht. „Natürlich bekommt man mit, wenn eine Firma in Kurzarbeit ist. Aber dass es so schlimm steht, wusste ich nicht“, sagt Reuß betroffen.

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