Letzte Etappe von 650 Jahren Geschichte

Gut Glimmerode bei Hessisch Lichtenau: Familie der früheren Besitzer erinnert sich zurück

Gut Glimmerode
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Das Foto zeigt den Blick frontal auf das Wohnhaus des Rittergutes Glimmerode mit über 400 Morgen Land. Rechts im Bild ist die Zehntscheune zu sehen. Links liegt der Schafstall mit einem Heuboden, dahinter der Hühner- und Kälberstall, dahinter der Kuhstall. Diese waren aus roten Backsteinen gemauert. Die Frau auf dem Bild ist Martha Möller aus Retterode, geborene Kreye.

Herta Troll ist die Tochter des letzten Besitzers von Gut Glimmerode nahe Hessisch Lichtenau. Enkelin Carina hat mit ihr die Gutsgeschichte aufgearbeitet.

Hessisch Lichtenau – Das Rittergut Glimmerode lag einst an der Straße zwischen Hessisch Lichtenau und Hopfelde gegenüber der Einfahrt zur Waldschenke. 1323 wurde es erstmals erwähnt, 1974 abgerissen. Dazwischen liegen rund 650 Jahre Geschichte. Landgrafen lebten hier, Militärs sowie der lothringische Leutnant Heinrich Julius Rivière, Zahlmeister von König Jérôme, dem jüngsten Bruder Napoléon Bonapartes.

Während einer Blütezeit Glimmerodes unter der hessischen Adelsfamilie von der Malsburg weilten die Brüder Grimm mehrfach zu Besuch auf dem Gut. Zuletzt bewirtschaftete Landwirt Hermann Kreye mit Ehefrau Elisabeth den Hof, den er 1936 kaufte. „Mein Vater hing mit ganzem Herzen an Glimmerode. Er arbeitete hart und hat es wieder hochgewirtschaftet“, berichtet Herta Troll. Die 83-jährige Lichtenauerin ist das jüngste Kind des früheren Gutsbesitzes. Mit ihren Brüdern Herbert und Rudolph wuchs sie auf dem Hof auf, bis sie 1956 heiratete und nach Hessisch Lichtenau zog.

Vom Rittergut zum Truppenübungsplatz: Erinnerungen an Gut Glimmerode

Gut Glimmerode
Das Foto zeigt den Blick auf das Wohnhaus des Rittergutes Glimmerode in den 1920er Jahren mit der Zehntscheune rechts. Links liegt der Schafstall mit Heuboden, dahinter der Hühner- und Kälberstall und der Kuhstall aus roten Backsteinen. Die Frau ist Martha Möller aus Retterode (geb. Kreye). In der Zehntscheune lagerte das Getreide, im Winter auch die Dreschmaschine. Das Getreide wurde im Sommer mit einem Binder geerntet, eingefahren und in der Scheune gelagert. Im Winter schnitten die Bauern die Seile, die es festhielten auf, und die Halme fielen locker in die Dreschmaschine. Dabei halfen viele Männer, die die schweren Säcke mit Getreide auf den Fruchtboden über dem Pferdestall trugen. Elisabeth Kreye kochte für alle Helfer. Dazu wurde meist ein Schaf geschlachtet und es gab Suppe. Ein Teil des Getreides wurde verkauft, ein anderer Teil gegen Düngemittel getauscht. Auf dem Getreideboden mahlte die Schrotemühle Getreide zu Schrot als Futter für die Schweine. Vor der Zehntscheune hatte die Familie Heineken (Schäfer) ihren Garten. Hinter der Scheune lagen Miste, Schweinestall, Milchkammer, Pferdestall und die Wohnungen der Arbeiter. In der Milchkammer gab es einen gemauerten Bereich, ähnlich wie ein Brunnen. Dort wurden im Sommer die Milchkannen zum Kühlen in kaltes Wasser gestellt und mit heißem Wasser aus der Küche ausgewaschen. Auf Glimmerode wurden meistens 40-Liter-Kannen genutzt. Dort wurde die Milch vom Abend und dem nächsten Morgen eingefüllt und zur Milchbank an der Stadtkirche nach Hessisch Lichtenau gefahren, wo sie von der Molkerei Lindberg aus Kassel abgeholt wurde. Auch die Frauen von der Zeche kamen mit ihren Kannen, um Milch zu kaufen. Der Wirt der Waldschenke verarbeitete einen Teil der Milch vor Ort - etwa zu Eis. In der Erdgeschosswohnung wohnte der Schweizer. Darüber lebte die Familie Polzin. Das war der Gespannführer, der sich um die Pferde kümmerte und mistete. „Er war ein fleißiger Mann und ging für seine Pferde auf“, erzählt Herta Troll. Er war auch mit den Pferden und dem Pflug auf den Feldern unterwegs, bevor die ersten Trecker kamen. Auf Glimmerode gab es sechs Arbeitspferde, allesamt Kaltblüter. „Grete, Lotto und Kastor“, erinnert sich Herta Troll an ihre Namen. Links vor dem Wohnhaus war das Backhaus. Jede Woche wurden dort Kuchen gebacken - Blechkuchen, Schmand- und Obstkuchen mit Zwetschgen oder Äpfeln. Jeden Samstagmorgen wurde der Backofen angemacht. Jede Familie kam mit ihrem Blech. Jeden Nachmittag kam ein Henkelkorb mit Kuchen für die Arbeiter auf das Feld mit Tassen und Kaffee. Auf den Feldern arbeiteten zumeist sechs bis sieben Helfer, darunter Inhaber Hermann Kreye und dessen ältester Sohn Herbert, Fred und Erhard Polzin sowie zwei bis drei Frauen.  © Familie Troll/Kreye
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Glimmerode von hinten mit Blick auf den oberen Saal mit den großen Fenstern und auf den Kastanienbaum - die Aufnahme muss zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg entstanden sein. Im Erdgeschoss lag der untere Saal. Dessen Fenster sieht man auf dem Foto nicht. Der obere Saal war größer als der untere. Dort gab es große Säulen und auch einen kleinen Balkon. Der obere Saal wurde von der Familie Kreye als Abstellkammer genutzt. Links vom oberen Saal lag die „Wurstekammer“, rechts das sogenannte Fremdenzimmer für Gäste. Im unteren Saal stand eine große Tafel, an der die Familie mit ihren Gästen und Arbeiten zu Mittag aß. Im unteren Saal haben Herta und Friedbert Troll auch gefeiert. Mit dem Bus sind sie von der evangelischen Stadtkirche in Heli nach Glimmerode gefahren. Standesamtlich haben sie in Reichenbach geheiratet. Oben auf dem Boden war die Räucherkammer, die aus Lehm gemauert war. Eine Glocke hing oben in dem Turm. Diese ging mit Hermann Kreye nach Verlassen des Gutes ins neue Zuhause in Hohnstorf bei Bienenbüttel.  © Familie Troll/Kreye
Gut Glimmerode
Das Bild ist zwischen den beiden Weltkriegen vom Beberich hoch fotografiert, also vom Wald her aufgenommen.  © Familie Troll/Kreye
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Das Foto aus der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg ist von der Rinderweide aus gemacht. Der Weg kam vom Rottland (Gemarkung, Bezeichnung für ein größeres Stück Land) hoch. Rechts im Bild sieht man die Stallungen, links das Wohnhaus. Davor liegt der Baumgarten, der auch heute noch zu sehen ist. Im Baumgarten gab es alle Sorten: Pflaumen, Renekloden (Unterart der Pflaume), verschiedene Äpfel und Eierpflaumen. Wenn die Äpfel reif waren, ging es jeden Morgen in den Baumgarten: Die Frauen sammelten Fallobst ein und machten daraus Apfelbrei oder Apfelkuchen. „Bei meiner Mutter kam nichts um“, sagt Herta Troll. Der Weg rechts im Bild führt ins Feld, ins Rottland. Dort waren Getreidefelder und Rüben wuchsen dort. Auf einem anderen Feld wuchs jedes Jahr etwas anderes. Rechts im Bild hinter dem Zaun lag die Kuhweide. Die Tiere liefen aus dem Stall direkt auf die Weide. Auch die Felder über die Straße hin zur Waldschenke waren Kuhweiden.  © Familie Troll/Kreye
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Im Gebäude hinten lag die Remise. Dort lagerten die Arbeitsgeräte, etwa der Ackerpflug, Heuwender, der Grasmäher mit einem langen, zwei Meter langem Schwert, gezogen von einem Pferd. In der ersten Etage wohnte der Schäfer mit seiner Familie, die Familie Heineke. Der Mann auf dem Bild ist Adolf Schröder, genannt Dolf, geboren 24.5.1921, gefallen 10.3.1942. Er ist der älteste Sohn von Minna Schröder (Schwester von Hermann Kreye). Sie lebte im ostfriesischen Varel, heiratete dort Adi Schröder, kam aber oft nach Glimmerode zu Besuch. Das Haus in Varel erbte Rudolph Kreye, der es weiter an seine Tochter Ute Lieke gab.  © Familie Troll/Kreye
Gut Glimmerode
Das Foto entstand Anfang der 1930er Jahre im Blumengarten von Glimmerode. Dieser lag auf der rechten Gebäudeseite, wenn man frontal auf das Wohnhaus blickte. Dort wuchsen Zypressen und es gab ein Rosenbeet. Den Garten pflegte die Familie Kreye. Von links: Hans Sommerlade, Sohn von Lenchen Sommerlade, geboren Kreye, verheiratete mit Kurt Sommerlade, einem Lehrer aus Spangenberg, Herbert Kreye, Sohn von Hofbesitzer Hermann Kreye, und Adolf Schröder, Sohn von Minna Schröder, geborene Kreye.  © Familie Troll/Kreye
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Dolf Schröder (stehend) Mitte der 1930er Jahre mit Herbert Kreye auf dem Pferd. Links ist der Wasserstein zu sehen, der heute im Wald unter der Ruine Reichenbach steht.  © Familie Troll/Kreye
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1941: Herta Troll (Tochter von Hofbesitzer Hermann Kreye, von links), Lenchen Wehle, geborene Kreye (Cousine von Herta, Tochter von Änne Kreye, Frau von Paul Kreye, Bruder von Hofbesitzer Hermann Kreye) und Adolf Kreye, Sohn von Änne und Paul Kreye. Das Auto mit dem Oldenburger Nummernschild gehörte Adolf Schröder, genannt Onkel Adi. Er war der Bruder des Mannes von Minna Kreye, der Schwester von Hermann Kreye. Beide wohnte in Varel. Onkel Adi, jüngster Bruder von Hermann Kreye.  © Familie Troll/Kreye
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Von der Hopfelder Straße aus. Rechts sieht man die Zehntscheune in den 1950er Jahren, daneben liegt die Miste, dann kommen Schweine- und Pferdestall und Arbeiterwohnungen. Gegenüber der Zehntscheune liegen Schafstall, Hühnerstall und Kuhstall (siehe Eingänge). Rechts vor den Arbeiterwohnungen (ganz rechts) liegt der Gemüsegarten. Links stand ein Nussbaum, rechts eine Linde. Ganz rechts liegt das Wohnhaus, das aus dieser Perspektive einen Blick auf das Türmchen bietet, indem sich die Glocke (heute in Hohnstorf) befand. Diese stand bereits im Flur des Wohnhauses, als Herta Troll noch in Glimmerode wohnte. 1956 heiratete sie und zog aus.  © Familie Troll/Kreye
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Martha Möller und vermutlich Ännchen Kreye vor dem Wohnhaus. Im obersten Geschoss befanden sich die Wohnung von Haushaltshilfe Klara Jakob, die Zimmer von Herta Troll und ein Abstellraum mit Sulberfass (ein langes Holzfass für das Einlegen von Fleisch und Schinken in Salzwasser, um es haltbar zu machen). In der Mitte sieht man die Fenster zu den Zimmern von Wilhelm Kreye (früherer Pächter und Vater von Hermann Kreye), zum Schlafzimmer von Hermann und Elisabeth Kreye und den Zimmer der Söhne Herbert und Rudolph Kreye. Im Erdgeschoss befanden sich die Schuhkammer und ein kleines Wohnzimmer mit Esstisch für etwa zehn Personen, zwei Sofas zum Ausruhen während der Mittagspause von 12 bis 13 Uhr. Außerdem gab es hier ein Herrenzimmer: Das wurde nur genutzt, wenn Besuch kam. Dann wurde hier gegessen und Feuer im Ofen angezündet. Dort stand ein großer runder Tisch mit braunen Ledersesseln, stammen vermutlich aus der Aussteuer von Elisabeth Kreye. Bücherschrank (in Northen bei Tante Christa) und Schreibtisch. Das Telefon stand ebenfalls hier.  © Familie Troll/Kreye
Arbeiter auf Gut Glimmerode
Familie Kreye, die letzten Bewohner des Gutes Glimmerode am 19. September 1926: Erinnerungsfoto an die Heu-Ernte auf Gut Glimmerode. Zu sehen sind unter anderem (2. v. l stehend) Paul Kreye, (2. v. l. sitzend) Helene Sommerlade, geb. Kreye, rechts unten Elisabeth Kreye, geb. Claus. © Archiv
So sah es einst aus: Das Gut Glimmerode zwischen Hessisch Lichtenau und Hopfelde, gemalt vom Heimatkünstler Richard Assmann.
So sah es einst aus: Das Gut Glimmerode zwischen Hessisch Lichtenau und Hopfelde, gemalt vom Heimatkünstler Richard Assmann.  © Rolf Günther

Heute wachsen Gräser und Wildblumen auf der Fläche, auf der das historische dreistöckige Gutshaus mit seinem Glockenturm und dem großen Rittersaal stand. Ein Abriss erscheint aus heutiger Sicht undenkbar. Damals ging es leicht: Der Denkmalschutz bestand noch nicht in der heute üblichen Breite. Als Denkmäler geschützt wurden vorwiegend Kirchen und Schlösser. Das erste gesamthessische Denkmalschutzgesetz trat 1974 in Kraft. Knapp zu spät für Glimmerode. Wie genau kam es zu dem Abriss?

Auf Gutsgelände sollte Manöverplatz entstehen

Die Bundeswehr wollte zwischen Hopfelde und Hessisch Lichtenau einen Manöverübungsplatz errichten. Mit dem ehemaligen Flugplatzgelände gehörten dem Bund dort bereits 123 Hektar. Diese Fläche sollte erweitert werden. Wichtig war der Truppenübungsplatz, da die Lossestadt eine militärische Garnison erhalten sollte. „Das Gelände ist für den Zweck vom militärischen Standpunkt aus gut geeignet“, schreibt Oberregierungsrat Bettenhäuser am 13. Januar 1958 an Franz Josef Strauß, damals Bundesminister für Verteidigung. Es gibt abwechslungsreiches Hügelgelände und Waldstücke. Ein Problem sieht Bettenhäuser klar: Inmitten der Fläche liegt Acker- und Weideland – Eigentum verschiedener Landwirte, mit denen der Bund einzeln verhandeln muss.

Anfangs scheint es schnell zu gehen: Bereits zwei Monate später erhält Strauß die Nachricht, dass Georg Behrens, Eigentümer des Gutes Hambach bei Walburg, dem Bund seine 91 Hektar Land zum Verkauf anbietet.

Widerstände in der Stadt

In der Lichtenauer Stadtverordnetenversammlung regen sich zunächst Widerstände gegen einen Truppenübungsplatz. Wilhelm Brübach, geboren 1909 in Hopfelde und bis 1973 Landrat des Kreises Witzenhausen, ist vehement dagegen: „Wenn auch das Land um den Meißner herum ,Hessisch-Sibirien’ genannt würde, so sei es doch eine Beleidigung, es zum militärischen Übungsgelände zu degradieren“, macht sich der SPD-Politiker im Dezember 1957 für die Landwirte stark.

Im Herbst 1959 tritt die Bundesvermögensstelle erstmals an Hermann Kreye heran. Die Verhandlungen sollten sich fünf Jahre hinziehen. Ob der Landwirt 50 Hektar verkaufen wolle? Kreye, der 98,25 Hektar Land besitzt, erteilt den Herren eine Abfuhr. Das Gut wäre nicht mehr ertragreich zu bewirtschaften.

Der Bund legt nach: Verkaufe Kreye den gesamten Hof? „Ich sagte zu, dass dieses eventuell möglich sei, wenn der Bund mir einen anderen Betrieb besorgt“, schreibt Kreye. Sein Wunsch: 98,25 Hektar des damaligen Stiftsgutes Teichhof zwischen Hessisch Lichtenau und Fürstenhagen. „Das Land ist boden- und klimamäßig gleich und ich könnte in meiner Heimat bleiben, denn für einen Bauer ist es nicht so leicht, seine Scholle zu verlassen“, schreibt Kreye.

Dokumentieren die Familiengeschichte: Carina Troll und ihre Großmutter Herta Troll.

Erforschung der Familiengeschichte

Herta Troll und ihre Enkelin Carina haben gemeinsam die Geschichte des Gutes Glimmerode aufgearbeitet. Die Verfasserin Carina Troll ist die Urenkelin des letzten Gutsbesitzers Hermann Kreye. Sie ist in Hessisch Lichtenau aufgewachsen und dort zur Schule gegangen, später studierte sie in Göttingen. Heute arbeitet Troll als Redakteurin in Heidelberg. Zur Recherche fuhr sie in das Bundes-Militärarchiv nach Freiburg. Dort sind zahlreiche Dokumente zu diesem Vorgang hinterlegt. Mit ihren vier Großeltern aus Hessisch Lichtenau und Hopfelde, die das Gut Glimmerode allesamt gut kennen und dort teilweise Tür an Tür lebten, hat Carina Troll diese gesichtet und die Geschichte zusammengefasst.

Die historischen Fotos vom Rittergut aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen von Herta Troll sowie aus dem Nachlass ihrer beiden Brüder, Herbert und Rudolph Kreye. Die Bildbeschreibungen gehen auf Erzählungen von Herta Troll zurück. (fst)

Mit dem Bund wird er sich nicht einig über Ersatzangebote, will zeitweise seinen Hof gar nicht mehr tauschen. „Daraufhin wurde mir mitgeteilt, falls ich meinen Hof nicht verkaufen würde, werde man ein Enteignungsverfahren einleiten“, berichtet Kreye in einem Brief. Die Würfel scheinen gefallen. Dennoch versucht der Bund alles, um eine Enteignung zu vermeiden, die zeitaufwändiger und auch teurer werden könnte, heißt es in den Dokumenten des Bundes.

Familie Kreye gibt Gut auf

Der Vertrag über den Verkauf Glimmerodes wird am 14. Februar 1964 abgeschlossen. Noch bis zum 30. September ist der damals 66-jährige Kreye vor Ort, bringt ein letztes Mal die Ernte ein. Dann zieht die Familie auf ihren neuen Hof – nicht in die Nachbarschaft, sondern ins rund 270 Kilometer entfernte Hohnstorf bei Lüneburg. Auch heute ist dieser noch in Familienbesitz. Ab dem 1. Oktober 1964 verfügt die Bundeswehr über Glimmerode. „Mir tat das schon sehr leid, auch heute noch“, erzählt Herta Troll. Wenn ihre Familie zu Besuch kam, warfen sie häufig einen Blick auf das frühere Zuhause.

Schöne Erinnerungen sind das nicht: Das historische Gutshaus diente fortan als Kriegsschauplatz, verfiel und musste 1974 aus Sicherheitsgründen abgerissen werden. Eine Schautafel erinnert an diesen Ort, die der Lichtenauer Geschichtsverein seit Jahrzehnten pflegt und kürzlich neugestaltet hat. Wer genau hinschaut, entdeckt weitere Spuren. Die Allee, gepflanzt von Hermann Kreye, die einst genau auf das frühere Gutshaus zuführte, den Obstgarten mit Apfel- und Pflaumenbäumen, der alte Kartoffelkeller, über dem der alte Holzstall mit dem Brennholz lag. Auch in der Region sind Fundstücke aus Glimmerode zu finden: Ein steinerner Tisch und Bänke stehen im Hopfelder Kirchhof, der frühere Sandsteintrog aus dem Hof findet sich am Jungfernborn unter der Ruine Reichenbach. „Ich freue mich, dass Glimmerode auf diese Weise noch immer Teil unserer Heimat ist“, sagt Herta Troll. (Carina Troll)

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