Bürgermeister verweist auf Vereinsförderung

Lichtenauer Fußballvereine fordern Hilfe von der Stadt bei Platzpflege

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Der Sportplatz an der Schulstraße im Hessisch Lichtenauer Stadtteil Fürstenhagen: Er wird vom SV Fürstenhagen genutzt, der eine Kostenaufstellung für den Platz angefertigt hat.

Seit Jahren gebe es keine Unterstützung für die Pflege der Anlagen. Die Vereine wünschen sich mehr Unterstützung, doch die Bitte um ein Gespräch mit Bürgermeister Michael Heußner sei von ihm abgelehnt worden.

Das berichtet Holger Nolte vom Sportverein Fürstenhagen. „Er hat gesagt, das sei ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung gewesen, da müsse man sich ans Parlament oder den Magistrat wenden“, sagt Nolte. Die Sportplätze seien städtisches Eigentum, doch seit 2010 werde die Hilfe vonseiten des Bauhofs kontinuierlich zurückgefahren. „Wir müssen alles selbst übernehmen: Mähen, Düngen, Heckenschnitt“, bemängelt Nolte – dabei hätte der Bauhof die geeigneten Geräte dafür. 

„Die Stadt macht gar nichts mehr“, so Günter Vogt, Vorsitzender des Lichtenauer Fußballvereins (LFV). Deshalb habe sich sein Verein mit dem TSG Fürstenhagen, der SG Meißner, der Sportvereinigung Hopfelde/Hollstein, dem ESV Walburg und dem SV Fürstenhagen zusammengetan, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Seit Anfang 2013 ist Hessisch Lichtenau unter dem Schutzschirm – „seitdem wurden die Leistungen für die Sportplätze extrem zurückgefahren“, sagt Friedhelm Koch vom ESV Walburg. Laut Nolte ist das in keiner anderen Kommune des Werra-Meißner-Kreises so. Der Bauhof habe sein Personal nach und nach aufgestockt. 

Vereine fühlen sich vernachlässigt

Warum eine Unterstützung bei der Sportplatzpflege dennoch nicht möglich ist, verstehen die Vereinsverantwortlichen nicht. Man habe den Eindruck, der Stadt sei die Vereinsarbeit egal. Joao de Azevedo, stellvertretender Jugendleiter beim LFV und Vorsitzender des Jugendfördervereins Lichtenau-Großalmerode, sitzt im Stadtparlament und erklärt, dass mit der Aufnahme in den Schutzschirm die Vereinsförderung ausgesetzt wurde.

Früher seien es 40.000 Euro im Jahr gewesen. In der vergangenen Stadtverordnetenversammlung sei eine neue Richtlinie für die Vereinsförderung mit 30.000 Euro pro Jahr beschlossen worden – dank des Drucks der Vereine. „Davon gehen jährlich 7500 Euro auf jeden Fall für die Instandhaltung des Kunstrasenplatzes ab“, sagt de Azevedo. Das sei allerdings nur ein Zuschuss, die Instandhaltung koste insgesamt zwischen 10.000 und 12.000 Euro jährlich.

Nolte macht deutlich, dass die Vereinsförderung für alle Vereine in Hessisch Lichtenau und den Stadtteilen gelte – das Geld werde dann verteilt, je nach Anzahl der Anträge. „Wir tun so viel für die Allgemeinheit und für die Jugend, das könnte die Stadt allein gar nicht leisten“, so Vogt. Die Vereine fühlen sich nicht wertgeschätzt. 

„Wir opfern viel Zeit, das rechnet einem niemand an“, sagt Andreas Horn vom ESV Walburg. Nolte wünscht sich, sich mit dem Magistrat zusammenzusetzen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. „Sonst sehen die Plätze in fünf bis zehn Jahren noch schlimmer aus als jetzt schon“, sagt Lukas Sedlak von der Spielvereinigung Hopfelde/Hollstein.

Das sagt Bürgermeister Michael Heußner

Bürgermeister Michael Heußner berichtet, es habe ein telefonisches Gespräch mit Holger Nolte gegeben. „Wie die bisherigen Beschlussfassungen zum Kunstrasenplatz gezeigt haben, ist die Stadtverordnetenversammlung in Hessisch Lichtenau bereit, Geld für den Sport zur Verfügung zu stellen. Leider können unter dem Schutzschirm trotzdem nicht alle Wünsche erfüllt werden. Der betreffende Vorgang liegt in der alleinigen Zuständigkeit der Stadtverordnetenversammlung“, macht Heußner deutlich. 

Das Parlament habe im November 2018 beim Eckwertebeschluss vom Magistrat weitere Einsparungen gefordert, sodass derzeit keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung stünden. Im Zuge des Schutzschirmbeschlusses seien die Arbeiten des Baubetriebshofes auf den Sportplätzen erheblich eingeschränkt worden. Die Stadtverordnetenversammlung (Stavo) stelle seit 2017 jährlich 30.000 Euro für die Vereinsförderung zur Verfügung, die je nach Anzahl der Anträge nach einem Schlüssel verteilt würden. Für den Kunstrasenplatz seien davon jährlich 7500 Euro für die Pflege vorgesehen. „Damit haben die Fußballvereine innerhalb dieser Richtlinie ein Alleinstellungsmerkmal“, so Heußner. 

Der Kunstrasenplatz soll nach Vorstellung der Stadt allen Vereinen zur Verfügung stehen. Heußner: „Wenn die Stavo die Entscheidung trifft, dass die Vereine stärker unterstützt werden sollen, müssen dafür auch Mittel bereitgestellt werden.“ Dass die Abgeordneten den Fokus auf die Vermeidung weiterer Grundsteuererhöhung legen, sei nachvollziehbar. 

Beispielrechnung: Jährliche Kosten von mehr als 3100 Euro

Für den SV Fürstenhagen, ein Verein mit 84 Mitgliedern, hat Holger Nolte eine Aufstellung der jährlichen Kosten angefertigt:

  • 35-mal 2,5 Stunden Mähen des Platzes à zehn Euro: 875 Euro 
  • 20-mal zwei Stunden Mähen außen: 400 Euro 
  • Dreimal zwei Stunden Geländerpflege: 60 Euro 
  • Hecke schneiden (20 Stunden): 200 Euro 
  • Benzinkosten: 125 Euro 
  • Maschinenkosten (Reparatur): 500 Euro 
  • Dünger aufbringen: 200 Euro 
  • Geräteanschaffung, jährlicher Durchschnitt: 800 Euro 
  • Daraus ergeben sich laut Nolte jährliche Kosten von 3160 Euro. „Diese Kosten für die Platzpflege muss der Verein allein tragen“, sagt Nolte.

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