War etwa ein Wolf am Werk?

Lichtenauer Schäferin findet drei ihrer Tiere tot auf der Weide

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„Da hat der Charly gelegen!“, zeigen Mila und Mutter Yvonne Söder dem Jagdpächter Karl-Heinz (Kalle) Kannstein den Platz, wo sie die leblose Zwergziege gefunden haben.

Eine Schäferin aus Hessisch Lichtenau hat am Freitagmorgen drei ihrer Tiere tot auf der Weide gefunden, zwei hatten Bisse an der Kehle. Ein Risssachverständiger prüft nun, ob es ein Wolf war, der die Tiere getötet hat.

„Da hat der Charly gelegen“, die kleine Mila weiß die Stelle noch ganz genau, wo sie und ihre Mutter Yvonne Söder die Zwergziege mit dem weißen Körper und dem braunen Haupt am Freitagmorgen gefunden haben.

Die beiden hatten schon nichts Gutes geahnt, als sie eine der Ziegen, die auf der zur Gemarkung Walburg gehörenden „Wassermannwiese“ oben auf dem Metzberg weiden sollten, mit blutigen Verletzungen am Hinterteil im Stall fanden. Der Gedanke „Wolf“ kam der Hobbyschäferin, die insgesamt 30 Tiere weiden lässt, sofort. Oben angekommen fand sie die sonst zwölf Tiere zählende Herde verängstigt zusammengedrängt. Drei Tiere, zwei Ziegen und ein Schaf, lagen auf der Weide verteilt tot am Boden.

Tot: Starb die Zwergziege Charly durch einen Wolf?

Sofort nahm sie Kontakt zum Jagdpächter des Reviers Hollstein auf. Der hatte beim Frühansitz ein wolfsähnliches Tier mit dem Fernglas beobachtet und durch lautes Rufen vergrämt.

Darüber und über den Notruf informierte er umgehend Karl-Heinz Kannstein, der das Revier Walburg II gepachtet hat. „Du musst mal schnell hier rauf kommen“, so seine dringende Botschaft. „Die Tiere lagen rund hundert Meter voneinander entfernt“, beschreibt er die Auffindesituation. Sehr schnell war dann auch der von Kannstein informierte Risssachverständige Gerhard Becker aus Melsungen vor Ort, nahm die verendeten Tiere und die Gesamtsituation in Augenschein.

„Die Weide war ordnungsgemäß eingezäunt“, erläuterte er im Gespräch mit der Witzenhäuser Allgemeinen am Sonntagnachmittag. „War’s die Stölzinger Wölfin?“ Auf die Frage lässt er sich gar nicht ein. „Die Menschen haben immer so eine hohe Erwartungshaltung“, erklärt er und spricht beim Verursacher wertneutral von einem „Beutegreifer“. „Ein Tier hatte einen deutlichen Kehlenbiss“, stellt er seine Beobachtungen dar. Bei einem weiteren Tier gab es ebenfalls eine Verletzung im Halsbereich. Das dritte Tier war gänzlich unverletzt. „Vielleicht hat es durch Stress einen Herzschlag bekommen.“ Das wäre übrigens nicht ungewöhnlich.

An den Verletzungen der Tiere nahm Becker Abstrichproben, die an das Forschungsinstitut Senckenberg in Gelnhausen zur gentechnischen Untersuchung übersandt wurden. „Das dauert so drei Wochen.“

Erst dann wird man die Frage beantworten können, ob es sich um einen Wolfsriss handelt, erst dann wird Yvonne Söder erfahren, ob sie mit einem Ersatz für den von ihr auf 200 Euro geschätzten materiellen Schaden rechnen kann.

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