Lange Liebe trotz Trennung

Er kam als Flüchtling: Paar aus Fürstenhagen feiert Diamantene Hochzeit

Ein schmuckes Paar im feinen Zwirn: Helga (Wilhelmine) und Manfred Hellrung vor 60 Jahren. Repro: Gert Merkel

Fürstenhagen. Manfred Hellrung kam nach der Flucht aus der DDR nach Fürstenhagen und blieb dort, weil er seine Helga kennenlernte. Heute feiert das Paar Diamantene Hochzeit.

„Da sprang bei Hobeins eine in der Stube rum, rank und schlank“, genau kann Manfred Hellrung sich noch an die Begegnung mit seiner Helga erinnern. „Was macht ihr denn Weihnachten? Ich lad euch für den zweiten Feiertag ein“ hatte ihr Bruder Frieder den jungen Zonenflüchtling gefragt, als die beiden gemeinsam Bretter stapelten.

Zusammen mit einem Freund war der gerade einmal 18 Jahre alte gelernte Schneider aus Gernrode bei Worbis mit einem Kollegen im September 1953 „rübergemacht“. „Morgen machen wir’s“, hatten die beiden sich vorgenommen, wussten nur, dass die Volkspolizisten am Grenzposten in Ecklingerode mittags zum Essen gingen. Gelaufen sind sie bis sie nicht mehr konnten, erfuhren erst durch einen Bauern, dass sie im Westen waren.

Über die verschiedenen Durchgangslager kam Manfred dann nach Fürstenhagen, fand über einen Kriegskameraden des Vaters Arbeit.

Noch immer ein glückliches Paar: Helga (Wilhelmine) und Manfred Hellrung feiern heute ihre Diamantene Hochzeit. Foto: zgg

Helga heißt eigentlich Wilhelmine nach der Patentante. Erfahren hat sie das aber erst beim Heiraten. „Alle meine Dokumente waren auf Helga  ausgestellt“. So hatte es die Tante eigentlich gewollt. Aber der Name war eingetragen und ist es bis heute. „Die meisten wissen das aber gar nicht“, erzählt Wilhelmine Helga lachend.

„Nur das Foto haben wir uns geleistet.“

Manfred, der eigentlich wie so viele andere in dieser Zeit ins Ruhrgebiet weiter wollte, fand durch den Fußball, er war auch als Trainer tätig, und seine Helga schnell Kontakt im Dorf.

Heute vor 60 Jahre haben die beiden dann geheiratet. Geld hatten beide nicht. „Nur das Foto haben wir uns geleistet“, erzählen sie. Bald wurde die älteste Tochter Petra geboren, 13 Jahre später Martina. Manfred fand Arbeit in seinem erlernten Beruf, Helga war im „Auguste-Förster-Haus“ beschäftigt.

Als in den 70er Jahren das große Sterben der Textilindustrie begann, musste auch Manfred sich neu orientieren. Über 20 Jahre war er für eine große Bekleidungsfirma in verantwortlicher Position in einer großen Fabrik in Slowenien tätig. Einen Heimflug gab es alle drei Wochen. Helga musste die Familie und auch den Umbau des 1972 gekauften Hauses managen. Der Beziehung der beiden hat diese lange Trennung nicht geschadet.

Richtig gefeiert werden soll am Samstag nach dem Gottesdienst in der Fürstenhagener Kirche. Mit dabei dann die große Verwandtschaft, vor allem aber die Kinder, drei Enkel und das Urenkelchen. (zgg)

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