Hand in Hand gegen das Vergessen

Menschenkette in Hessisch Lichtenau erinnert an Zwangsarbeiter

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Von der Heinrichstraße bis zur Munitionsfabrik zog sich die Menschenkette.

„Es war für die Leute damals eine schlimme Zeit. Wenn ich mal Kinder bekomme, dann will ich ihnen weitererzählen, was damals passiert ist, damit es nicht vergessen wird“, sagt die elfjährige Hila am Mittwoch in Hessisch Lichtenau.

Sie gehörte zu den gut 1500 Teilnehmern einer Menschenkette gegen das Vergessen vom Gedenkstein an der Heinrichstraße bis zum Eingang der ehemaligen Munitionsfabrik in Hirschhagen. Organisiert hatte die Menschenkette die Freiherr-vom-Stein-Schule.

Mit dabei war auch die zwölfjährige Julie, die berichtet, warum sie dabei ist: „Die Zwangsarbeiterinnen mussten damals selbst hier langlaufen. Ich möchte sie ehren, damit sie nicht vergessen werden.“

Projektwoche zum Thema "NS-Zeit"

Die Idee zur Menschenkette hatte die Schülervertretung, die mal wieder eine Gemeinschaftsaktion anregte, berichtet Claudia Seiler, Lehrerin an der Freiherr-vom-Stein-Schule. Da aufgefallen sei, dass sich in letzter Zeit rechte Sprüche in Schule und Gesellschaft häufen, habe sich der Plan für die Menschenkette entwickelt. Seit März wurde die Aktion vorbereitet, die eine Projektwoche zum Thema „NS-Zeit“ abschließt, so Seiler.

Sie selbst ist am Mittwoch an einer der vier Stationen entlang der Strecke zu finden, an der zum Selbstkostenpreis Bändchen für das Handgelenk verkauft werden und wo es Getränke gibt. Andere Kollegen kümmern sich darum, dass sich um 17.15 Uhr die Menschenkette zu formieren beginnt. Bis dahin hatten die Teilnehmer angesichts der hohen Temperaturen den Schatten gesucht.

Improvisieren mit einer Weihnachtskette

Um 17.18 Uhr beginnen die Glocken der Stadtkirche für gut zehn Minuten zu läuten. Die Teilnehmer fassen sich an den Händen, wo es kleinere Lücken gibt, wird ein Seil von Mensch zu Mensch gespannt. Eine findige Lehrerin holt schnell die Weihnachtskette aus dem Keller, um die letzte Lücke zu schließen.

Nachdem die Glocken aufgehört haben zu läuten, wandern acht Exemplare des Buches „Auf einem fremden, unbewohnbaren Planeten“ von Blanka Pudler, die selbst Zwangsarbeiterin in Hirschhagen war, und Dr. Dieter Vaupel durch die Reihe. Um kurz vor 18 Uhr sind zwei Exemplare am Gedenkstein angekommen. Zum Abschluss steigen blaue und gelbe Luftballons in den Himmel, während die Reihe sich langsam auflöst.

Nachfahren von Zwangsarbeitern

Hochgerechnet bilden mehr als 1500 Teilnehmer die Menschenkette. Darunter Petra Salzmann, die ihren Enkel begleitet und sagt, dass es ihr ganz wichtig ist, dabei zu sein, war doch ihre Großmutter selbst Zwangsarbeiterin.

Mit der Teilnehmerzahl zeigt sich Claudia Seiler sehr zufrieden und lobt die guten Kooperationen mit Ordnungsamt, Polizei, Rotem Kreuz, Forst und Orthopädischer Klinik.  nde

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