Maschinenfabrik Richter: Mitarbeiter verklagen ihren Chef

Maschinenfabrik Richter in Hessisch Lichtenau. Foto: Bretzler

Wegen der bevorstehenden Schließung der Maschinenfabrik Richter in Hessisch Lichtenau haben 26 der 106 Angestellten ihren Chef Axel Richter auf Wiedereinstellung verklagt.

Das bestätigte Jörg Höhre, stellvertretender Geschäftsleiter des Arbeitsgerichtes Kassel, auf Anfrage. Axel Richter, der von 41 Klagen spricht, sagte dazu im Gespräch mit unserer Zeitung: „Das enttäuscht mich nicht nur, mir fehlt dafür jegliches Verständnis.“

Grund für die Verfahren: Bei den Kündigungen der teils langjährigen Mitarbeiter sei keine soziale Auswahl getroffen worden. „Aber welche Auswahl soll ich treffen, wenn sowieso alle gekündigt werden“, fragt der Firmenchef rhetorisch. „Ich mache nicht weiter. Beide Betriebe werden wie angekündigt geschlossen.“ Das heißt, dass der Schweißbetrieb (Adam Richter & Sohn Maschinenbau GmbH) am kommenden Dienstag die Tore schließt, die Mechanik (Maschinenfabrik AG) dann Ende September. Ein Nachfolger sei bislang nicht gefunden, so Richter.

Interessenten gibt es aber schon, vor allem für die Mechanik. Doch noch ist strittig, ob diese separat von der Schweißerei weitergeführt werden darf. Grundsätzlich ist ein Betriebsübergang gesetzlich klar durch Paragraph 613a (BGB) geregelt. Ziel ist vor allem der Bestandsschutz der betroffenen Arbeitnehmer. Deren Wohl hat auch die IG Metall Nordhessen im Auge, die gekündigte Richter-Mitarbeiter beraten hat. „Grund für die vielen Einzelklagen ist, dass die Firma Richter keinen Betriebsrat hat. Mit diesem hätte im Vorfeld ordentlich über einen Sozialplan und Abfindungen verhandelt werden können und die Situation hätte sich nicht zugespitzt“, sagt Gewerkschaftssekretärin Anja Neumann.

Richters Enttäuschung ist für sie unverständlich. „Durch die individuellen Kündgungen gehen die Mitarbeiter nach Jahrzehnten mit Nichts nach Hause. Wen wundert es da, dass sie vor Gericht ziehen.“

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