Feuer in Hessisch Lichtenau

Nach Brand: Vor 125 Jahren wurde Stadtkirche neu eingeweiht

Schmuckstück im Zentrum: Die Stadtkirche heute. Foto: zlr

Hessisch Lichtenau. Aus welcher Himmelsrichtung auch immer man nach Hessisch Lichtenau kommt, die Evangelische Stadtkirche mit ihren 53 Metern bis zur Turmspitze ist nicht zu übersehen. Auch wenn ein Gotteshaus seit Jahrhunderten das Bild im Zentrum der Altstadt prägt, so ist der letzte Wiederaufbau der Kirche gerade einmal 125 Jahre her, was am Sonntag gebührend gefeiert wird.

Was niemand zuvor für möglich gehalten hatte, war im Herbst 1886 eingetreten: Die Kirche brannte. Ein verheerendes Feuer in der Hessisch Lichtenauer Altstadt hatte in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober dafür gesorgt, dass von der Kirche nur noch eine Ruine übrig blieb. Das Feuer hatte in den engen Gassen nahe der Stadtkirche infolge des starken Ostwindes ein Fachwerkhaus nach dem anderen erfasst und war gegen Mitternacht auch auf den Kirchturm übergesprungen. Alle Versuche, mit Löscheimern zum Feuerherd in der Turmspitze vorzudringen, waren vergebens. Kurz nachdem die Glocke im Kirchturm am Morgen fünf Uhr geschlagen hatte und Turm samt Kirchendach einstürzte, waren alle Anwohner wie am Boden zerstört. Noch in letzter Minute hatten sie ihr Hab und Gut aus den brennenden Wohnhäusern in die vermeintlich sichere Kirche gebracht.

Ihre Kirche in Schutt und Asche, nachdem sie im Laufe der Jahrhunderte zahlreichen Bränden im Stadtkern immer wieder getrotzt hatte. Lediglich während des 30-jährigen Krieges hatten die Kroaten 1637 auf ihrem Zug der Verwüstung die Kirche wie die übrige Stadt auch niedergebrannt. War damals zumindest noch die Sakristei erhalten geblieben, standen nach dem Brand von 1886 nur noch die Außenmauern.

Eine Ruine: Die total ausgebrannte Stadtkirche nach dem verheerenden Brand von 1886. Repro: zlr

Ganz im Geiste der Zeit wurde der Innenraum im neugotischen Stil eingerichtet, um wieder eine Einheit zur Architektur herzustellen. Da die Kreuzgewölbe anstelle der vorherigen Holzkonstruktion wieder gemauert wurden, mussten die äußeren Strebepfeiler verstärkt werden, um dem höheren Druck Stand zu halten. Dem Wunsch, ein Seitenschiff anzubauen, wurde nicht nachgekommen, weil ein größerer Freiraum aus Sicht des Brandschutzes sinnvoll erschien. Statt der barocken Haube erhielt der Kirchturm wieder eine hohe Spitze.

Die Kosten für den Wiederaufbau betrugen 93 000 Mark. Die Kirche war zum Glück versichert, sodass 60 000 Mark von der Brandkasse übernommen wurden. 20 000 Mark stellte das Geistliche Lehen zur Verfügung, 3760 Mark hatte die Kollekte erbracht. Der noch fehlende Betrag wurde dann im Rahmen einer Sammlung aufgebracht.

Zum 600-jährigen Bestehen der Stadt wurde die Evangelische Stadtkirche feierlich am 29. September 1889 wieder eingeweiht. (zlr)

Termine:

Ein Jubiläumskonzert findet am Samstag, 4. Oktober, in der evangelischen Stadtkirche statt. Anlass ist das 120-jährige Bestehen des Posaunenchores/Evangelischen Bläserkreises“, Beginn ist um 18 Uhr.

Zur Aufführung kommen neben kirchenmusikalischen Stücken auch bekannte Filmmelodien. Es musizieren der Evangelische Bläserkreis Hessisch Lichtenau mit dem nordhessischen Bläserquintett „Aufgebrasst“ und Bläserinnen und Bläsern der Kirchenkreise Witzenhausen und Eschwege unter der Leitung von Lea Fröhlich, Sebastian Selig und Sebastian Wolf.

Der Eintritt ist frei, am Ausgang wird um eine Spende fürs Jungbläserprojekt gebeten.

Am Tag danach, dem 5. Oktober, werden in der Stadtkirche das Erntedankfest und das Kirchenjubiläum mit einem Abendmahlsgottesdienst gefeiert. Beginn ist um 14 Uhr, die Festpredigt hält Pröpstin Katrin Wienold-Hocke. Anschließend gibt es Kaffee und Kuchen in der Kirche, Grußworte und einen Festvortrag von Gerd Krause (Vorsitzender des Kirchenvorstandes). Das Jubiläum wird mit einer musikalischen Andacht mit Projektchor um 17.30 Uhr abgerundet. (kra)

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