Nach 16 Jahren in den Ruhestand: Hessisch Lichtenaus Bürgermeister verabschiedet

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Vor seinen zwei großen Projekten: Jürgen Herwig hat in der 16-jährigen Amtszeit als Bürgermeister für den Bau der A 44 gekämpft und den Hessentag in die Lossestadt geholt. Zum Abschied hat er unter anderem von der Freiherr-vom-Stein-Schule eine Fotografie erhalten. 

Hessisch Lichtenau. Vermissen wird Jürgen Herwig laut eigener Aussage gar nichts. „Ich freue mich wahnsinnig auf den Ruhestand“, sagt der 65-Jährige, der morgen von den Hessisch Lichtenauer Stadtverordneten als Bürgermeister verabschiedet wird.

Schließlich gab es gleich drei „schönste Momente“ in seiner 16-jährigen Amtszeit: Zum einen war da nach jahrelangen Klagen das Urteil, dass die A 44 weitergebaut werden kann. „Die Nachricht war grandios, ich hätte vor Freude aus dem Fenster springen können.“ 2006 richtete Hessisch Lichtenau den Hessentag aus: „Das mitprägen und erleben zu können war fantastisch“. Fünf Jahre vorher startete die Sanierung von acht Straßen. Anliegerbeiträge von 700 Bürgern wurden eingefordert - und das kurz vor der Wahl. Die Bürger werden dir einen Denkzettel verpassen, wurde Herwig von Kollegen gewarnt. Doch er erhielt aus der Kernstadt sogar mehr Stimmen als bei der Wahl zuvor. „Man darf eben kein Angsthase sein und sich taktisch verstellen, sondern muss immer versuchen, die Stadt voranzubringen“, reflektiert Herwig den dritten „schönsten Moment“.

„Die Lichtenauer haben an mir geschätzt, dass ich mich durch das Amt nicht verändert habe.“

Mit einem Schmunzeln erinnert er sich an einen alten Mann, der ihn beim Zaunstreichen verwundert fragte, warum das nicht der Bauhof für ihn erledigen könne. Auch die beiden verzweifelten Mädchen, die ihn um 23.30 Uhr aus dem Bett klingelten, weil sie aufgrund von Streitigkeiten nicht mehr bei ihren Freunden übernachten konnten, ihre Eltern nicht wecken wollten und (vergeblich) auf einen Schlafplatz im Hause Herwig hofften, erinnert er sich gut. Natürlich gab es auch unschöne Momente. So musste er sich dreimal vor Gericht verantworten. Alle Verfahren seien aber zu seinem Vorteil ausgegangen. „Ich bin froh, dass ich - wenn man so will - keinen Fehler gemacht habe.“

Stolz ist der Meinharder darauf, dass er sich als „Auswärtiger“ gut integriert hat. „Ich glaube schon sagen zu können, dass ich ein Lichtenauer geworden bin.“ Wie ihm das gelungen ist? „Die Lichtenauer haben an mir geschätzt, dass ich mich durch das Amt nicht verändert habe. Ich war immer der Jürgen.“ Er sei nah- und erfahrbar gewesen, habe mitgefeiert und sei überall präsent gewesen. „Es war ein Verhältnis auf Augenhöhe.“

Kommunalpolitisch will Herwig sich nun vollkommen zurückziehen. „Mein Abschied wird allumfänglich sein, nur in der Partei bleibe ich Mitglied.“ Diese Konsequenz zieht er auch aufgrund zweier gesundheitlicher Rückschläge. „Nach solchen Erfahrungen ist man dankbar, wenn man am Leben ist und sich guter Gesundheit erfreut.“ Dieser will sich Herwig in Form von Spaziergängen nun ausgiebig widmen.

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