Neues Gefühl von Heimat für 14 minderjährige Flüchtlinge

Zwei der 14 unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen: Majid (von links) und Abbas leben in den Räumen des Lichtenau e. V. in Hessisch Lichtenau. Hans-Hartmut Pletzer ist verantwortlich für den Betrieb des Hauses. Foto: Nieswandt

Hessisch Lichtenau. Auf dem Gelände von Lichtenau e.V. am Mühlenberg in Hessisch Lichtenau leben Teenager aus Afghanistan und Albanien.

Fremdsprachige Musik erklingt auf dem Gelände von Lichtenau e.V. am Mühlenberg in Hessisch Lichtenau. Draußen unterhalten sich Jugendliche in unterschiedlichen Sprachen. In ein Haus der Einrichtung sind 14 minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge eingezogen.

Der Vorstand des Vereins hatte die Räume angeboten. Mitte September kamen die ersten acht Flüchtlinge aus Afghanistan und Albanien in ihren Zimmern an. Zwei Wochen später trafen sechs weitere ein. Vorher waren die Jungen zwischen 15 und 17 Jahren im Erstaufnahmelager in Gießen untergebracht. „Unser Ziel ist es, den Bewohnern ein Gefühl von Heimat zu geben und sie auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten“, sagt Hans-Hartmut Pletzer, Leiter des Zentrums für Berufliche Bildung und verantwortlich für den Betrieb des Hauses.

Die Jungen leben dort in Einzelzimmern, auf Wunsch können sie aber auch mit einem Freund das Zimmer teilen. Das machen Abbas und Majid. Die beiden 16-Jährigen kommen aus Afghanistan. Abbas spricht schon ein wenig Deutsch, er hatte in Gießen bereits einen Sprachkurs. Für ein Interview reichen seine Kentnisse allerdings noch nicht. Jetzt besuchen die Jungen die Beruflichen Schulen in Witzenhausen und erhalten weitere Sprachkurse, um sich schnell in die neue Kultur zu integrieren.

Dabei hilft der Verein tatkräftig mit. „Die Jugendlichen sollen sich hier wohlfühlen, aber auch Grenzen kennenlernen“, sagt Pletzer. Sie müssten zum Beispiel lernen, pünktlich zu sein und sich am Tisch angemessen zu verhalten. Auch die Selbstversorgung kannten sie aus ihren Heimatländern nicht. „Sie leben im Haus in zwei Gruppen mit jeweils sieben Jugendlichen. Dort kochen sie gemeinsam, gehen einkaufen und lernen, mit ihrem Geld umzugehen“, sagt Pletzer. Das könne man sich wie einen Familienersatz vorstellen. Dabei helfen den Flüchtlingen nach der Schule immer drei Betreuerinnen, denen sie auch ihre Sorgen und Ängste anvertrauen können.

Allerdings gibt es noch einige Sprachprobleme, weshalb es auf dem Gelände zwei Dolmetscher gibt. Nasir ist Afghane und macht eine Ausbildung, Mustafa spricht albanisch und arbeitet ebenfalls bei der Orthopädischen Klinik. „Dass die Dolmetscher immer zur Stelle sind, ist ein großer Vorteil und ein Grund, warum das Haus zur Unterbringung ausgewählt wurde“, sagt Pletzer.

Die beiden Dolmetscher seien vom Alter nah an den jugendlichen Flüchtlingen, sodass schneller eine Vertrauensbasis entstünde. Nasir kam vor einigen Jahren ebenfalls als Flüchtling nach Deutschland. Jetzt macht er eine Ausbildung zum Orthopädie-Mechaniker. „Er dient als Vorbild, dem die Jungen nacheifern können“, sagt der Leiter. So könnten sie sehen, was sie alles erreichen können.

Was für traumatische Erfahrungen die Jungen von ihrer Flucht mitbringen, sei noch nicht ersichtlich. „Das stelle ich mir wie einen Eisberg vor. Das Unsichtbare kommt erst langsam zum Vorschein“, sagt Pletzer.

Momentan seien die Jugendlichen wie alle anderen jungen Menschen in diesem Alter: „Sie wollen alles erkunden, unterhalten werden und sehen, wie weit sie gehen können“, sagt Pletzer.

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