Odyssee auf dem Weg zum Telefon

Seniorin aus Hessisch Lichtenau wurde vier Mal von Telekom-Technikern versetzt

Das Telefon blieb lange stumm: Renate Prüßner aus Hessisch Lichtenau wartet seit Wochen auf einen Termin, bei dem ihr Festnetz angeschlossen werden kann. Unser Bild ist ein Symbolbild.
+
Das Telefon blieb lange stumm: Renate Prüßner aus Hessisch Lichtenau wartet seit Wochen auf einen Termin, bei dem ihr Festnetz angeschlossen werden kann. Unser Bild ist ein Symbolbild.

Eigentlich sollte der Telefonanschluss von Renate Prüßner kurz nach ihrem Umzug freigeschaltet werden. Doch die Seniorin aus Hessisch Lichtenau wartet seit sieben Wochen auf einen Techniker.

Hessisch Lichtenau – Renate Prüßer ist mehr als 80 Jahre alt, ihr Sohn Jens lebt am Bodensee. Um ihn, ihre Kinder und Enkel, aber auch Ärzte und Behörden zu erreichen, ist sie auf Telefon und Internet angewiesen. Doch seit ihrem Umzug in eine seniorengerechte Wohnung in Hessisch Lichtenau Anfang September bleibt ihr Festnetzanschluss stumm – obwohl die alte Dame schon im August bei ihrem Telefonanbieter Vodafone ihren Umzug angemeldet hatte.

„Es wurde ihr versichert, dass diese Angelegenheit problemlos und prompt erledigt werden könne. Man könne ihr einen Anschlusstermin für einen Tag nach ihrem Umzug, also für den 7. September, fest zusagen“, sagt Sohn Prof. Dr. Jens Prüßner. Da alle DSL-Festnetzanschlüsse von der Telekom betrieben werden, sollte ein Telekom-Techniker im Auftrag von Vodafone den neuen Anschluss im Haus freischalten. „Dieses technische Detail ist einem ja eigentlich egal, solange alles funktioniert“, sagt Jens Prüßner. Doch was für Familie Prüßner folgte, war eine Odyssee aus Warten, verpatzten Terminen und Frust.

Sie hätten sichergestellt, dass am 7. September zwischen 8 und 16 Uhr für den angekündigten Besuch des Technikers stets jemand im Haus war. „Deswegen waren wir überrascht, als wir am frühen Nachmittag eine E-Mail erhielten, dass uns der Techniker vor Ort leider nicht hatte antreffen können, und wir nun einen neuen Termin machen müssten.“

Frust bei der Familie

Renate Prüßner erhielt ein Angebot für einen Termin zehn Tage später, am 17. September. „Obschon sich meine Mutter und ihr Lebenspartner nicht aus dem Haus trauten, um den ersehnten Techniker begrüßen zu können, geschah dasselbe wie beim ersten Mal“, sagt ihr Sohn. „Es gab eine Online-Benachrichtigung am Nachmittag, dass der Termin nicht zustande gekommen sei, und man einen Neuen finden müsse. Dieses Mal hieß es, dass der Techniker die Adresse nicht hatte finden können.“

Prüßner prüft die Angaben bei der Terminvergabe: Alles richtig, auch das Navigationsgerät findet die neue Adresse. Seine Mutter sei nicht in eine Gegend gezogen, „wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen“, sagt Jens Prüßner wütend. „Wir sprechen hier von der Kleinstadt Hessisch Lichtenau mit einer zentral gelegenen Adresse neben einem Einkaufszentrum.“ Die anderen Häuser an dieser Adresse seien ebenfalls von der Telekom bedient worden.

Zwei weitere Termine scheitern

Zwei weitere Termine – am 27. September und am 7. Oktober – wurden vereinbart, und obwohl Renate Prüßner und ihr Lebensgefährte zuhause waren, sei kein Techniker gekommen. Familie Prüßner beschwerte sich per Handy bei den Hotlines von Vodafone und Telekom. Hier habe es nur geheißen, dass der Techniker niemanden habe antreffen können.

An der Telekom-Hotline sei der Seniorin zudem geraten worden, von Vodafone zur Telekom zu wechseln, dann könnte man ihr eine Freischaltung binnen drei Tagen garantieren. Davon hat Jens Prüßner seiner Mutter abgeraten: „Das würde sich für mich nach einer geglückten Erpressung anfühlen.“ Den Grund für die Misere kenne er nicht, sagt er. Fest stehe: „Meine Mutter ist seit über einem Monat ohne Anschluss, was aber Vodafone bisher nicht davon abgehalten hat, die monatlichen Beträge abzubuchen.“

Der nächste Techniker-Termin ist für den heutigen Freitag angekündigt.  

Das sagen die Telefonanbieter

Telekom und Vodafone räumen auf HNA-Anfrage Probleme mit den Techniker-Terminen für Renate Prüßners Telefonanschluss ein. Allerdings weisen sie die Darstellung der Familie zurück: Der erste Termin sei an einer falschen Adressangabe Prüßners gescheitert, der zweite an einem fehlerhaften Namen auf dem Klingelschild, sagt Vodafone-Sprecher Volker Petendorf. Termine 3 und 4 seien gescheitert, weil niemand dem Techniker geöffnet haben soll, der Mann habe Musik im Haus gehört. Bei einem fünften Termin sei der Techniker zu einer überregionalen Störung abberufen worden. Für Nachfragen sei Familie Prüßner über die angegebene Handynummer und E-Mailadresse nicht erreichbar gewesen.

Jens Prüßner hält das für vorgeschoben: Er hat Belege für die richtige Adressangabe und Zeugen für das richtige Klingelschild. Seine Mutter hat nicht einmal ein Radio. Ein fünfter Termin vor dem 22. Oktober sei gar nicht vereinbart gewesen. (Friederike Steensen)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.