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Leitfaden zu assistiertem Suizid von Lichtenau e.V.

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Von: Evelyn Paul

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Begleiteter Suizid, Foto von Gaetan Bally/dpa
Für assistieren Suizid hat das Ethikkomitee von Lichtenau e.V. einen Leitfaden für die Mitarbeiter erarbeitet. © Gaetan Bally/dpa

Der Wunsch nach dem vorzeitigen Tod beschäftigt auch Mitarbeiter von Kliniken und Rehabilitationszentren. Das Ethikkomitee vom diakonischen Unternehmensverbund Lichtenau e.V. hat sich deswegen intensiv mit diesem sensiblen Thema beschäftigt und einen Leitfaden erstellt.

Hessisch Lichtenau – Als diakonisches Unternehmen setze man sich besonders für die Rehabilitation von Menschen mit unterschiedlichsten Einschränkungen ein. Dabei sei eine eigenverantwortliche und individuelle Lebensführung das Ziel. Dem Ethikkomitee sei aber auch bewusst, dass dem Wunsch, selbstbestimmt zu leben, der Wunsch folgen kann, selbstbestimmt zu sterben. „Auch das respektieren wir“, schreiben sie in der Mitteilung. Als erste diakonische Einrichtung habe man deshalb den Leitfaden ausgearbeitet.

„Die Kostbarkeit des Lebens zeigt sich auch in dessen Begrenzung. Mir ist es wichtig, das Leben als eine Gabe zu verstehen und seine Begrenzung respektvoll wahrzunehmen“, sagt Pfarrer Dieter Christian Peuckert, Theologischer Vorstand und Vorsitzender des Ethikkomitees. Und weiter: „Mit unserem Leitfaden zum Umgang mit assistiertem Suizid zeigen wir unsere Möglichkeiten auf, Menschen in dieser Lebenssituation verantwortungsvoll zu begleiten. Das vermittelt Sicherheit für Betroffene und Mitarbeitende.“

„Unsere Position zum assistierten Suizid ist von verantwortungsvoller Zurückhaltung geprägt. Wir bieten keinen assistierten Suizid an und stellen auch keine Ressourcen für seine Durchführung zur Verfügung“, heißt es in der Mitteilung. Man respektiere aber den Wunsch danach.

Für die Mitarbeiter von Lichtenau e.V. gilt deswegen, dass Betroffene offen über assistierten Suizid nachdenken und ihn in ihrer Gegenwart thematisieren dürfen. Man solle mit ernsthaften Verständnis „Anhören und Aushalten“, ohne sofort gute Ratschläge, Hinweise und Aufmunterungen zu geben. Dabei könne man aber den Wert des Lebens thematisieren.

„Besonderes Anliegen ist, Sprachlosigkeit zu überwinden und über eine sensible, aufmerksame Wahrnehmung in respektvolle und offene Gespräche über Todeswünsche zu finden. Begleiten können wir diese Kommunikation durch eine lebensbejahende Haltung ohne Wertung und eine multiprofessionelle Vorgehensweise“, sagt Anja Maaßen, Pädagogische Direktorin und Leiterin des Pflegezentrums Fürstenhagen.

Die Ethikkommission rät den Mitarbeitern, sich der eigenen Haltung bewusst zu sein, um dann im Gespräch mit den Patienten klar zu sein und zugleich offen gegenüber deren Entscheidung. Man solle den Betroffenen in seiner Lage anerkennen und seinen Umgang damit respektieren.

Es gilt zudem auszuschließen, dass der Todeswunsch seine Ursache in einer psychischen Störung hat. In keiner Weise solle der Betroffene gedrängt werden. Seiner Entscheidung solle man, auch bei sich ändernder Meinung, mit Respekt begegnen.

Wichtig sei zudem eine gute Vermittlung von Informationen und Begriffen wie die Unterschiede zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe genau zu erklären. Es wird geraten, im Gespräch zu erfragen, was der Betroffene braucht, um würdevoll weiterleben oder würdevoll sterben zu können. Bleibt der Wunsch nach assistiertem Suizid bestehen, ist das Team von Lichtenau e.V. bereit, gesetzeskonforme Möglichkeiten zu vermitteln.   (elu)

Ein ausführliches Interview zum Thema assisierter Suizid mit Klinikseelsorgerin Dagmar Riedl-Dickel lesen Sie in unserer gedruckten Mittwochausgabe.

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