Interview

Orthopädische Klinik: Stefan Lakemeier ist seit hundert Tagen Chefarzt

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Der Chefarzt legt selber Hand an: Dr. Stefan Lakemeier wechselt den Verband eines Patienten, der am Rücken operiert wurde.

Hessisch Lichtenau. Privat-Dozent Dr. Stefan Lakemeier berichtet im Interview von seinen ersten Eindrücken als neuer Chefarzt für Wirbelsäulenorthopädie an der Orthopädischen Klinik.

Herr Dr. Lakemeier, wie war Ihre Aufnahme in Hessisch Lichtenau?

Dr. Stefan Lakemeier: Ich fühle mich sehr gut aufgenommen und in die Gemeinschaft integriert, sowohl von den Mitarbeitern als auch vom Vorstand, der alles ermöglicht, was geht. Hier gibt es ein gutes Wir-Gefühl und im Haus herrscht ein guter Geist.

Wie sehen die Belegungszahlen aus. Hat sich der Weggang Ihres Vorgängers negativ ausgewirkt?

Lakemeier: Im Gegenteil. Die Station ist mehr als voll. Ich werde gut angenommen, gerade auch von den niedergelassenen Orthopäden und Hausärzten. Dazu habe ich im März einen Fortbildungsabend für niedergelassene Ärzte durchgeführt, damit sie mich kennenlernen und das bestehende Vertrauen weiter gestärkt wird.

Haben Sie Patienten aus der Universitätsmedizin Göttingen, in der Sie vorher gearbeitet haben, mitgenommen nach Hessisch Lichtenau? 

Aktualisiert um 12.46 Uhr

Lakemeier: Es ist schon auffällig, wie viele Patienten wir jetzt aus Niedersachsen haben. Ich scheine eine Gruppe von Menschen anzusprechen, die bis jetzt keinen Bezug zur Orthopädischen Klinik hatten. Außerdem kommen auch einige Patienten aus meiner alten Sprechstunde. Insgesamt ist die Sprechstunde hier übervoll. Wer nicht als Notfall kommt, muss mit sechs bis acht Wochen Wartezeit rechnen.

Warum haben Sie überhaupt von der großen Uni-Klinik in Göttingen in das verhältnismäßig kleine Krankenhaus von Hessisch Lichtenau gewechselt?

Lakemeier: Orthopädisch ist das hier eine sehr große Einrichtung - mit mehreren tausend Operationen im Jahr und einem breiten Spektrum. Die Orthopädie vieler Universitätsklinika hat weniger Betten und Patienten und das Spektrum ist nicht wirklich größer.

Trotz des Wechsels haben Sie aber Ihre Lehrtätigkeit in Göttingen behalten?

Lakemeier: Ja. Unser Ziel ist eine Zusammenarbeit. Das macht auch Sinn, weil beide Kliniken gut zusammenpassen.

Ihr Ansatz ist es, erst einmal alle konservativen Mittel auszuschöpfen, bevor Sie operieren?

Lakemeier: Ja, das ist wichtig. Gerade bei Wirbelsäulen gibt es zu viele Operationen. Selbstverständlich gibt es sinnvolle, aber nur, wenn nichts anderes mehr geht. Und dann sollte der Eingriff so klein wie möglich sein. Die minimal-invasiven Eingriffe bekommen immer mehr Bedeutung, dies ist auch eines meiner Spezialgebiete. Generell ist es wichtig, das richtige Maß zu finden.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen der kommenden Jahre?

Lakemeier: In der Patientenversorgung. Die Menschen werden immer älter und kränker. Die Überlebenschancen gerade vieler Tumorerkrankungen hat sich deutlich verbessert. Die Patienten erleben also auch die Metastasen, die sich manchmal an der Wirbelsäule ausbreiten und stabilisiert werden müssen. Für diese Patienten müssen wir Konzepte finden. Fernab aller Fallzahlen ist es wichtig, jedem Menschen das für ihn Richtige zu bieten. Zudem werden demnächst viele Menschen mit Revisions-Operationen kommen, bei denen sich zum Beispiel Materialen gelockert haben oder die Anschlusssegmente betroffen sind. Ein weiteres großes Thema ist die Nachwuchspflege. Wir müssen versuchen, junge Leute an die Orthopädie heranzuführen für das Fach zu begeistern und auszubilden.

Sie arbeiten als Chefarzt, haben sich habilitiert und zudem eine Lehrtätigkeit. Wie geht Ihre Familie damit um, dass Sie so viel arbeiten? 

Lakemeier: Die Familie macht das mit. Ich würde es auch nicht machen, wenn sie nicht gesagt hätte, dass es geht. Meine Töchter kommen am Wochenende manchmal mit zur Visite. Wenn ich mit den beiden kleinen blonden Mädchen ins Zimmer komme, sind die Schmerzen bei den Patienten schnell vergessen. (nde)

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