Spielende Kinder

Ortsbeirat Walburg will Warnschilder aufstellen - Zuständigkeiten unklar

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Wollen, dass vor der Flüchtlings-Unterkunft in der Rommeröder Straße Schilder aufgestellt werden: Von links Walburgs Ortsvorsteher Lothar Franke, stellvertretender Ortsvorsteher Gerhard Liebetrau und der evangelische Pfarrer Dirk Rehbein.

Walburg. Der Ortsbeirat Walburg will an der Rommeröder Straße vor spielenden Kindern warnen. Hessen Mobil lehnt ab, die Stadt beugt sich. Dabei ist Hessen Mobil gar nicht zuständig.

Sie sind knapp anderthalb Meter groß und leuchten den Autofahrern in knalligen Farben an der Rommeröder Straße entgegen: Gemeinsam haben der Ortsbeirat Walburg und der evangelische Pfarrer Dirk Rehbein vier Kinderfiguren aus Holz in der Nähe der Gemeinschaftsunterkunft aufgestellt, um die Verkehrsteilnehmer vor spielenden Kindern zu warnen. „Wir hatten schon häufiger brenzlige Situationen hier, weil die Kinder ohne zu gucken die Straße betreten“, sagt Ortsvorsteher Lothar Franke. Sieben sollen derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft leben, alle im Kindergarten- und Grundschulalter. Mit dem Verkehr in Deutschland hätten sie nur wenig Erfahrung. Hinzu kommt, dass es auf der Straßenseite vor der Unterkunft keinen Bürgersteig gibt und derzeit wegen des Windradbaus in Großalmerode viele Lastwagen über die Straße fahren.

„Bei normalem Verkehrsaufkommen hätten wir nicht so ein Fass aufgemacht, aber einige LKWs preschen hier derart durch, dass es wirklich gefährlich ist“, sagt Franke.

Die Holzfiguren, die in einer rührenden Aktion von den Flüchtlingskindern selbst bemalt wurden, sind eine Notlösung. Vergebens hatte der Ortsbeirat zuvor beantragt, dass von offizieller Seite Verkehrsschilder aufgestellt werden. Die Untere Verkehrsbehörde der Stadt Hessisch Lichtenau hätte dem zugestimmt, sie musste aber bei Hessen Mobil und der Polizei zuvor um eine fachliche Stellungnahme bitten. Hessen Mobil lehnte die Aufstellung der Schilder ab. Die Untere Verkehrsbehörde blieb daraufhin untätig.

Zuständigkeiten unklar

Fragen zur Stellungnahme weist Hessen Mobil zurück -sie seien für diese Entscheidung gar nicht zuständig, sagt Pressesprecherin Annette Kümpel. „Unabhängig vom Tenor einer Stellungnahme der Straßen- und Verkehrsverwaltung liegt die Entscheidungskompetenz über das weitere Vorgehen allein bei der Verkehrsbehörde“, äußert sie sich auf Anfrage der HNA. Konkret bedeutet das: Obwohl Hessisch Lichtenau eine Stellungnahme von Hessen Mobil für die Schilder anfordern musste, darf sie in diesem Fall auch gegen die Einschätzung der Behörde handeln.

Für den Ersten Stadtrat Michael Heußner ist das neu. „Bisher hat Hessen Mobil uns immer das Gefühl gegeben, dass sie den Hut aufhaben und wenn sie Nein sagen, heißt das auch Nein für uns.“

Mit dem neuen Wissen wolle die Stadt sich noch einmal mit dem Thema befassen, so Heußner, der zurzeit den urlaubenden Bürgermeister vertritt. „Wir werden mit Hessen Mobil und der Polizei noch einmal Gespräche führen und uns die Umstände vor Ort genauer anschauen.“ Dann, so sagt er, werde noch einmal neu entschieden - sodass Walburg am Ende vielleicht doch noch seine Verkehrsschilder bekommt.

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