Youtuber filmt Fußball

Oualid Hachani ist Fernsehreporter in der Kreisklasse

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„Mir entgeht kaum ein Tor“: Oualid Hachani berichtet bei Youtube vom Lokalfußball im Werra-Meißner-Kreis. 

Fürstenhagen. Die Kamera auf das Spielgeschehen gerichtet, steht ein kräftiger Mann an der Mittellinie des Sportplatzes. Er filmt den Sturmlauf des Heimteams.

Flanke von links, Weitergabe in die Mitte und Tor. Wieder einmal hat Oualid Hachani den richtigen Riecher gehabt. „Ich verpasse selten ein Tor“, berichtet der 34-Jährige.

Seine ersten Filmaufnahmen erstellte er mit dem Handy. Das wird ein Tor, hatte er bei einem Spiel von Rot-Weiß Fürstenhagen gegen Hopfelde gedacht, und zur rechten Zeit draufgehalten. Der Mann mit der Kamera ist inzwischen ein gern gesehener Gast auf den Sportplätzen im Werra-Meißner-Kreis. „Werra Kick TV“ heißt sein Kanal auf Youtube. Dort dokumentiert er Spiele aus den Ligen des Kreises.

Sein jüngster Bericht ist seit Montag zu sehen: Das Spiel SSV Witzenhausen gegen die Rot-Weißen aus Fürstenhagen, mit dem die Kirschenstädter die Meisterschaft in der Kleisliga A am vergangenen Wochenende klargemacht haben. Fast 200-mal wurde der Bericht inzwischen angeklickt, die drei Tore zur Meisterschaft nochmals betrachtet.

Oualid („Bitte kein Q“) ist daran gewöhnt, dass man seinen Namen falsch ausspricht. „Nenn mich Olit“ sagt er deshalb. Mag der Name auch fremd klingen, er sagt von sich selbst: „Ich bin ein Lichtenauer Junge.“ Seine Eltern waren aus Tunesien an die Losse gekommen. 

Oualid und seine Geschwister wurden im Krankenhaus Fürstenhagen geboren. „Ich kann gar kein Arabisch“, bekennt er und einen Bezug zum Islam hat er ebenfalls nicht. Dafür aber zum Fußball. „Selbst kann ich nicht gut spielen“, gibt er zu. Aber mit Begeisterung steht er am Spielfeldrand, betrachtet die Spielzüge und filmt. Natürlich macht es ihm großen Spaß, die wichtigsten Szenen der Spiele aufzunehmen, dann auf etwa zehnminütige Filme zusammenzuschneiden. Er wird dabei immer professioneller. Eine Intromusik gehört inzwischen dazu, ebenso eine Grafik mit den Namen und teilweise den Bildern der Spieler beider Mannschaften.

Fast mehr aber freut er sich über das Interesse der Spieler, Trainer und Schiedsrichter, und deren Freude, wenn sie die flüchtigen Augenblicke des Spiels so nochmals betrachten können. Ja, er bekommt Anerkennung für das, was er macht. Und das ist für ihn der größte Lohn. Denn verdienen kann er mit seinem Youtube-Kanal und den Beiträgen bei Facebook nichts. „Viele Leute kennen mich.“ 

Den Menschen Freude bereiten, ihnen zu helfen, das macht ihm auch beruflich große Freude. Denn er hat es selbst erlebt, dass das Leben nicht nur Sonnenseiten hat. Um so schöner, dass er seit Anfang des Jahres bei der Arche eine Stelle hat.

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