Seelsorger überlegt, ein Geschichtsstudium zu beginnen

Pfarrer Gert Merkel geht nach 33 Jahren in Ruhestand

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Setzt sich zur Ruhe: Nach 33 Jahren geht Pfarrer Gert Merkel in den Ruhestand.

Fürstenhagen. Seine erste Pfarrstelle wird auch seine letzte sein: Nach 33 Jahren geht Gert Merkel, Pfarrer in Fürstenhagen und seit 2009 auch in Quentel, in Ruhestand.

Warum sind Sie Pfarrer geworden? 

Gert Merkel: Damals wurde mit der Broschüre „Weil Menschen Menschen brauchen“ für das Theologiestudium geworben. Das hat mich angesprochen, ich wollte immer mit Menschen arbeiten.

Gab es einen Plan B?

Merkel: Bundeskanzler. Politik hätte ich mir gut vorstellen können. Als Kind wollte ich vielleicht mal Pilot werden, aber ab der 11. Klasse war klar, dass ich Pfarrer werde. Ich war in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv und habe recht früh angefangen, Gottesdienste zu halten. Als ich ins Vikariat kam, hatte ich schon mehr als 100 Gottesdienste hinter mir.

Am 1. April 1983 haben Sie Ihren Dienst angetreten. 

Merkel: Ja und ich wurde direkt ins Krankenhaus zu einer Frau mit Gesichtskrebs gerufen, die im Sterben lag. Vor dem Zimmer lief mir der kalte Schweiß den Rücken runter. Für die Frau war meine Anwesenheit aber ein großer Trost und dadurch bin ich selbst gestärkt raus gegangen. Es passierte etwas, was ich nicht erklären kann. Es war ein Moment, wo du denkst, dass es doch nicht nur Unsinn ist, was du hier machst.

Zweimal waren Sie schwer krank. Hadert man in solchen Momenten nicht mit Gott? 

Merkel: Nein, in beiden Fällen war es eher eine Bewahrung vor Schlimmerem. Als der Arzt vor der Operation meinte, dass ich sterben könnte, dachte ich: „Das ist ja doof, aber die Kinder sind ja da, du warst also nicht vergeblich auf der Welt.“ Meine Krankheiten haben mich verändert: Ich weiß nun, dass im Leben nichts selbstverständlich ist und bin dankbarer geworden.

Was war der bewegendste Moment in Ihrem beruflichen Leben? 

Merkel: Den einen gibt es nicht. Ich habe mittlerweile so viele liebe Menschen beerdigt, das war immer bewegend. Auch, als 600 Aussiedler aus Schlesien und Russland nach Hirschhagen und Fürstenhagen kamen - ich glaube, in der Zeit war ich als Pfarrer richtig wichtig. Einer der Aussiedler stand in der Kirche und sagte unter Tränen: „Dass ich das erleben darf, frei in einem Gotteshaus beten zu können“, das war schon ergreifend. Auch die Grenzöffnung war bewegend. Meine halbe Verwandtschaft wohnte im Osten, die Grenze ging bei meiner Tante durchs Haus.

Wie geht es jetzt weiter? 

Merkel: Ich überlege, ob ich mich zum Wintersemester in Kassel oder Marburg für Geschichte einschreibe, das habe ich gemocht. Außerdem werde ich mich mehr der Jagd widmen, schwimmen gehen und reisen. Aus allem, was mit Verkündigung zu tun hat, wie Gottesdienst, Trauung, Taufe und Beerdigung, ziehe ich mich allerdings zurück.

Zur Person

Gert Merkel wurde am 9. Dezember 1956 in Stadthagen geboren. Aufgewachsen ist Merkel in Philippsthal (Kreis Hersfeld-Rotenburg). In Bethel und in Marburg hat er Theologie studiert. Ordiniert wurde er am 20. März 1983, eine gute Woche später trat er seinen Dienst in Fürstenhagen an. 1996 machte er eine publizistische Zusatzausbildung, unter anderem bei der HNA in Hann. Münden und Kassel, beim HR4 und bei RTL. Seit 1985 ist Merkel mit seiner Frau Ulrike verheiratet. Das Paar hat drei Kinder: Michael (29), Andreas (26) und Beate (24).

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