Jetzt bekommen sie die Polizeimedaille

Junge Männer stoppten Handtaschenräuber und Handydieb

Hilfe an einer Haltestelle: Der heute 19-jährige Andre aus Hessisch Lichtenau beschützte eine 52-Jährige vor einem Handtaschenräuber an einer Straßenbahnhaltestelle in Kassel. Foto:  Bülau

Hessisch Lichtenau/Witzenhausen. Statt wegzuschauen, haben Till und Andre eingegriffen. Dafür bekommen sie jetzt die Kasseler Polizeimedaille - und erzählen hier ihre Geschichten.

Andre ist 19 Jahre alt, wohnt in Hessisch Lichtenau und bekommt die „Kasseler Polizeimedaille“ verliehen, weil er eine 52-jährige Frau vor einem stark alkoholisierten und drogenabhängigen Handtaschenräuber beschützt hat. Damit hat er Zivilcourage bewiesen und laut Polizei genau richtig gehandelt.

Es ist der Abend des 4. Mai 2014. Gegen 21.50 Uhr steht Andre an der Straßenbahnhaltestelle am Kasseler Friedrichsplatz. Er ist auf dem Weg zu einem Freund. Er wartet schon einige Minuten, als ein 26-Jähriger aus einer haltenden Bahn aussteigt. „Der Typ ist direkt auf eine ältere Frau zugegangen und hat sie als seine Großtante angesprochen. Dann hat er nach der Handtasche gegriffen. Die Frau hat sich weggedreht und dann geschrien“, erzählt Andre.

Er greift ohne zu zögern ein. Er stellt sich schützend vor die Frau. Ein weiterer junger Mann, der das Geschehen ebenfalls mitbekommen hat, versucht den 26-Jährigen zu besänftigen. „Man hat gemerkt, dass er zu viel getrunken hat. Die Frau hat mir gesagt, dass sie Angst hat. Ich hatte auch Angst“, erinnert sich der Schüler.

Sie rufen die Polizei. Den 26-Jährigen, der, wie sich herausstellt, schon polizeibekannt und drogenabhängig ist und zur Tatzeit über drei Promille im Blut hat, müssen sie nicht einmal festhalten. „Der wollte gar nicht weg. Er wollte selber, dass die Polizei kommt und uns anzeigen“, berichtet Andre.

Als die Polizei eintrifft, muss der damals 18-Jährige eine Zeugenaussage machen. Dann ist der ganze Spuk vorbei. „Ich habe dann erst mal meinen Freunden geschrieben, was passiert ist. Dann bin ich weiter zu meinem Kumpel gefahren“, sagt der 19-Jährige. Von Freunden und seiner Familie habe er viel Anerkennung bekommen. Diese erhält er nun auch mit der Verleihung der „Kasseler Polizeimedaille“. Weil er einen Raub vereitelt, das Opfer geschützt und bei der Festnahme des Täters mitgeholfen hat.

Elfjähriger macht zwei Handydiebe dingfest

Es war ein ganz normaler Dienstag im Dezember 2013. Der elfjährige Till geht mit seinen Eltern in einem Witzenhäuser Einkaufszentrum einkaufen. Wie fast immer läuft er durch die Elektronikabteilung, während Mutter und Vater die Lebensmittel im Einkaufswagen verstauen.

Anerkennung für Zivilcourage: Für seinen nicht selbstverständlichen Einsatz, durch den ein Handydieb gefasst werden konnte, bekam der damals elfjährige Till einen Dankesbrief und heute die Polizeimedaille verliehen.

Zwischen den Regalen mit den elektronischen Geräten bemerkt der Schüler einen Mann, der sich an einer Glasvitrine zu schaffen macht, in der Handys ausliegen. Außerdem sieht er einen weiteren Mann, der am Ende des Gangs Wache steht. Er schätzt beide auf Anfang bis Mitte 20. „Immer, wenn jemand in die Nähe des Gangs kam, ist der Mann an der Vitrine aufgestanden und zwischen den Regalen auf und ab gegangen, dann hat er sich wieder zur Vitrine runtergebeugt“, erinnert sich der heute 12-Jährige.

Der Mann hat einen Schraubenzieher in der Hand und versucht die Vitrine aufzuhebeln. Als Till sieht, wie er die Vitrine knackt und sich Handys in Jacken- und Hosentaschen steckt, geht er ohne zu überlegen auf ihn zu und spricht ihn an. „Er hat mir dann angeboten, dass ich auch ein Handy haben könne.“

Till lehnt das Angebot ab, geht stattdessen zu einem Mitarbeiter des Einkaufszentrums und meldet den Vorfall. So kann einer der beiden Täter noch auf dem Parkplatz festgenommen und drei der insgesamt sechs gestohlenen Handys bei ihm sichergestellt werden. „Ich habe in dem Moment eigentlich keine Angst gehabt. Für mich war es selbstverständlich, dass ich jemandem Bescheid sage“, erzählt der Witzenhäuser.

Danach muss Till den Täter noch identifizieren. Manche hätten ihm die Geschichte nicht geglaubt, aber enge Freunde schon. Seine Mutter ist stolz, dass er so gehandelt und kein Handy genommen hat. Für seine Zivilcourage und seinen Einsatz bekommt Till heute die „Kasseler Polizeimedaille“ verliehen.

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