Regina Dietrich nutzt für ihre Trauer gesammelte Erinnerungsstücke

Hilfe bei der Trauerarbeit: Karin Ernst (von links) und Gislinde Bittner schauen sich die Erinnerungskisten von Regina Dietrich an. Foto: Röß

Hessisch Lichtenau. Tiefe Trauer ist oft verbunden mit dem Verlust eines geliebten Menschen. Regina Dietrich hatte sich nach dem Tod ihres Sohnes in dieser schweren Phase mit Erinnerungskisten geholfen.

Jetzt hat die Kaufungerin ihre selbst gebastelten Exemplare im Begegnungscafé Papillon, einem monatlichen Angebot des Ambulanten Hospizdienstes Hessisch Lichtenau im Edith-Stein-Haus, vorgestellt.

Es ist eine kleine Runde, in der Regina Dietrich bei Kaffee und Kuchen sich an ihre eigene Situation erinnert. Ein Gefühl tiefster Dunkelheit umgab sie, nachdem ihr Sohn 2011 mit 21 Jahren verstorben war. „Ich habe geschrieben, um den Ballast los zu werden“ verrät sie. So entstanden Briefe an den Tagen, an denen es ihr schlecht ging oder zu besonderen Ereignissen, die ihr als Meilensteine in Erinnerung geblieben sind. Die Schriftstücke hatte sie zusammen mit den Beileidsbriefen, den offiziellen Schreiben und Dokumenten in eine schwarz gestaltete Pappkiste gelegt, den Deckel mit einem Kreuz aus Wollfäden dekoriert.

Im Zimmer ihres Sohnes hatte sie die Erinnerungskiste deponiert, um sie nicht ständig im Blickfeld zu haben. Doch war sie wieder einmal sehr traurig, holte sie den Karton hervor, las und stellte fest, dass es ihr inzwischen doch schon viel besser ging als noch zu dem Zeitpunkt, als sie die Briefe geschrieben hatte.

Ein Jahr später ermunterten sie die Fortschritte in der Verarbeitung ihrer Trauer, eine weitere Kiste anzufertigen. Diesmal hatte sie sich für die Motive Feuer, Wasser, Luft und Erde entschieden, um damit den Lauf des Lebens, der vorgegeben ist, leichter zu akzeptieren.

Während die zweite Kiste ohne Inhalt geblieben ist, hat sie ihr vorerst letztes Exemplar erst kürzlich bunt gestaltet. Mit Motiven aus ihrem eigenen Garten auf „Ihrer“ Seite der Kiste macht sie deutlich, dass sie wieder zurück ist in ihrem Leben. Die Seite ihres Sohnes hat sie mit Motiven von seinem Lieblingsort, der Nordseeinsel Norderney, dekoriert. „Alles Dinge von meinem Kind“, fügt Regina Dietrich hinzu, als sie unter anderem das Räuchermännchen, die Kommunionsschleife, ein Feuerzeug und sein blaues Lieblings-T-Shirt aus der Kiste hervorkramt, die sie erst vor acht Wochen zusammengestellt und einen schönen Platz dafür in ihrem Wohnzimmer gefunden hat. (zlr)

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