Nur noch die Hälfte der Pflanzen steht

Schachbrettblumen in Retterode wurden zerstört

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Schachbrettblumen auf den Glimmeröder Feuchtwiesen: Nur 250 der ursprünglich 400 Pflanzen stehen noch.

Retterode. Auf den Glimmeröder Feuchtwiesen hat ein Landwirt etwa 150 unter Naturschutz stehende Schachbrettblumen während der Blütezeit mit einer Wiesenschleppe zerstört.

Am 21. April unternahm Rolf Günther, pensionierter Lehrer und passionierter Fotograf aus Hessisch Lichtenau, eine Stippvisite zu den Glimmeröder Feuchtwiesen, wo er schon manch seltene Pflanze für den Naturschutzbund (Nabu) abgelichtet hat. 

Doch von den etwa 400 Schachbrettblumen, die er Tage zuvor noch bestaunt hatte, waren nur noch etwa 250 zu sehen: Rund 150 blühende Pflanzen, weiße wie violette Exemplare in Gruppen von bis zu 50, wurden beim Abschleppen der angrenzenden Wiese zerstört. Günther vermutet, dass der mit der Pflege des Areals beauftragte Landwirt mit den örtlichen Gegebenheiten nicht ausreichend vertraut war und ohne besseres Wissen gehandelt habe.

Während das sumpfige Areal leicht auszumachen ist, auf dem die unter Naturschutz stehende Schachbrettblume neben anderen geschützten Pflanzen gedeiht, hat sich die Pflanze in den vergangenen Jahren auch auf den angrenzenden weniger feuchten Flächen angesiedelt. So könnte es aus Sicht des Hobbyfotografen passiert sein, dass dem Landwirt der Bestand nicht aufgefallen ist und er den Bereich am Rand der Wiese mit abgearbeitet habe.

Pflanzen sind nicht restlos vernichtet

Auch wenn die Schachbrettblumen in dem betreffenden Bereich erst einmal von der Bildfläche verschwunden sind, restlos vernichtet sind sie trotzdem nicht, weiß Günther. Die Pflanze keimt aus einer Zwiebel, die jetzt jedoch Jahre benötigt, um wieder so viel Energie aufzubauen, dass sie neu austreiben kann.

Erst 2009 hatte Konrad Volkhardt, langjähriger Nabu-Kreisvorsitzender, die Schachbrettblume auf den Glimmeröder Feuchtwiesen wiederentdeckt. In den 1960er Jahren wurde durch den Bau der Standortschießanlage die Ökologie auf dem Areal unterhalb so stark aus dem Gleichgewicht gebracht, dass die Pflanze über Jahrzehnte von der Bildfläche verschwunden war.

Volkardt zog sich altersbedingt Ende 2016 als langjähriger Vorsitzender aus dem Nabu-Kreisverband zurück, ein Interimsvorstand kümmert sich seit Februar 2018 um die Belange des Vereins. Die Flächen von Glimmerode sind seit 21. April 2018 Eigentum der Stiftung Hessisches Naturerbe. 

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