Kinder lernen schneller

Ehrenamtliche bieten Sprachkurse für Flüchtlinge an

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Gemeinsam für bessere Sprachkenntnisse: Die Flüchtlinge Nevila (von links), Jasir, Gesime, Ebdan, Bekim, Ardiana, Endri und Müfarete lernen bei Dieter Hose (3. von rechts) Deutsch. 

Hessisch Lichtenau. Dieter Hose stimmt seine Gitarre. „Wir beginnen immer mit dem „ABC-Lied,“ sagt er. Wir, das sind der Ehrenamtliche Dieter Hose sowie dieses Mal acht Flüchtlinge aus Albanien, die zu Hoses Sprachkurs ins evangelische Gemeindehaus in Hessisch Lichtenau gekommen sind.

Viele kommen regelmäßig, Hose begrüßt sie mit Namen. „Nevila, ihr Sohn Jasir, Gesime und ihre Tochter Ardiana kommen seit Beginn der Kurse“, sagt Hose. Doch es kommen wöchentlich auch immer neue Flüchtlinge, die lerninteressiert sind. Die Kurse finden seit Ende Juli regelmäßig auf Initiative der evangelischen Kirche für die Flüchtlinge statt. Spielerisch bringt der pensionierte Lehrer ihnen Deutsch bei. Nach dem Singen müssen sich die Teilnehmer einzeln vorstellen, sagen, wer sie sind, wo sie herkommen und wie alt sie sind.

„Es ist sehr schwierig, ihnen die neue Sprache beizubringen, ihr Wortschatz ist noch gering, und sie sprechen ausschließlich ihre Muttersprache, also albanisch.“ Der Vorteil sei, dass die Kinder schneller lernen, und dass auch die Erwachsenen unheimlich lernwillig seien.

Das merkt man auch bei der folgenden Übung: Dieter Hose hält Blätter mit Zeichnungen von Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln in die Höhe. „Was ist das?“, fragt er in die Runde. Sieben Hände schnellen in die Höhe. „Gesime“, wählt Hose aus. „Das ist Kartoffeln“, antwortet die 28-Jährige. „Das sind“, verbessert der Ehrenamtliche. „Wenn es mehr als einer ist, ist es die Mehrzahl, also sind“, erklärt er und schreibt den Unterschied zur Veranschaulichung an die Tafel.

Wenn er etwas Schwierigeres erklärt, zeichnet er das auch oft. „Damit kann ich ihnen klar machen, was ich meine“, sagt er. Die Teilnehmerinnen nicken eifrig und schreiben alles mit. „Deutsch ist schwer“, sagt Nevila, und Gesime nickt. Aber sie sind gewillt, die Sprache zu lernen.

„Zu Beginn schwierig war auch, dass sie weder Papier, noch Stifte hatten. Ich habe alles selbst kaufen müssen, aber soweit ich weiß, bekommen wir das jetzt wieder ersetzt“, sagt Hose.

Auch Zahlen werden in den 90 Minuten einmal pro Woche gelernt. Dafür müssen die Teilnehmer würfeln und die Zahlen laut sagen.

Dieter Hose hält zusammen mit sechs anderen Dozenten die Kurse. „Meine Motivation dahinter ist, dass ich die Not der Flüchtlinge sehe, aber durch das Beibringen der Sprache einen großen Teil zu ihrer Integration beitragen kann“, sagt Hose.

Bereits als Lehrer hat er Vorerfahrungen mit den russischen Aussiedlern gemacht, die Deutsch auch erst lernen mussten. „Wenn ich sehe, dass das Angebot angenommen wird, mache ich das sehr gerne“, sagt er. 

Warum es zwischen den Helfern der evangelischen Kirche und der Volkshochschule Ärger um die Deutschkurse gibt, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeine.

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