182 Flüchtlinge werden auf Unterkünfte in Calden oder Niederzwehren verteilt

Spielplatz für 10.000 Euro gerade fertig - aber Flüchtlinge ziehen nächste Woche aus

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Kurze Freude: Fast vier Monate dauerte es, den Spielplatz in der Erstaufnahmeeinrichtung im Senkefeld in Hessisch Lichtenau mithilfe von Sponsoren zu errichten. Nun ist er seit zehn Tagen fertig – und in einer Woche ziehen die Flüchtlinge aus, weil das Camp geschlossen wird. Unser Bild zeigt Sara Mogesa aus Äthiopien mit Abdul Mola Made aus Äthiopien (2 Jahre), der vom Umzug nichts ahnt. 

Hessisch Lichtenau. Abdul lacht, balanciert auf der Hängebrücke aus Holz und saust auf der blauen Rutsche in den Sand. Der Spaß ist groß - doch lange kann der Zweijährige den neuen Spielplatz in der Hessisch Lichtenauer Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) im Senkefeld nicht mehr genießen. 

Denn die Vorbereitungen für die Schließung der Unterkunft laufen bereits auf Hochtouren. Schon kommende Woche, am 13. und 14. September, werden alle Asylbewerber, die noch nicht den Schritt in die Zweitaufnahme der Kommune gehen dürfen, in der EAE Calden oder Niederzwehren untergebracht - den einzigen zwei Unterkünften in Nordhessen, die bestehen bleiben. Im Senkefeld leben derzeit noch 182 Menschen, darunter knapp 40 Kinder. Sie haben sich am Tag der Einweihung des Spielplatzes, dem 30. August, doppelt gefreut: Denn neben einem Klettergerät mit Brücke, Schaukel und Rutsche sowie einem Sandkasten hielt auch noch der Eiswagen vor der Tür und Angela Lenhoff von der Firma Sicherheitsdienst 24, gab allen eine Kugel aus. „Die Schlange hörte gar nicht mehr auf, bis ich merkte, dass manche sich schon zweimal angestellt hatten“, sagt sie und lacht.

Es ist ein trauriges Lachen. Denn keine vier Stunden nach der Einweihung der Spielgeräte kam die Nachricht von der Schließung der gesamten Einrichtung. „Es hat uns völlig unerwartet getroffen“, sagt Lenhoff. „Wir sind alle traurig. Bei uns und bei den Bewohnern sind viele Tränen geflossen.“ Fast vier Monate Herzblut, Zeit und Energie hat Lenhoff in die Realisierung des Spielplatzes gesteckt. Sie hat viele Briefe an Sponsoren geschrieben und viele Absagen kassiert, bis das Projekt mit einem Budget von rund 10 000 Euro fertig war. Denn mit den Anschaffungskosten für den Spielturm, den die Firma Klapp Cosmetics stiftete, war es nicht getan. Unter anderem musste der verdichtete Boden ausgehoben und Sand aufgeschüttet werden. Als Unterstützer mit im Boot waren auch die Firma Much Leichtbauhallen, das DRK, der Verein Lequa und Lenhoffs Firma SD 24.

„Jetzt wird das alles bald Geschichte sein“, sagt Lenhoff resigniert. Sie betont, dass für viele in der EAE die politische Entscheidung, das Camp aufzugeben, nicht nachvollziehbar sei. „Zumal hier Integration gelebt wird. Einzelreisende, Familien über elf Nationalitäten leben harmonisch zusammen.“

Was mit dem frisch errichteten Klettergerät geschieht, will Lenhoff mit dem Sponsor klären. In der EAE Calden besteht jedenfalls großes Interesse daran, sagt Markus Bechtel, DRK-Leiter in der EAE Senkefeld - ebenso wie an den vielen Spielsachen, Musikinstrumenten und Sportgeräten, die Familien und Schulen im Kreisgebiet gespendet haben. Sie sollen ihren Zweck nun in Calden und Niederzwehren erfüllen.

Abdul ahnt von seinem bevorstehenden Umzug noch nichts und wird den Spielplatz noch vier oder fünf Tage in vollen Zügen genießen. 

Archiv-Fotos

Erstaufnahmeeinrichtung in Hessisch Lichtenau

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