Von Narrenkappe, Elferrat und Tanzmariechen

Die Geschichte dahinter: Das steckt hinter traditionellen Karnevalsuniformen

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Verkleiden sich jedes Jahr: Tanzmariechen Lea Liebetrau (links), Sitzungspräsident Thomas Steeger und Tanzmariechen Mia-Sophie Ziegler sind Mitglieder im Carneval Club Fürstenhagen.

Fürstenhagen. Ausgelassene Partystimmung, Bonbons und Umzüge - ist Karneval ein alberner Brauch ohne Sinn und Zweck? Nein, denn in den Kostümen steckt jede Menge Geschichte.

Die Mitglieder des Carneval Clubs Fürstenhagen (CCF) haben erklärt, welche Bedeutung sich wirklich hinter der langjährigen Tradition und den markanten Kostümierungen verbirgt. Und die ist auf den zweiten Blick weitaus geschichts-trächtiger als gedacht.

Der Elferrat 

„Bereits zu Zeiten der französischen Revolution wurden erste Begriffe des Karnevals verwendet, um den autoritären Führungsstil der staatlichen und geistlichen Obrigkeiten auf die Schippe zu nehmen und zu kritisieren“, erklärt der Sitzungspräsident des CCF, Thomas Steeger. Die Anfangsbuchstaben der Zahl „Elf“ würden beispielsweise auf das revolutionäre Grundprinzip „Egalité, Liberté, Fraternité“ (Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit) hindeuten.

1. Die Narrenkappe 

Die Narrenkappe ist mit kleinen Glöckchen behangen und soll laut Steeger eine Parallele zu der Tiara des Papstes oder einer Mönchshaube aufzeigen. Veralbert würde dadurch ursprünglich die Scheinheiligkeit der Kirchengänger.

2. Die Ehrenorden 

Die Ehrenorden und die jährlich je nach Motto wechselnden Kampagnenorden, mit denen die Elferrats-Mitglieder üppig behangen sind, sollen die Auszeichnungen im Militär symbolisieren. Auch der fanatische Gedanke des Kämpfens und die Hörigkeit der Soldaten gegenüber ihren Obrigkeiten wäre damals ebenfalls Gegenstand der Kritik gewesen.

Das Tanzmariechen 

„Früher hatten die Frauen nichts groß zu sagen. Umso rebellischer war es, Frauen soldatisch zu verkleiden und sie wie im Militär marschieren zu lassen, um das System auf’s Korn zu nehmen“, betont Steeger.

3. Der Dreispitz-Hut 

Für die französischen Soldaten habe der Dreispitz-Hut als Markenzeichen gegolten. Er wäre die klassische Kopfbedeckung der Obrigkeiten. Mit den Federn, die am Hut befestigt sind, will man laut Steeger „der Verhohnepiepelung noch die Krone aufsetzen“.

4. Das Mariechenkostüm 

„Auch die Uniformen der Mariechen haben große Ähnlichkeit mit den Uniformen der Soldaten im Miliär“, hebt der Sitzungspräsident hervor. Insbesondere die Schulterklappen und die Scherpe würden diesen Zusammenhang beweisen.

5. Die Gardestiefel 

Die Gardestiefel seien ebenfalls Teil des militärischen Kleidungsstils. Bevor die Mariechen anfangen zu tanzen, marschieren sie, ähnlich wie die Soldaten im Kampf, im Gleichschritt auf die Bühne. „Früher hatten die Stiefel noch mehr Absatz und gingen bis zum Knie. Da hat man die Verbindung noch deutlicher erkannt“, erklärt CCF-Trainerin Nina Blumenstein, die schon jahrelang die Choreografien für die Karnevalstänze entwickelt.

Natürlich zählen beim Karneval heutzutage vor allen Dingen der Spaß und das Gemeinschaftsgefühl. Der revolutionäre Gedanke rücke mehr und mehr in den Hintergrund. Steeger sieht jedoch auch heute noch die ursprüngliche Sinnhaftigkeit der fünften Jahreszeit: „Die Chance, für einen Tag Hierarchien auszuhebeln, gilt immer noch als eine zentrale Botschaft. Einmal im Jahr gibt es keinen Unterschied zwischen Bürgermeister und Angestelltem.“

Was sich die Karnevalisten alles einfallen lassen, damit ihre Kostüme jedem Wetter Stand halten, lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA Witzenhausen.

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