Gegen das Vergessen

Stele in Hirschhagen erinnert an ungarische Jüdinnen

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Ort des Gedenkens: Ortsvorsteher Karl-Heinrich Schlegel (von links), Bürgermeister Jürgen Herwig und Jürgen Jessen vom Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“ an der Stele, die an 206 ermordete Zwangsarbeiterinnen erinnert.

Hirschhagen. Zum Gedenken an 206 ermordete ungarische Jüdinnen wurde jetzt unweit des Ortseingangs von Hirschhagen eine Stele enthüllt.

Bürgermeister Jürgen Herwig, Jürgen Jessen vom Verein „Gegen Vergessen - für Demokratie“ und Hirschhagens Ortsvorsteher Karl-Heinrich Schlegel hatten zur Enthüllung der Stele eine 40-köpfige Gruppe geschichtlich Interessierter begrüßt, darunter auch Christopher Willing von der jüdischen liberalen Gemeinde Nordhessen. Die Stele steht unmittelbar neben der Tafel, die bereits an die vielen Toten Männer und Frauen in der ehemaligen Munitionsfabrik erinnert.

206 Kieselsteine sind in einer Box mit Sichtscheibe in der Stele, einer etwa 2,40 Meter hohen und 40 Zentimeter breiten Holzbohle, untergebracht. Jeder einzelne Stein erinnert an eine der ungarischen Jüdinnen, die zum Kreis der über 1000 Zwangsarbeiterinnen im Munitionswerk in Hirschhagen zählten, die seinerzeit vom Konzentrationslager Buchenwald ins Außenlager „Vereinshaus“ nach Hessisch Lichtenau verlegt wurden, erinnerte Jürgen Jessen.

Die 206 weiblichen Jugendlichen und Frauen wurden Ende Oktober 1944 als arbeitseinsatzunfähig aussortiert, nach Auschwitz transportiert und dort ermordet. Alle Namen sind in einer Metallplatte eingraviert. Die Idee mit den 206 Kieselsteinen war 2014 anlässlich einer Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag entstanden, als Dietlinde Jessen für jedes Opfer am Altar der Lichtenauer Stadtkirche einen Kiesel abgelegt hatte. Im Judentum ist es Brauch, Kieselsteine auf Gräbern abzulegen.

Keine einfache Aufgabe 

Dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus für manche Kommune keine einfache Aufgabe sei, war sich Bürgermeister Herwig sicher. Dass es in Hessisch Lichtenau gelungen ist, sei vor allem dem Engagement von Jessen zu verdanken, lobte Herwig die Arbeit des Historikers, der bereits 2010 für seine Verdienste um die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in der Lossestadt mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet worden war. Jessen selbst brachte zum Ausdruck, dass die Lossestadt mit der Enthüllung der Stele eine wichtige Pflicht des Gedenkens und Erinnerns erfülle, „damit unser Wissen und Bewusstsein darüber gestärkt wird, was an Lüge und Verbrechen seinerzeit möglich war.“ Karl-Heinrich Schlegel hatte sich der Gruppe als Ortsvorsteher und Deutscher vorgestellt, der die grausame Geschichte geerbt habe. Als Führer auf dem Themenweg in Hirschhagen will er dazu beitragen, dass sich die grausigen Ereignisse nicht wiederholen.

Die Stele hatten Klaus Jannes und Jürgen Bergmann vom Baubetriebshof der Lossestadt nach den Vorstellungen von Bürgermeister Herwig und des Ehepaares Jessen gebaut.

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