Stöcke locken Kater: Studie zur Wildkatzenpopulation

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Sollen gelockt werden: Eine Studie zur Popuation von Wildkatzen wird auch im Werra-Meißner-Kreis vorgenommen. Dabei soll die Verbreitung und die Verwandschaftsbeziehungen zu anderen Wildkatzenpopulationen untersucht werden.

Hessisch Lichtenau. Lange stand sie im Schatten des Luchses: Dabei hat die Wildkatze in den vergangenen 30 Jahren offenbar ihren Siegeszug aus dem Kaufunger Wald in andere Regionen Deutschlands angetreten.

Um die Verbreitung der Wildkatze und ihre Verwandtschaftsbeziehungen zu anderen Wildkatzenpopulationen auf wissenschaftlich fundierte Beine zu stellen, werden die scheuen Waldbewohner nun das dritte Jahr in Folge untersucht.

Auf Spurensuche: Revierförster Gerhard Scholz sucht einmal wöchentlich nach Haarproben. Anschließend brennt er den Lockstock ab, raut ihn mit einer Drahtbürste auf und besprüht ihn mit Baldrian. Besonders betörend wirkt der Duft auf die Wildkatzen während der Paarungszeit von Februar bis April. Dann reiben sich die Tiere bevorzugt an dem Stock.

Das BUND-Projekt Wildkatzensprung wird im Werra-Meißner-Kreis unter anderem von Revierförster Gerhard Scholz aus Wendershausen betreut. Der 57-Jährige kontrolliert jeden Freitag zwei Lockstöcke. Die beiden Standorte waren zunächst nicht für die Studie vorgesehen, weil sie sich auf der anderen Seite der Werra befinden. Dort verlaufen auch die Bahnlinie und die Bundesstraße 27, die Einfluss auf die Wege der Wildkatzen haben könnten. Scholz ist seit 1993 Revierförster und hatte dort in den vergangenen Jahren mehrfach Beobachtungen gemacht.

Zwei Lockstöcke wurden deshalb auf dem Habichtstein und im Bereich Ebenhöhe-Liebenberg zwischen Wendershausen und Oberrieden aufgestellt. Im vergangenen Jahr hatte Scholz dort zehnmal Haarproben gefunden - alles reine Wildkatzen, wie die genetische Analyse belegt. „Die Proben haben ergeben, dass es sich um mindestens vier verschiedene Kuder handelt, ein Weibchen konnte nicht nachgewiesen werden“, sagt Scholz. Das könne auch daran liegen, dass die Männchen ein deutlich größeres Revier durchstreifen, um ein paarungswilliges Weibchen zu entdecken.

Von den Wildsprung-Proben erhoffen sich die Forscher auch Informationen über die Verwandschaftsbeziehungen. „Die Untersuchung kann Rückschlüsse darauf geben, mit wem die Wildkatzen in der Region enger verwandt sind - mit der Population im Kaufunger Wald, die auf der anderen Werra-Seite lebt - oder den Artgenossen im Naturpark Hainich im benachbarten Thüringen.

Neben den Lockstockproben sammelt das Forstamt Hessisch Lichtenau auch tote Wildkatzen ein, um sie genetisch analysieren zu lassen. „Seit 2010 haben wir im Werra-Meißner-Kreis 30 Wildkatzen eingesammelt“, sagt Forstamtsleiter Matthias Dumm. Die Zahl deute auf einen großen Wildkatzenbestand hin.

Tote Wildkatzen melden 

Sollten sie eine tote Wildkatze entdecken, rufen Sie bitte bei Revierförster Gert Snethlage an. Er holt die Tiere ab und übermittelt sie an das Senkenberginstitut in Gelnhausen. Dort werden die genetischen Analysen gemacht.

Kontakt: Revierförster Gert Snethlage, Forstamt Hessisch Lichtenau, Tel. 0 56 61/92 55 977, Mobil: 01 60/474 77 87.

Von Alia Shuhaiber

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