Totschlag an Grillhütte: BGH gibt Revisionsantrag für Alexandr B. statt

Die Grillhütte „Waldfrieden“ bei Hessisch Lichtenau: Hier wurde die Leiche von Waldemar B. im Juli 2013 gefunden. Unser Bild entstand während der Suche der Polizei nach der Tatwaffe. Sie ist bis heute verschwunden. Archivfoto: Röß

Für Sergej B. und Vladimir G., die 2013 Waldemar B. an der Grillhütte „Waldfrieden" getötet haben sollen, wird es kein milderes Urteil geben. Für Alexandr. B. vielleicht schon.

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat das Urteil des Landgerichts Kassel bestätigt, das Sergej B. und Vladimir G. im Oktober 2014 wegen Totschlags zu zwölf und acht Jahren Haft verurteilt hatte. Das bestätigte eine Sprecherin.

Im Fall des dritten Angeklagten Alexandr B. hob der BGH das Urteil von sechs Jahren Haft allerdings auf. Der damals 35-Jährige soll das spätere Opfer zur Grillhütte gelockt haben, wo die beiden anderen Angeklagten Waldemar B. erschlagen haben sollen. Wie sich im Prozess herausstellte, hatte Alexandr B. mit der Ehefrau des Opfers eine Affäre.

Der BGH hegte zwar keine Zweifel am Hergang der Tat, kritisierte aber, dass das Landgericht Kassel im Hauptverfahren weder eine mögliche eingeschränkte Steuerungsfähigkeit bei Alexandr B. noch den Vorsatz seines Handelns ausreichend geprüft habe.

Wie Alexandr B.s Anwalt Bernd Pfläging erläutert, stelle sich für den BGH noch die Frage, ob B. damit habe rechnen müssen, dass die beiden anderen Angeklagten Waldemar B. töten würden. Alexandr B. war wegen Beihilfe zum Totschlag verurteilt worden. Das Landgericht Kassel müsse nun prüfen, ob er wegen der dürftigen Beweislage im Indizienprozess nicht höchstens wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung verurteilt werden könne, so Pfläging. In diesem Fall könne es sogar sein, dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird - und dann könnte Alexandr B. möglicherweise bald aus dem Gefängnis freikommen. Er sitzt seit seiner Festnahme im August 2013 seit fast drei Jahren in Untersuchungshaft, weil das Urteil noch nicht rechtskräftig war. Pfläging kündigt daher eine Haftbeschwerde an.

Einen Termin für den neuen Prozess gibt es noch nicht. Pfläging rechnet mit einem Verhandlungsbeginn frühestens im Herbst.

Dass der Revisionsantrag von Alexandr B. Erfolg haben würde, hat Knuth Pfeiffer, Vertreter der Nebenklage und Fachanwalt für Strafrecht, nicht überrascht. „Das deutete sich schon bei der mündlichen Urteilsverkündung an“, sagt Pfeiffer. Als positiv für seine Mandanten -- Schwester und Vater des Opfers - bewertet er, dass zumindest das Urteil gegen die beiden Haupttäter nun rechtskräftig ist. Einen eigenen Revisionsantrag, um eine Verurteilung wegen Mordes statt wegen Totschlags zu erreichen, habe er nach der schriftlichen Urteilsverkündung verworfen. „Dafür habe ich keine Chancen gesehen.“ Auch die Staatsanwaltschaft war nicht in Revision gegangen.

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