Gemeinschaftlicher Totschlag

Gewalttod nahe Grillhütte: Angeklagte zu hohen Haftstrafen verurteilt

Kassel/Hessisch Lichtenau. Mit der Verurteilung aller drei Angeklagten zu langen Haftstrafen ist am Donnerstag der Prozess um den Gewalttod von Waldemar B. (38) in Hessisch Lichtenau zu Ende gegangen.

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Abweichend von der Anklage stufte das Kasseler Landgericht die Tat an der Grillhütte „Waldfrieden“ allerdings nicht als Mord, sondern nur als Totschlag ein.

Nach dem Willen der Schwurgerichtskammer soll Sergej B. als Haupttäter für zwölf Jahre ins Gefängnis. Der 28-Jährige habe am 8. Juli 2013 mit „unbedingtem direktem Tötungsvorsatz“ auf den Kopf des Opfers eingeschlagen, sagte Richter Volker Mütze. „Wir gehen von einem Fleischerbeil aus.“ Vladimir G. (22) wurde zu acht Jahren Haft verurteilt. Er habe die Tatwaffen besorgt und auch selbst zugeschlagen, befand das Gericht.

Aktualisiert um 14:15 Uhr

Alexandr B. (35) soll dagegen mit sechs Jahren Freiheitsstrafe davon kommen. Außerdem wurde die Unterbringung des alkoholkranken Mannes in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Seinen Tatbeitrag wertete die Strafkammer als bloße Beihilfe: Er habe Waldemar B. zur Grillhütte gelockt. Seine Beteuerung, überhaupt nicht am Tatort gewesen zu sein, nahm ihm das Gericht nicht ab. Mangels eindeutiger Beweise konnte sich die Kammer bei ihrem Urteil, das weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft entsprach, nur auf Indizien stützen – und auf die widersprüchlichen Aussagen zweier Angeklagter bei der Polizei.

Die Verteidigung, die Freisprüche verlangt hatte, kritisierte den Richterspruch scharf. „Ich bin überrascht, wie schnell aus Mutmaßungen Feststellungen werden“, sagte Rechtsanwältin Lena Retschkemann und kündigte wie ihre Kollegen Revision an. Aber auch Nebenklageanwalt Knuth Pfeiffer, der Vater und Schwester des Getöteten vertritt, will das Urteil vor dem Bundesgerichtshof anfechten: Er sei „fassungslos“, dass das Gericht in der Bluttat keinen Mord erkennen wolle. (jft/alh)

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