39 Gräber in Hessisch Lichtenau betroffen

Nach Vandalismus: Steinmetz bestätigt Schaden von mehr als 100.000 Euro auf Friedhof

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Auf dem Friedhof in Hessisch Lichtenau sind  Grabsteine mutwillig umgeworfen worden.

Hessisch Lichtenau. Besucher des alten Hessisch Lichtenauer Friedhofs waren am Neujahrsmorgen entsetzt: Zahlreiche Gräber waren in der Silvesternacht zerstört worden.

Artikel wurde aktualisiert um 18.14 Uhr am Mittwoch, 3. Januar. Die Zahl der Gräber, die in der Silvesternacht auf dem Friedhof in Hessisch Lichtenau beschädigt wurden, steht nun eindeutig fest: Bei 39 Gräbern wurden laut Pfarrerin Anja Peters Grabsteine umgestoßen, Platten zerstört oder eingelassene Lettern herausgebrochen. Die Beschädigungen würden von leicht bis völlig zerstört reichen. 

„Nach einer Begehung mit dem Steinmetz Koch wurde die Schadenshöhe von mehr als 100.000 Euro bestätigt“, sagt Peters. Bei einem Grab, bei dem die Platte durch den umgeworfenen Grabstein zerstört wurde, liege der Schaden allein bei 15.000 Euro. Auch, wenn kein Werkzeug auf dem Friedhof gefunden wurde, geht Peters davon aus, dass die Täter Werkzeug gehabt haben müssen. 

„Die Steine sind enorm schwer, wir machen aus Sicherheitsgründen jedes Jahr eine Rüttelprobe, die kriegt man nicht umgelegt.“ Normalerweise sei dies nicht mit ein bis zwei Männern zu schaffen, meint die Pfarrerin. Die Polizei möchte dies nicht mit Sicherheit sagen. „Möglicherweise haben sie Werkzeug zu Hilfe genommen, aber vieles ist auch mit körperlicher Gewalt zu schaffen“, sagt Polizeisprecher Jörg Künstler. 

Die Kirchengemeinde werde nun alle betroffenen Angehörigen anschreiben, sie über die Beschädigung informieren, sofern sie nicht bereits davon wissen, und sie über die Möglichkeiten aufklären, einen Strafantrag zu stellen und das Grab auf eigene Kosten entweder wieder herrichten oder vorzeitig abräumen zu lassen.

Die Polizei sucht weiterhin nach den Tätern.

Das passierte am Montag

Die Polizei hatte am Montag die Ermittlungen aufgenommen und Pfarrerin Anja Peters verständigt, die sich sofort einen Überblick über das Ausmaß des Schadens an der Friedrichsbrücker Straße verschaffte. Im nördlichen Teil waren unzählige Grabsteine mutwillig umgeworfen worden, lagen teils auf den Gräbern, daneben oder auf einem der Nachbargräber. Dabei waren Steine zu Bruch gegangen und eingelassene Lettern herausgebrochen.

Der Zerstörungswut fielen auch Grabplatten und -einfassungen zum Opfer. Auf ein Urnengrab wurde ein Holzkreuz kopfüber gerammt. Vielfach wurden die Grabbeigaben herumgeworfen, Pflanzen herausgerissen.

An einer der betroffenen Grabstätten: Pfarrerin Anja Peters (von links), Horst Islei, Carmen Kraft und Wilfried Reimann betrachten den Schaden.

Nach ersten Polizeiangaben wurden 26 Gräber beschädigt, der Schaden wurde mit rund 20.000 Euro beziffert. Carmen Kraft vom örtlichen Bestattungsinstitut hatte jede beschädigte Grabstätte fotografiert und kam nach erster Bilanz auf etwa 40 Fälle.  „In der Strafanzeige steht, dass 30 Gräber beschädigt wurden“, sagte Polizeisprecher Jörg Künstler. Bis eine verlässliche Anzahl genannt werden könne, müssten zunächst jedoch alle Angehörigen ihre Gräber begutachten, um festzustellen, ob neben den offensichtlichen Zerstörungen noch weitere Dinge zerstört oder entwendet wurden. Ebenso verhalte es sich mit der Schadenshöhe, die am Montag von der Polizei auf 20.000 Euro, von Peters auf mehr als 100.000 Euro geschätzt wurde.

Für den Schaden wird wohl keine Versicherung aufkommen. „Gegen Vandalismus greift keine normale Versicherung – Das ist die ernüchternde Antwort aller meiner bisherigen Bemühungen“, sagt Pfarrerin Anja Peters, die  mit Kirchenkreisamt, Landeskirche und der kirchlichen Versicherung telefoniert hatte. 

Die Polizei hat Spuren gesichert. Sie sucht außerdem Zeugen, die zwischen Sonntag, 20 Uhr und Montag, 10.50 Uhr, etwas gesehen haben.  Hinweise: Tel. 05602/93930

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