Vermieter: „Das kam mir komisch vor“

Prozess am Landgericht wegen Marihuana-Anbaus in Hessisch Lichtenau

Cannabis
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2021 entdeckte die Polizei eine riesige Cannabis-Plantage. Jetzt hat der Prozess begonnen.

Kassel/Hessisch Lichtenau – Zeitungleser wissen mehr: Das bewahrheitete sich vor knapp einem Jahr für einen 63-jährigen Mann aus Hessisch Lichtenau. Er hatte im September 2020 über ein Ebay-Kleinanzeige eine Halle vermietet, in der angeblich Holz gelagert werden sollte, und die Miete für ein Jahr im Voraus kassiert.

Dann, Ende Januar 2021, las er im Lokalblatt über ein sogenanntes Cannabis-Haus im Landkreis Kassel, dessen Nachbarn erstaunt waren über ein „Dach ohne Schnee, junge Leute und dicke Autos“, wie der Zeuge am Freitag vor der 5. Strafkammer des Kasseler Landgerichts berichtete. Sie hatten schließlich die Polizei alarmiert, die den Drogenanbau feststellte.

Das habe ihn sehr nachdenklich gemacht, denn auf seiner vermieteten Halle in Hessisch Lichtenau lag als einziger in der Nachbarschaft ebenfalls kein Schnee auf dem Dach, dafür waren fast nie Leute zu sehen und die Lüftungsklappen geöffnet. Als auch die Wasserrechnung deutlich höher ausfiel als üblich, schritt er zur Tat und teilte seinen Verdacht der Polizei mit: „Die bauen da vielleicht Drogen an.“

Wie der Leiter der polizeilichen Ermittlungen, Michael Link, am zweiten Verhandlungstag erläuterte, schauten sich zunächst zwei Beamte vor Ort um. Dort nahmen sie schnell deutlichen Marihuanageruch wahr. Am 29. Januar begann dann die technische Überwachung des Gebäudes mittels einer Kamera, am 2. Februar schließlich wurden Personen und Fahrzeuge registriert, abends auch Verladeaktionen. „Da haben wir uns entschieden zuzugreifen“, so der Ermittler.

Zwei Personen, ein 26-jähriger Deutscher und ein 33-jähriger Albaner, wurden schließlich festgenommen, die jetzt als Angeklagte vor Gericht stehen und sich wegen bandenmäßigen Anbaus von Betäubungsmitteln und Verkehrsgefährdung (ein Verdächtiger versuchte mit dem Auto zu fliehen) verantworten müssen (wir berichteten).

In der Halle fanden die Polizisten eine groß angelegte Drogenplantage, gut ausgerüstet mit Technik für Belüftung, Licht und Wasser. „Überall, auch im Keller, standen die Pflanzkübel“, berichtete der Ermittler, insgesamt 1600 Gefäße. Außerdem wurden 22 Kilo schon geerntetes Marihuana in Kisten sowie viele neue Setzlinge sichergestellt.

Mit der Sicherstellung der Drogen und der Ausrüstung, die einen Überseecontainer füllte, begann für die Polizei die akribische Ermittlungsarbeit, über die der Beamte dem Gericht mit Vorsitzendem Richter Dr. Aldea berichtete. Spuren wurden gesichert, Wohnungen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen durchsucht, Handys, Tablets und andere Datenträger ausgewertet. Ziel: die Beteiligung der Angeklagten an dem Drogenanbau zu belegen.

Dass weitere Personen an dem Anbau und Verkauf beteiligt waren, ist sehr wahrscheinlich. Noch eine Unbekannte ist etwa ein Mann namens Ivan Petrow, der den Mietvertrag mit dem 63-jährigen Halleneigentümer aus Hessisch Lichtenau abgeschlossen hatte. Über ihn und seinen Verbleib ist bisher nichts bekannt, Adresse und Handynummer stimmten nicht. Außerdem wurden DNA-Spuren von zwei weiteren Personen in der Halle gefunden, die zusätzlich Verbindungen haben zu einem anderen Fall von Betäubungsmittelanbau.

Der Prozess wird mit in der kommenden Woche fortgesetzt. (Von Ulrike Lange-Michael)

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