Vertrauensverhältnis sei zerrüttet

Naturschutzbeirat-Vorsitzender im Werra-Meißner-Kreis tritt zurück

Habichtsstein in der Nähe von Wendershausen
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Ist zwar ein Naturdenkmal, darf aber offiziell beklettert werden: Für den Habichtsstein in der Nähe von Wendershausen hat der Landkreis vor zwei Jahren eine widerrufbare Ausnahmegenehmigung erteilt.

Thomas Reimann hat sein Ehrenamt als Vorsitzender des Naturschutzbeirates des Werra-Meißner-Kreises mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Der Grund: Die Vorgänge in der Naturschutzbehörde.

Werra-Meißner – „Bei einem so zerrütteten Vertrauensverhältnis bleibt in der Konsequenz nur, den Vorsitz niederzulegen und die Mitarbeit zu beenden“, begründete Reimann seinen Rücktritt und kritisierte, dass es bei der jüngst stattgefundenen Umstrukturierung der Unteren Naturschutzbehörde (wir berichteten) im Vorfeld keinerlei Kommunikation oder Transparenz gegeben habe. Seit 2006 war Reimann in seiner Funktion als Mitglied des BUND Werra-Meißner im Naturschutzbeirat tätig, im vergangenen Jahr hatte er dessen Vorsitz übernommen.

Thomas Reimann

Die Art und Weise, wie dem langjährigen Leiter der Unteren Naturschutzbehörde (UNB), Friedrich Haselhuhn, seine Führungsposition entzogen wurde – und das ohne Einbindung des Naturschutzbeirates – sei nicht der erste Vorfall dieser Art gewesen: Auch bei der vor zwei Jahren gefallenen Entscheidung des Kreises, für das Naturdenkmal Habichtstein bei Wendershausen eine offizielle Ausnahmegenehmigung für den Klettersport zu erteilen, sei im Vorfeld nicht mit dem Naturschutzbeirat diskutiert und abgestimmt worden. Die Mitglieder erfuhren davon erst aus der Zeitung (wir berichteten). Reimann sprach damals bereits von einem „Defizit in der gewohnten Zusammenarbeit zwischen Kreisbehörde und ehrenamtlichen Aktiven im Naturschutzbeirat“. Er forderte die Rückkehr zu einer „transparenten und verantwortungsvollen Zusammenarbeit, wie es in den vergangenen Jahren üblich war“.

Das vor zwei Jahren beschlossene Konzept sieht vor, die Entwicklung von Flora und Fauna an gesperrten Felsen (das Naturdenkmal Ellersteine bei Hundelshausen) sowie an den für den Klettersport freigegebenen Felsen zu beobachten und zu vergleichen. Falls es zur Zerstörung oder zu sonstigen erheblichen Beeinträchtigungen von Flora und Fauna komme, sei nicht ausgeschlossen, den Felsen für den Klettersport wieder zu sperren, hieß es damals vonseiten des Kreises. „Ehrlich wäre gewesen, zu sagen: Wir kriegen es nicht hin, das Naturdenkmal zu schützen, und haben es daher geopfert“, sagt Reimann, der eine Beeinträchtigung von Flora und Fauna durch die Kletterer für unvermeidbar hält.

Auch bei der Einrichtung des Landschaftspflegeverbands, der Haselhuhn personell hätte entlasten können, wenn man ihn bei der UNB angesiedelt hätte, habe der Kreis 2018 ohne Einbindung des Naturschutzbeirates entschieden, diesen stattdessen dem Geo-Naturpark zuzuschlagen. (Gudrun Skupio)

Naturschutzbeirat wird alle fünf Jahre vom Kreisausschuss berufen

Der Naturschutzbeirat ist ein Gremium, das nach dem Hessischen Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz bei allen Unteren Naturschutzbehörden (UNB) in Hessen einzurichten ist. Ihm gehören unabhängige und sachverständige Personen an, die ehrenamtlich arbeiten. Darunter sind Vertreter aller acht in Hessen anerkannten Naturschutzvereinigungen sowie der Landwirtschaft. Sie unterstützen und beraten die UNB in grundsätzlichen Angelegenheiten des Naturschutzes.

Dies gilt insbesondere für die Vorbereitung von Rechtsverordnungen und Satzungen, Planungen und Planfeststellungen nach anderen Rechtsvorschriften von überörtlicher Bedeutung, bei denen die UNB mitwirkt, sowie für das gesamte Kreisgebiet bedeutsame Vorgänge, bei denen die UNB eine Entscheidungs- oder Mitwirkungsbefugnis hat. Der Naturschutzbeirat besteht aus neun Mitgliedern und neun Stellvertretern. Sie werden vom Kreisausschuss für fünf Jahre berufen. (gsk)

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