Landgericht Kassel

Viele Zeugen, wenig Klarheit: Prozess prüft, ob Vorfall in Lichtenau Absicht oder Unfall war

Die "Justitia", Göttin der Justiz und der Gerechtigkeit, Skulptur mit Waage und Schwert in Händen auf dem Gerechtigkeitsbrunnen in Frankfurt am Main
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Symbolbild

Im Juli vergangenen Jahres kam es in Hessisch Lichtenau zu einer Fahrzeugkollision. Dabei wurde ein junger Mann verletzt. Der Prozess am Landgericht Kassel geht weiter.

Hessisch Lichtenau/Kassel – Ein Auto fährt in den Abendstunden des 3. Juli 2020 in der Poststraße in Hessisch Lichtenau gegen einen am Straßenrand abgestellten Kleinwagen, verletzt dabei den daneben stehenden jungen Mann. Das Fahrzeug fährt weiter. Was zunächst wie ein Verkehrsdelikt mit Unfallflucht aussieht, ist in den Augen der Kasseler Staatsanwaltschaft aber wesentlich gravierender: Der Fahrer, ein 40-Jähriger aus Hessisch Lichtenau, ist des versuchten Mordes und – zusammen mit seinem 43-jährigen Bruder – der gefährlichen Körperverletzung angeklagt.

Seit Ende April läuft das Verfahren gegen die beiden Brüder vor der 6. Strafkammer des Kasseler Landgerichts. Am dritten Verhandlungstag am Freitag setzte der Vorsitzende Richter Volker Mütze die Beweisaufnahme fort. Weitere Augenzeugen wurden befragt, die an besagtem Abend teils gesehen und gehört hatten, was sich in der sonst so ruhigen Straße abgespielt hatte.

Dabei wurde deutlich, dass es zum eigentlichen Geschehen weitgehend übereinstimmende Angaben der Zeugen gab: Vier Männer – das beschuldigte Brüderpaar, der Geschädigte und ein Bekannter – waren auf offener Straße in Streit geraten, es gab „Geschubse“ oder auch Schläge. Man ging auseinander, die Brüder fuhren weg, wendeten das Auto, kamen zurück, streiften den geparkten Kleinwagen und verletzten den daneben stehenden jungen Mann, der als Bademeister und Pizzabote in Hessisch Lichtenau gut bekannt ist.

Was jedoch die Ursache für den Streit war, ob der Angeklagte absichtlich gegen den Geschädigten fuhr oder sein vermeintlich verletzter Bruder unabsichtlich für die Lenkbewegung verantwortlich war, konnten die Aussagen bisher nicht belegen. Staatsanwalt und Nebenklägerin sowie die beiden Verteidiger befragten die Zeugen ausführlich, auch um Zweifel an den Aussagen des jeweiligen Prozessgegners zu säen.

Dass der vierte Mann als direkter Tatzeuge zurzeit im Irak weilt und nicht vernommen werden kann, erschwert die Beweisaufnahme ebenso wie die Tatsache, dass der zuständige Kriminalbeamte aus Eschwege erkrankt ist und laut Richter Volker Mütze zunächst nicht aussagen kann.

Es sind weitere Verhandlungstage bis Anfang Juli eingeplant. Dann muss das Gericht zu einem Ergebnis kommen und entscheiden, ob es sich bei dem Vorfall um einen Unfall, eine gefährliche Körperverletzung oder versuchten Mord handelt. (Ulrike Lange-Michael)

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