Nicht nur für Kriegsopfer

Volkstrauertag: Gedenken schon seit 200 Jahren

Einst Ort zum Gedenken: Früher hatten die Tafeln aus den Jahren 1813/14 und 1870/71 ihren Platz in der Kirche in Retterode. Fotos: Gold

Hessisch Lichtenau/Retterode. Am Sonntag ist Volkstrauertag. Dabei wird an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft gedacht. Gedenktafeln und Orte der Erinnerung gibt es schon länger, beispielsweise in Retterode. Darüber berichtet der Hessisch Lichtenauer Heimatforscher Hans Gold.

Mit der Verordnung über die Stiftung eines bleibenden Denkmals musste auch die Kirchengemeinde Retterode für die Soldaten, die in den Befreiungskriegen „im Kampfe für Unabhängigkeit und Vaterland“ gefallen sind, eine Gedenktafel anfertigen lassen.

Die Verordnung vom 5. Mai 1813 regelte, dass in den Kirchen auf Kosten der Kirchengemeinden einheitlich gestaltete, hölzerne Gedenktafeln, in den Kirchen angebracht werden sollen. Es sollte damit ein Ort geschaffen werden, an dem die Angehörigen um ihre Toten trauern konnten. Die Verordnung erließ Friedrich Wilhelm III., Sohn des damaligen preußischen Königs Friedrich Wilhelm II.

Von 1813/1814: Die Retteröder Erinnerungstafel.

Die Retteröder Gedenktafel aus dem Jahr 1813/1814 ist heute nicht mehr im besten Zustand. Auf der Tafel sind jedoch noch gut lesbar die namentlich aufgeführten 14 gefallenen Söhne des Dorfes mit Hinweis der Truppenzugehörigkeit. Links neben den Namen befinden sich drei Ordensbänder. Die Tafel wird derzeit im Meisenbughaus aufbewahrt.

Erst nach der Französischen Revolution (ab 1789) begann man mit dem Bau von Denkmälern für die gefallenen Soldaten, zuvor war dies nur den „erfolgreichen Heeresführern“ vorbehalten.

Erinnerungstafeln wurden auch nach dem Deutsch- Französischen Krieg 1870/71 in den Kirchen aufgestellt, wobei man die Überlebenden auf der Tafel berücksichtigte und verherrlichte. In Retterode und Fürstenhagen haben diese hölzernen Tafeln aus den Jahren 1870/71 mit den Namen der Kriegsteilnehmer ihren Platz im Meisenbughaus und im evangelischen Gemeindehaus.

Nach der Statistik der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz sind über 100.000 Krieger- und Ehrendenkmäler für die gefallenen Soldaten in Deutschland geschaffen worden - die Erinnerungstafeln nicht eingerechnet.

Nach dem Ersten Weltkrieg mit über zwei Millionen gefallenen deutschen Soldaten, wurden vorwiegend monumentale Kriegerdenkmäler aus Stein errichtet, ebenso die neu geschaffenen Denkmäler nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine weitere Erinnerung an ermordete und hingerichtete Personen schuf man in jüngster Zeit mit den sogenannten Stolpersteinen.

Für die gefallenen Mitglieder aller Streitkräfte wurde im Jahr 2009 in Berlin ein neues Denkmal von der Bundeswehr eingeweiht. Für die Angehörigen der Bundeswehr, die während des Dienstes ihr Leben verloren, befinden sich Denkmäler in Laboe, Fürstenfeldbruck und Koblenz, sie stehen für die Marine, Luftwaffe und Heer.

Jährlich findet die zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag im Bundestag statt, seit 1952 als staatlicher Gedenktag. Zusätzlich finden am Volkstrauertag in vielen Gemeinden nach den Gottesdiensten Gedenkveranstaltungen an den örtlichen Denkmälern statt und es wird an die vielen Toten der Kriege, der nach 1945 gefallenen Soldaten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen gedacht.

Von Hans Gold

Eine Übersicht aller Veranstaltungen zum Volkstrauertag im Kreisteil Witzenhausen lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeinen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.