Tag des Handwerks: Vier-Tage-Woche soll motivieren

Vom Großhandel zur Werkstatt mit zwei Meistern: Firma Franz Rönnau aus Hessisch Lichtenau

Vor der Ausstellung im Außenbereich: Inhaberin der Firma Franz Rönnau, Marie-Antoinette Schleier (links) und Tochter Corina Schleier, in der Firma zuständig für die Bearbeitung von Aufträgen. Immer dabei: Hündin Dakota.
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Vor der Ausstellung im Außenbereich: Inhaberin der Firma Franz Rönnau, Marie-Antoinette Schleier (links) und Tochter Corina Schleier, in der Firma zuständig für die Bearbeitung von Aufträgen. Immer dabei: Hündin Dakota.

Ob Wintergärten, Terrassendächer, Markisen, Sonnenschirme Aluminiumgeländer oder siebenfach gesicherte Haustüren – bei Firma Franz Rönnau wird für den Kunden alles individuell gearbeitet und montiert. Allerdings nur an vier Tagen in der Woche. Denn als einer der ersten, wenn nicht sogar als der erste Handwerksbetrieb im Werra-Meißner-Kreis, arbeiten Werkstattmeister, Monteure und Techniker nur von montags bis donnerstags.

Hessisch Lichtenau – Firmenchefin Marie-Antoinette Schleier, die die Firma 1994 übernommen hat, hat Anfang des Monats die 4-Tage-Woche für ihre Mitarbeiter eingeführt. Sie ist sich sicher, dass sich das für Mitarbeiter und Betrieb als Gewinn herausstellen wird. „Wir haben hier eine tolle Truppe, alle sind zuverlässig und es herrscht großes Vertrauen“, sagt Marie-Antoinette Schleier. Sie weiß, dass auf ihre Mitarbeiter Verlass ist: „Niemand lässt um drei den Hammer fallen, wenn die Baustelle noch nicht fertig ist.“

Finanzielle Einbußen haben die Mitarbeiter nicht. Montags bis donnerstags arbeiten sie eine Stunde länger. Dadurch haben sie die Hälfte des Acht-Stunden-Freitags vorgearbeitet. „Die restlichen vier Stunden schenke ich ihnen“, so Schleier. So ermöglicht sie den Mitarbeitern der Werkstatt jede Woche ein langes Wochenende. Sie ist sich sicher, dass dadurch nicht weniger Arbeitsleistung erbracht wird.

Zweifach geschliffen: Johannes Günther behandelt die Oberfläche eines Edelstahlhandlaufs – für eine bessere Haptik immer doppelt.

Durch den zusätzlichen freien Tag würden die Mitarbeiter am Montag entspannter, ausgeruhter und motivierter zur Arbeit kommen. Automatisch würde dadurch die Arbeitsleistung gesteigert und so das gleiche Pensum in weniger Stunden geschafft. Das Büro bleibt weiterhin freitags besetzt. „Für unsere Kunden wollen wir erreichbar sein“, so die Firmeninhaberin. Aber: Die Mitarbeiterinnen arbeiten abwechselnd und haben alle 14 Tage freitags frei. Dafür müssen sie nicht vorarbeiten.

Neuen Ideen gegenüber war Marie-Antoinette Schleier schon immer aufgeschlossen. 1994 übernahm sie das Unternehmen von Gründer Franz Rönnau. „Den Namen haben wir behalten und auch auf Qualität legen wir weiterhin höchsten Wert“, so Schleier. Darum seien auch viele Zulieferer dieselben wie damals, als die Firma noch ein reiner Großhandel war.

Verkauft wurde ausschließlich Zubehör für Schlosser und Metallbauer. Gearbeitet hat Marie-Antoinette Schleier von Zuhause aus – die Einzelteile lagerten in der Garage, das Büro war im Haus. Auch hier ging Schleier früh neue Wege: Sie baute den Verkauf aus und bot die Teile auch im Internet an.

Mit Erfolg: Das Unternehmen wurde größer und als 2011 die Firma im Gewerbegebiet an der Ludwig-Frölich-Straße gebaut wurde, kamen immer öfter Anfragen nach handwerklichen Dienstleistungsangeboten. Also wurden ein Meister eingestellt und die ersten Aufträge angenommen. Seitdem habe sich „ein beachtlicher Kundenstamm entwickelt“, sagt die Chefin. Aus einem Meister wurden zwei, es kamen Monteure dazu, ein Fuhrpark und 2014 ein weiteres Novum: Im Außenbereich der Firma entstand eine 1200 Quadratmeter große Ausstellungsfläche. „Weil wir schließlich Produkte für draußen verkaufen“, sagt Schleier.

Hier finden die Kunden Wintergärten, Markisen, Terrassendächer und Geländer nicht nur in Originalgröße, sie können die neueste Technik ausprobieren, beispielsweise Markisen per Handy-App ausfahren.

Die Ausstellung ist rund um die Uhr geöffnet, Beratung gibt es nach Terminvereinbarung. Besucher sehen, wie von der Firma angebotene Beleuchtung in der Dunkelheit wirkt und wie die Produkte auf verschiedene Witterungen reagieren. Gerade in der Corona-Zeit sei der Firma diese Art der Ausstellung zu Gute gekommen, sagt die Inhaberin. (Wiebke Huck)

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