RP äußert sich zur Situation in Hessisch Lichtenau

Lärm, Müll, Flutlicht: Anwohner der Zeltstadt fühlen sich im Stich gelassen

Ständiger Lärm, grelles Flutlicht und Müll sorgen für Stress: Nur wenige Meter trennen die Anwohner der Kanzler-Feige-Straße in Hessisch Lichtenau von der Zeltstadt für Flüchtlinge auf dem Sportplatz. Der Eingangsbereich zu den Wohnungen von Pflegerin Jenny Baran (links) und Monika Brübach ist nur durch einen groben Bauzaun von der Unterkunft (im Hintergrund) getrennt. Foto: Bretzler

Hessisch Lichtenau. Monika Brübach und Jenny Baran können nicht schlafen. Das grelle Flutlicht der Zeltstadt erhellt nachts ihre Schlafzimmer.

Die Dieselmotoren für die Heizung brummen rund um die Uhr. Und in der sonst ruhigen Kanzler-Feige-Straße kommt der Verkehr nicht zur Ruhe. Nur wenige Meter trennen die Wohnungen der Frauen von der Flüchtlingsunterkunft auf dem Hessisch Lichtenauer Sportplatz. Ein Bauzaun sperrt den Vorgarten ab, schafft aber keine Privatsphäre.

„Seit Wochen geht das so. Ich fühle mich wie auf dem Präsentierteller“, stöhnt Monika Brübach. Busse mit Flüchtlingen und Polizeiautos mit Blaulicht rangierten vor ihrer Haustür und Schaulustige flanierten vorbei, um mal einen Blick ins Camp werfen zu können. Am Straßenrand würden Chipstüten und Zigarettenkippen entsorgt. „Mir macht die Situation Angst. Ich bin die ganze Zeit angespannt und fühle mich wirklich belästigt.“

Auch Jenny Baran ist seit Errichtung der Zeltstadt nicht mehr wohl in ihrer Haut. In der Nachbarwohnung pflegt die junge Frau rund um die Uhr eine Patientin, die auf den Rollstuhl angewiesen ist. „Ständig werden wir von Lärm und Licht wach und sind morgens kaputt“, berichtet sie. Abends verlasse sie nicht mehr gern das Haus, größere Gruppen von Flüchtlingen machen ihr ein mulmiges Gefühl. „Es gab zwar bislang weder Gespräche noch Streit mit den Flüchtlingen, aber unangenehme Erlebnisse. Zum Beispiel machen die Männer oft keinen Platz, wenn eine Frau auf der Straße vorbei möchte, und fixieren einen von oben bis unten. Solchen Situationen gehe ich lieber aus dem Weg.“

Mit ihren Sorgen hat sich Monika Brübach auch schon ans Regierungspräsidium (RP) gewandt. Viermal sei sie laut eigener Aussage bereits bei den zuständigen Mitarbeitern im Büro-Container direkt am Sportplatz gewesen, um ihre Probleme zu schildern. „Dort hört man mir aber gar nicht richtig zu. Ich kriege dann nur Sachen zu hören wie ‘Angst muss man doch nur haben, wenn wirklich etwas passiert’. Das hilft mir nicht weiter.“

Sorgen ernst nehmen 

Sie wünscht sich, dass die Verantwortlichen die Sorgen der Anwohner ernster nehmen. „Niemand hat uns im Vorfeld über das Entstehen der Zeltstadt informiert. Und niemand hat, seit sie steht, einmal nachgefragt, wie es uns damit geht.“ Zwar habe das RP den Bauzaun aufgestellt, aber der „Schutz“ sperre die Anwohner auch ein, kritisiert Monika Brübach. So gebe es nur ein Element auf Rollen, das sich leicht öffnen lasse. Dadurch müssten alle sechs Bewohner des Hauses ihre Wohnungen erreichen.

Für Menschen mit Gehbehinderung - wie Monika Brübach - und Schwerkranke - wie die Patientin von Jenny Baran - kann die Situation spätestens mit Wintereinbruch zum Hindernis werden. Beide hoffen auf einen schnellen Umzug der Flüchtlinge und fordern Landesministerien und RP auf: „Redet mit uns endlich mal Klartext!“

Das sagt das RP

zur Beleuchtung:Michael Conrad, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Kassel (RP), hat einige Fragen der Anwohner zur Zeltstadt beantwortet. Die Beleuchtung der Strahler im Flüchtlingslager in Hessisch Lichtenau werde um 22.30 Uhr abgestellt. Es seien dann lediglich noch kleine Lampen an, die die Wege für die Bewohner erhellten. Sie seien vergleichbar mit den normalen Straßenlaternen. Die Mitarbeiter des RP vor Ort hätten bereits mit Fotos geprüft, ob die Strahler direkt in die Häuser leuchten, das sei nicht der Fall gewesen.

zu Anwohnersorgen:Falls die Anwohner Sorgen oder Ängste hätten, sollten sie sich damit direkt an das RP wenden, die Mitarbeiter vor Ort könnten darüber nicht entscheiden.

zum Müllproblem: Es sei nicht bekannt, dass viel Müll herumliege. Innerhalb des Lagers hielten die Flüchtlinge selbst Ordnung. Die Saubermachaktion der Flüchtlinge durch die Innenstadt finde jetzt jede Woche zur gleichen Zeit statt.

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