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Zu trocken für die Jahreszeit: Mangel zeigt sich deutlich bei Quellen in Hessisch Lichtenau

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Von: Evelyn Paul

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Steinwüste statt Wasser: Der Wilhelmshäuser Bach – hier zwischen Witzenhausen und Kleinalmerode – ist schon seit Längerem weitgehend ausgetrocknet.
Steinwüste statt Wasser: Der Wilhelmshäuser Bach – hier zwischen Witzenhausen und Kleinalmerode – ist schon seit Längerem weitgehend ausgetrocknet. © Stefan Forbert

Es zeigt sich ungewöhnlich zeitig im Jahr, dass es bereits jetzt deutlich an Niederschlägen mangelt. Das Regierungspräsidium Kassel hatte deswegen Ende Juni dazu aufgerufen, kein Wasser mehr aus Gewässer zu schöpfen, besonders nicht aus kleine, und für Witzenhausen war sogar die Wasserentnahme untersagt worden.

Werra-Meißner – Aber nicht nur das Oberflächenwasser ist von der Trockenheit betroffen. Auch die Quellen, die zur Trinkwassergewinnung benötigt werden, leiden darunter. Deswegen appelliert die Stadt Hessisch Lichtenau nun an die Einwohner, den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren.

Bei den oberflächennahen Quellen in der gesamten Kommune komme es zu starken rückgängigen Quellschüttungen durch die lang anhaltende Trockenheit, heißt es in der Mitteilung der Stadt. Als Schüttung wird das Wasservolumen bezeichnet, das in einer bestimmten Zeit aus einer Quelle austritt. Gleichzeitig komme es aber durch die Witterung mit den hohen Außentemperaturen zu einem erhöhten Trinkwasserverbrauch.

Die Einwohner Lichtenaus werden deshalb gebeten, keine Schwimmbecken zu befüllen und auch Gartenbewässerungsanlagen mit Trinkwasser sowie Autowäschen zu reduzieren. Auch das Wassertretbecken „Am Waldfrieden“ könne deswegen nicht mit Wasser versorgt werden.

Besonders betroffen sei der Ortsteil Hausen, da hier eine Umstellung auf Brunnen oder andere Wassergewinnungsanlagen nicht möglich sei. Die Hausener werden gebeten, ihr Trinkwasser mit besonderem Bedacht einzusetzen. Für alle Bäche, Seen und Flüße im Kreis rechnet Kreis-Pressesprecherin Sylvia Weinert in den nächsten Tagen mit einem Entnahmeverbot. „Die Beobachtungen der letzten Wochen zeigen, dass die Wasserstände in den Gewässern fallen“, teilt Weinert mit.

So zeigen die Pegel in Niddawitzhausen und Bischhausen, dass die Wasserstände unter dem mittleren Niedrigwasserabfluss (MNQ) liegen. Der MNQ bildet sich aus einem langjährigen Mittelwert der niedrigsten Tagesabflüsse. Auch der Pegel Helsa, der das Einzugsgebiet der Losse im Bereich der Stadt Hessisch Lichtenau mit abbilde, zeige Abflüsse unter dem MNQ. „Wir gehen davon aus, dass wie auch im vergangenen Jahr, einige Gewässer im Landkreis keine Wasserführung mehr haben werden“, teilt Weinert mit.

Auch andere Gebiete betroffen

So berichtet Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard, dass die Werra bereits einen sehr niedrigen Wasserstand habe, er aber noch nicht so tief sei wie im September 2019. Der Gatterbach sei in der Ortslage ausgetrocknet und der Heldrabach nur noch ein Rinnsal. Auch aus Herleshausen heißt es, dass die Wasserstände der Fließgewässer relativ niedrig seien. Es sei jedoch noch kein Entnahmeverbot ausgesprochen worden.

Unter der Erde wird das Wasser ebenfalls knapper. Wie in Hessisch Lichtenau zeigen auch in Meinhard die Oberflächenquellen besonders in der Hessischen Schweiz seit drei Monaten starke Schüttverluste. Deswegen seien die Bürger bereits vor einer Woche aufgefordert worden, sparsam mit dem Trinkwasser umzugehen, teilt Bürgermeister Gerhold Brill mit. Die Trinkwasserversorgung der Gemeinde liegt in kommunaler Trägerschaft. Dank des Verbundnetzes konnten Schwankungen in der Gewinnung aber bisher ausgeglichen werden.

Um auch weiterhin die Trinkwasserversorgung sicherzustellen, auch wenn die Quelle in der Hessisch Schweiz ausfalle, wird aktuell eine Druckerhöhungsanlage in Grebendorf gebaut. Die Kosten belaufen sich auf circa 220 000 Euro. „Um bei einem Totalausfall des Friedaer Tiefbrunnens eine Notversorgung zu haben, schließen wir uns dort an die Versorgungsleitung Eschwege an“, schreibt Brill. Thomas Mäurer, Bürgermeister von Weißenborn, schreibt, dass das Jahr 2021 wesentlich besser in der Schüttmenge von Quellen und Tiefbrunnen war. Dieses Jahr sei es vehement zurückgegangen, sodass nur minimale Quellschüttungen abgegeben werden konnten.

Auch wenn in Wanfried bereits Bäche ausgetrocknet sind, die Schüttung der Quellen sei noch im normalen Bereich, informiert Gebhard. Im grünen Bereich seien ebenfalls die Quellen im Ringgau, wie Bürgermeister Mario Hartmann mitteilt. In Herleshausen findet die Trinkwasserversorgung über den Wasser-Abwasser-Zweckverband Hersfeld-Rothenburg statt und sei nicht gefährdet. Menge und Qualität seien so gut wie immer, berichtet Bürgermeister Lars Böckmann.
(Evelyn Ludolph)

Die Niederschläge im Vergleich

Die Niederschläge waren mit 109 Millimeter (mm) im Januar und 104mm im Februar noch relativ reichlich im Vergleich zum Vorjahr (88mm im Januar und 70mm im Februar) wie die Internetplattform für Agrarwetter proplanta.de für Hessisch Lichtenau-Fürstenhagen zeigt. Der März war dann sehr trocken mit 10mm (2021: 68mm). Der April glich mit 79mm (2021: 55mm) etwas aus. Mai und Juni waren mit 32mm und 25mm (2021: 76mm und 97mm) wieder sehr trocken.

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