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Dorffest im Jubiläumsjahr – Gottesdienst und Kommers am Samstag

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Von: Lothar Röß

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Bernd Halpape (von links), Pfarrer Armin Scheerschmidt, Dennis Halpape, Hanna Schmuch mit Elli, Uwe Range, Daniel Kuhrau, Günter Köhler, Frank Damm-Schefski, Michael Ringleb, Niklas Euler, Jürgen Trüschler, Ortsvorsteher Sven Ullmann und Daniel Langer vom Uengströder Kulturausschuss wünschen sich viele Gäste zum Jubiläumsfest.
Bernd Halpape (von links), Pfarrer Armin Scheerschmidt, Dennis Halpape, Hanna Schmuch mit Elli, Uwe Range, Daniel Kuhrau, Günter Köhler, Frank Damm-Schefski, Michael Ringleb, Niklas Euler, Jürgen Trüschler, Ortsvorsteher Sven Ullmann und Daniel Langer vom Uengströder Kulturausschuss wünschen sich viele Gäste zum Jubiläumsfest. © Lothar Röß

Die 700-Jahr-Feier der Uengsteröder geht nach der Rallye zum Auftakt im Mai mit dem Dorffest am Samstag, 9. Juli, in die zweite Runde. Am Dorfgemeinschaftshaus wird ab 14 Uhr mit einem Dorffest gefeiert. Sowohl beim Gottesdienst als auch beim anschließenden Kommers wird die Vergangenheit ein ums andere Mal aufleben.

Uengsterode – Auch wenn die Uengsteröder mit ihrer 700-jährigen Ortsgeschichte zu den jüngeren Gemeinden der Stadt Großalmerode zählen, so kann die etwa 350-Seelen-Gemeinde zumindest mit ihrer Ahnengalerie punkten. Immerhin stammt die Großmutter von Erich Honecker, dem 1994 verstorbenen ehemaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden und Generalsekretär der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), aus dem Ort.

Mag sein, dass das die Uengsteröder angesichts der politischen Karriere Honeckers zum Diktator nicht unbedingt mit Stolz erfüllt, so ist doch unumstritten, dass Elisabeth Schönewolf, seine Großmutter väterlicherseits, 1847 in Uengsterode geboren wurde. Wo genau ist bisher nicht bekannt. Zehn Jahre später zog es die Familie ins Saarland. Elisabeth heiratete dort mit 21 Jahren Andreas Honecker. Deren gemeinsamer Sohn Wilhelm ist der Vater des 1912 in Neunkirchen geborenen Erich.

Urkundlich wird der Ort erstmals im Jahr 1322 erwähnt. Herrmann von Felsberg erhielt seinerzeit das Gericht des Dorfes als Burglehen von Landgraf Otto. Aufzeichnungen aus dem Jahr 1327 belegen laut „lagis“, dem Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen, dass die Uengsteröder ihre Abgaben an Schloss Rusteberg im thüringischen Eichsfeld entrichten müssen. Als Relikte der Vergangenheit sind die um 1500 erbaute Kirche, der Taufstein von 1687 und der ehemalige Gerichtsplatz aus dem Jahr 1747 mit der runden Mauer aus Sandsteinquadern und dem Sühnekreuz erhalten geblieben.

von 1905 mit 42 Schülerinnen und Schülern der Klassen 1 bis 8 vor der Treppe der Gaststätte „Zum Neubau“ mit Lehrer Wiederhold, auf der Treppe der damalige Bürgermeister und Gastwirt August Heinrich Schminke.
Schu ©  Lothar Röß

Angelegt ist der Ort als Haufendorf mit den typisch unregelmäßigen Grundstücksgrundrissen und unterschiedlich großen Höfen. Die erhalten gebliebenen Bauernhäuser sind charakteristisch für den fränkisch-thüringischen Baustil, bei dem sich der Eingang auf der Längsseite des Gebäudes befindet im Gegensatz zum niedersächsischen Stil, wo er sich auf der Giebelseite befindet.

Auf einem Schulfoto von 1905 sind 42 Kinder abgebildet, der Ort zählte seinerzeit 415 Einwohner. Vom Neubau der Schule, die 1910 an der Raiffeisenstraße eingeweiht wurde und den alten niedrigen sowie feuchten Schulsaal in der Lindenstraße ablöste, berichten Dieter Schmuch und Walter Bersch in der Chronik des Männergesangvereins zum 100-jährigen Bestehen in 1989. Mit dem Bau der Gelstertalschule in Hundelshausen war auch das Ende der Uengsteröder Dorfschule besiegelt, ab 1964 legten die Schülerinnen und Schüler ihren etwa sechs Kilometer langen Schulweg mit dem Bus zurück.

Ab 1971 erfolgte für die Schüler ab Klasse 5 schrittweise von Jahr zu Jahr der Wechsel an die neu gebaute Gesamtschule in Großalmerode, für die Grundschüler ist Hundelshausen erhalten geblieben. Die Eingemeindung in die Tonstadt ist auf den 1. Januar 1974 datiert. Das alte Schulgebäude, das vorübergehend eine Lehrerfamilie bewohnte, wurde 1991 mit einem Erweiterungsbau zum Dorfgemeinschaftshaus umfunktioniert. Grundlage des Lebensunterhalts über Jahrhunderte war für viele Familien die Nebenerwerbslandwirtschaft. 1705 hatte der Müller und Brotbäcker Johann Heinemann eine Mühle am Mühlgraben rechts des Laudenbachs, der im Volksmund auch als Weiße Gelster bekannt ist, gebaut, die bis 1954 in Betrieb war.

Mit der Fertigstellung der Wasserleitung in 1908 und dem Anschluss an das Stromnetz im Jahr drauf verbesserten sich die Lebensbedingungen im Ort erheblich. Im Dezember 1915 wurde die Gelstertalbahn zwischen Großalmerode Ost und Witzenhausen eröffnet. Mit 48 Gefallenen im Zweiten Weltkrieg hatte der Ort kreisweit den höchsten prozentualen Anteil an Opfern zu beklagen, deshalb wählte Landrat Wilhelm Brübach seinerzeit die Anhöhe „Ortsliede“ südöstlich der Gemeinde als Standort für das Kreiskriegerdenkmal aus, das 1961 eingeweiht wurde. Trotz der vielen Kriegsopfer erreichte der Ort 1946 mit 531 Einwohnern seinen höchsten Wert, viele Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten hatten – teils auch nur vorübergehend – eine Bleibe gefunden.   zlr

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