Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" im Kreis kaum gefragt

Band Eins einer Ausgabe von „Hitler, Mein Kampf – Eine kritische Edition“: Im Werra-Meißner Kreis scheint das Interesse für die Hetzschirft des Diktators eher gering zu sein. Foto: dpa

Werra-Meißner. Seit heute ist die wohl bekannteste Schrift des Diktators Adolf Hitler teilweise im örtlichen Einzelhandel erhältlich.

Nach 70 Jahren hat ein Historikerteam des Münchner Instituts für Zeitgeschichte „Mein Kampf“ in kommentierter Fassung herausgebracht. In der Region ist das Interesse an der fast 2 000 Seiten fassenden und 59 Euro teuren Ausgabe eher gering.

BUCHHANDLUNGEN

Bei den Buchhandlungen Frühauf in Bad Sooden-Allendorf und Heller in Hessisch Lichtenau ist die kommentierte Neuerscheinung bishern nicht der Renner. „Bis jetzt haben auch wir nur einige Vorbestellungen“, sagt Inhaber Heinrich Hassenpflug von der Buchhandlung Hassenpflug in Witzenhausen. „Einige Lehrer interessieren sich für das Buch.“

Hassenpflug findet es gut, dass man nun eine kommentierte Ausgabe kaufen kann. „Das dient der Entzauberung. Dann werden die Leute sehen, was da für ein Schwachsinn drin steht.“ Hitlers Hetzschrift wird bei ihm aber nicht im Regal oder Schaufenster stehen. „Wir bestellen es auf Wunsch. Ich möchte aber keine Werbung dafür machen.“ Der Inhaber der Buchhandlung Heinemann, Uwe Heinemann, erklärt auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir hatten ungefähr 15 Vorbestellungen. Das ist im Vergleich nicht viel.“

Heinemann, der „Mein Kampf“ selbst nicht lesen will, beschreibt die Menschen hinter den Vorbestellungen als „historisch interessiert“. Eine bestimmte Klientel habe er nicht feststellen können. „Mein Kampf“ wird in keiner Auslage der Eschweger Buchhandlung ausgestellt werden.

STADTBIBLIOTHEKEN

In der Stadtbücherei in Witzenhausen wird man sich das Buch vorläufig nicht ausleihen können. „Bis jetzt hat noch niemand danach gefragt und so lange das Interesse nicht da ist, werden wir es auch nicht anschaffen“, sagt Tobias Salzmann, Leiter der Bibliothek. In der Eschweger Stadtbibliothek wird hingegen zukünftig ein Exemplar von „Mein Kampf“ zum Verleih angeboten. Die über den örtlichen Buchhandel bestellte Ausgabe wurde noch nicht geliefert.

SCHULEN

An der Freiherr-vom-Stein-Schule (FvSS) in Hessisch Lichtenau und der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf wird die Neuerscheinung vorerst nicht im Unterricht behandelt. „Bisher war das noch kein Thema“, sagt der Schulleiter der FvSS, Burkhard Wieders.

Man wolle dies bei den nächsten Fachkonferenzen besprechen. Im Unterricht am Eschweger Friedrich-Wilhelm Gymnasium wird das neue Buch ebenfalls voraussichtlich keine Rolle spielen - das Thema Nationalsozialismus und die Ideologie der Nazis soll behandelt werden, wie bisher.

Jörg Heinz, Fachkonferenzleiter Geschichte: „Als Grundlage für Hitlers Weltbild dient ‚Mein Kampf’ selbstverständlich als Anschauungsmaterial. Wir arbeiten aber mit Ausschnitten aus der Originalschrift.“

Hintergrund: "Mein Kampf" wurde umfassend aufgearbeitet

„Mein Kampf“ entstand in den Jahren 1924 bis 1926 in zwei Bänden. Während Band 1 sich mit Hitlers Biografie und der Frühgeschichte der NSDAP beschäftigt, befasst sich die Fortsetzung mit der Programmatik der Nationalsozialisten. Bis 1945 wurde Hitlers Werk über 12 Millionen Mal verkauft. Die Münchner Historiker um Dr. Chris-tian Hartmann haben „Mein Kampf“ in mehrjähriger Arbeit umfassend aufbereitet. Sie befassen sich damit, wie die Thesen des Diktators entstanden, welche Absichten er damit verfolgte oder welchen Rückhalt diese Behauptungen in der Gesellschaft seiner Zeit hatten. Angesichts des hohen Symbolwerts, den Hitlers Buch noch immer habe, sei die Entmystifizierung von „Mein Kampf“ ein Beitrag zur politischen Aufklärung.

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