Experten zweifeln an Nutzen für Tierwohl

Höhere Steuer auf Fleisch: Vorschlag erntet Kritik im Werra-Meißner-Kreis 

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Politiker von SPD und Grünen fordern eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch.

Politiker von SPD und Grünen fordern eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch. Das stößt im Werra-Meißner-Kreis auf viel Kritik.

Durch die Mehreinnahmen aus der Mehrwertsteuer soll das Tierwohl verbessert werden, so die Forderung von SPD und Grünen. Doch der Vorschlag stößt auf Kritik. „Ich halte das für Blödsinn“, sagt Markus Dreßler, Obermeister der Fleischer-Innung Werra-Meißner. 

Für eine Verbesserung müsse mehr Geld für die Landwirte und Erzeuger übrig bleiben. „Das Produkt wird nicht besser, nur weil der Staat mehr Geld einnimmt.“ Dreßler befürchtet, dass Kunden bei einem Preisanstieg weniger beim Fleischer kaufen, denn der Preisunterschied zum Handel dürfe nicht zu hoch sein. Das wäre auch schlecht für Betriebe im Werra-Meißner-Kreis.

Durch eine höhere Mehrwertsteuer würden die bestraft, die bereits ökologisch und tierwohlgerechter produzieren, sagt auch Ulrich Hamm, Professor für Agrar- und Lebensmittelmarketing der Universität Kassel am Standort Witzenhausen. Die höhere Steuer würde bei teurem Fleisch viel stärker durchschlagen als bei Billigware. Der Druck auf die Erzeuger würde durch die Steuer eher erhöht als gesenkt, fürchtet Wiebke Knell, landwirtschaftspolitische Sprecherin der FDP im Hessischen Landtag. Kritik kommt auch aus den eigenen Reihen: „Ich bezweifle, dass das der richtige Weg ist“, sagt Hans-Jürgen Müller, Grünen-Landtagsabgeordneter und ehemaliger Landwirt aus Witzenhausen.

Einen positiveren Blick hat Ute Knierim, Professorin für Nutztier- ethologie und Tierwohl an der Uni in Witzenhausen. Einen perfekten Vorschlag gebe es nicht. Die Mehrkosten für erhöhte Standards müssten kompensiert werden. Eine höhere Mehrwertsteuer biete auch eine gewisse Steuerungswirkung hinsichtlich der Nachfrage nach tierischen Produkten. Denn um die Tierhaltung zu verbessern, sieht Knierim nur eine Möglichkeit: „Weniger tierische Produkte mit besserer Qualität konsumieren.“ 

Erhöhung von sieben auf 19 Prozent

Statt wie bisher mit sieben Prozent soll Fleisch künftig mit 19 Prozent besteuert werden, das sieht ein Vorschlag von SPD- und Grünen-Politikern vor. In Deutschland liegt der allgemeine Steuersatz der Mehrwertsteuer bei 19 Prozent. Der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent gilt für viele Produkte, die der Grundversorgung dienen: hauptsächlich für Lebensmittel. Zweckgebundene Steuern dürfen in Deutschland nicht erhoben werden.

Welche Maßnahmen wirklich sinnvoll wären, um das Tierwohl zu verbessern, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeinen.

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Kommentare

BolleAntwort
(0)(0)

Falsch, dann würde das Öl einfach teurer werden.

BolleAntwort
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Bin mir jetzt nicht sicher, ob es relevant ist, was Sie finden.

brummiAntwort
(0)(0)

okay. danke für die differenzierte darstellung!

Kommentare

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