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Ganze Polter aufgearbeitetes Holz verschwinden aus Wäldern

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Von: Stefanie Salzmann

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Brennholz aus dem Wald nehmen ist Diebstahl.
Darf man Holz einfach einsammeln und mitnehmen? © Stefan Sauer / dpa

Werra-Meißner – Dürre, Krieg und die daraus folgende Energiekrise haben die kriminellen Begehrlichkeiten auf Holz geweckt. Und das – wie Polizei, Forstämter und Sägewerkbetreiber einhellig bestätigen – weniger im kleinen als vielmehr im großen Stil.

„Der subjektive Eindruck ist, dass nicht mit Pkw und Hänger, sondern mit professionellen Holz-Lkw gestohlen wird“, sagt der Leiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau Matthias Dumm. „Da fehlt Holz an den Waldwegen, das nur Profis mitnehmen können.“ Denn um beispielsweise Langholzstämme abzutransportieren, braucht es die entsprechende Technik zum Aufladen und Fahrzeuge zum Abtransport wie einen 40-Tonnen-Laster.

Auch Thomas Rysavy, Leiter des Forstamtes Wehretal bestätigt, dass der Diebstahl von Holz „gefühlt“ zugenommen habe. „Doch ein Teil der vermeintlichen Diebstähle stellen sich als Versehen heraus“, sagt er. Die Holzfuhrunternehmen würden immer wieder nicht beauftragte Polter aufladen und abtransportieren – so wie jüngst in einem Wald bei Waldkappel-Friemen, wo mehr als 200 Festmeter Industrieholz verschwunden waren. „Aber mein eigenes Brennholz würde ich im Moment auch nicht im Wald liegenlassen“, sagt Rysavy. Denn auch festmeterweise wird Holz mit dem Anhänger im Wald gestohlen. „Das nimmt bei steigenden Holzpreisen zu“, sagt er. Deshalb würden die Forstbeamten Fahrzeuge im Wald auch auf Abfuhrscheine kontrollieren. „Wir bringen jeden Diebstahl zu Anzeige“, so der Forstamtsleiter.

„Es ist aktuell viel los im Busch.“

Dass Holz professionell gestohlen wird, bestätigt auch der Waldkappeler Holzhändler Christoph Hahn. „Die Fuhrunternehmen aus Polen und Lettland verladen praktisch Tag und Nacht – es ist aktuell viel los im Busch.“ Er sichert sein Holz inzwischen auch mit GPS-Trackern, um Diebstähle zu vermeiden – ähnlich wie die Forstämter – die laut Matthias Dumm hier jetzt deutlich aufrüsten wollen. Aktuell hat jedes Forstamt nur drei der Sender.

Die Forstämter, die nicht nur Staatsforst, sondern auch Wald im Auftrag von Privatbesitzern bewirtschaften, versuchen das eingeschlagene Holz, das am Weg abgelagert wird, so schnell wie möglich an den Käufer in sogenannten „Vorzeigungen“ zu übergeben. Ab dann ist der Käufer für die Sicherung des Holzes zuständig. So hält es auch das Wanfrieder Sägewerk Ruhland. „Wir versuchen nach dem Bezahlen, das Holz sofort aus dem Wald zu holen“, so Lars Ruhland.

Täter können kaum ermittelt werden

Laut der Polizeistatistik des Werra-Meißner-Kreises wurden 2020 fünf Fälle, 2021 elf und in diesem Jahr bisher 17 Fälle von Diebstahl von Rückeholz aus dem Wald zur Anzeige gebracht. „Es ist tatsächlich eine Steigerung der Diebstähle festzustellen“, so Polizeisprecher Andreas Först. Es sei schwierig die Täter zu ermitteln, wenn sie nicht auf frischer Tat erwischt werden. Alle Polter mit GPS-Trackern auszustatten, hält auch er für nicht praktikabel.

Von Stefanie Salzmann

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