1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen

Horst Volkmar ist seit 14 Jahren Meinhards Schiedsmann

Erstellt:

Von: Stefanie Salzmann

Kommentare

Mit ihm zu streiten, ist fast nicht möglich: Der Ur-Grebendorfer Horst Volkmar (79) ist Meinhards Schiedsmann und kümmert sich als solcher um Zank und Streit in der Gemeinde.
Mit ihm zu streiten, ist fast nicht möglich: Der Ur-Grebendorfer Horst Volkmar (79) ist Meinhards Schiedsmann und kümmert sich als solcher um Zank und Streit in der Gemeinde. © Stefanie Salzmann

Laut zu werden, liegt ihm fern und eigentlich auch Streit. „Sich mit mir zu streiten, ist eigentlich fast unmöglich“, sagt Horst Volkmar, der sich seit 14 Jahren vor allem mit den Streitigkeiten in den Meinharder Ortsteilen beschäftigt hat – und zwar als Schiedsmann der Gemeinde.

Grebendorf – Im November geht seine Amtszeit zu Ende, im kommenden Jahr wird Horst Volkmar 80 und will das Amt nun niederlegen. Ruhig, verbindlich und freundlich, aber auch klar ist Meinhards Schiedsmann, der während seiner Amtszeit rund 30 Schiedsfälle in der Gemeinde lösen konnte, einige sind auch gescheitert, aber dann „wenn die Beteiligten eigentlich gar keine Lösung wollten“, sagt er.

Hinzu kommen noch so um die zehn sogenannte „Tür- und Angel-Fälle“ pro Jahr, wo es zur Befriedung von Konflikten genügt hat, wenn Volkmar das Gespräch gesucht hat und sich dann die Kontrahenten – in aller Regel sind es Nachbarn – wieder beruhigen konnten. „So ist mir das eigentlich am liebsten“, sagt er.

Befragt nach dem Hauptgrund der Streitigkeiten, bei denen eine Partei sich an den Schiedsmann wendet, nennt er „Überwuchs“. Die Äste eines Baumes hängen über das Nachbargrundstück, Früchte fallen zu Boden, Wurzeln heben das Pflaster und der Baumbesitzer sorgt nicht für Ordnung.

Das seien die Sorte Fälle, die sich meist gut lösen ließen, weiß Volkmar aus Erfahrung. Aber auch in den frühen Morgenstunden kreischende Papageien, Hahnschreie und Hundebellen geben immer wieder Anlass zu Konflikten, die, je mehr sie sich hochschaukeln, für die Streitenden aus eigener Kraft nicht mehr zu lösen sind. Häufig seien es Nachbarn, die jahrelang zusammen gefeiert, sich gut verstanden haben, und dann gibt es einen Vorfall und die Lage eskaliert, beschreibt er die typische Dynamik von Nachbarschaftsstreitigkeiten.

„Ich suche dann die Streitparteien auf und höre mir ihre Version an“, sagt er. Zuerst die einen, dann die anderen und schreibe ihnen die Vorwürfe, Beschuldigungen und Beschwerden, die ihre Nachbarn gegen sie vortragen.“

Wenn es dann ums Schiedsgericht geht, würden viele vorsichtig werden und ihre Klage zurückziehen. Tun sie es nicht, findet sich keine Einigung, tagt dann das Schiedsgericht im Bürgermeisteramt, nicht selten im Beisein von Rechtsanwälten.

„Ich versuche zu vermitteln und unterbreite ihnen Lösungsvorschläge“, beschreibt er den Ablauf. „Keiner solle als Verlierer rausgehen.“ Oft würden die Menschen dann des lieben Friedens willen einlenken, wenn auch „nicht selten zähneknirschend“. Die Einigung wird als Beschluss protokolliert und die Streitparteien sind volle 30 Jahre an diese Einigung gebunden.

Aber es gibt auch andere Fälle, sagt Volkmar. „Da bekommen sich die Parteien in der Verhandlung richtig in die Wolle und eine Einigung ist nicht möglich.“ Dann stellt Volkmar eine sogenannte „Erfolglosigkeitsbescheinigung“ aus. Denn erst mit dieser können die Parteien dann vor Gericht ziehen. „Der Grundgedanke der Schiedsgerichte ist ja, die Gerichte zu entlasten.“

Seine ruhige Art lebt Horst Volkmar auch privat. Das sei, so Volkmar, sonst nur eine „klugscheißerische Art“, Streit anderer Menschen schlichten zu wollen.

Auch interessant

Kommentare