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Hospiztag: So arbeitet der ambulante Hospizdienst in Hessisch Lichtenau

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Von: Konstantin Mennecke

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Den letzten Abschnitt eines Lebens sollen Menschen nicht alleine gehen müssen – das gilt auch für die Angehörigen. Der Ambulante Hospizdienst hilft mit viel Feingefühl und reicht in ganz unterschiedlichen Formen die Hand.
Den letzten Abschnitt eines Lebens sollen Menschen nicht alleine gehen müssen – das gilt auch für die Angehörigen. Der Ambulante Hospizdienst hilft mit viel Feingefühl und reicht in ganz unterschiedlichen Formen die Hand. © Peter Förster/dpa

Der Deutsche Hospiztag wird am morgigen Freitag, 14. Oktober, begangen. Wir geben einen Einblick in die Arbeit des Ambulanten Hospizdienstes in Hessisch Lichtenau.

Hessisch Lichtenau – Es sind Menschen, die ein ganz besonderes Maß an Empathie besitzen: Der ambulante Hospizdienst in Hessisch Lichtenau engagiert sich in besonderer Art und Weise für Menschen – für Sterbende als auch für Angehörige. Der Ambulante Hospizdienst als Teil von Lichtenau e.V. besteht dabei aus viel ehrenamtlichem Engagement. Zum Deutschen Hospiztag am 14. Oktober stellen wir die Arbeit der Einrichtungen in ihren Bausteinen vor.

Das ist Sterbebegleitung

Die grundlegende Arbeit als Sterbebegleiter, auch Wegbegleiter genannt, beginnt nicht erst, wenn der Mensch im Sterben liegt. „Unsere Arbeit beginnt bei einer lebensverkürzenden Diagnose wie Krebs oder Demenz dritten Grades“, erklärt Jacqueline Benz, Leiterin des Ambulanten Hospizdienstes. Die Begleitung durch eine Ehrenamtliche beginnt mit einem Ersttermin. Dabei wird erörtert, was die Betroffenen brauchen, wie lange die Begleitung gewünscht ist und auch, ob der „durch viel Erfahrung und ein gutes Bauchgefühl ausgewählte Begleiter“ zum Menschen und seinen Angehörigen passt.

Beratung gibt es von Benz als Palliativ-Care-Fachkraft zudem zu Pflege- und Hilfsmitteln, darunter etwa Pflegebetten, Urinflaschen und mehr in ihrer Sprechstunde oder nach Vereinbarung auch im Heim oder zuhause.

Für die Angehörigen soll die Begleitung einen Freiraum ermöglichen, beispielsweise zum Einkaufen, zum Treffen mit Freunden oder für die Arbeit im Garten. „Angehörige müssen auch einfach mal Luft holen können“, sagt Benz. Den Betroffenen können die Begleiter eine würdevolle und schöne Wegbegleitung ermöglichen. Mit Dementen kann man alte Lieder singen, mit anderen spazieren gehen. Manchmal reiche es auch, einfach die Hand anzubieten. Die Sterbebegleitung dauert oft Wochen oder Monate, bei Dementen kann der Weg auch noch länger sein. Gesetztes Ziel ist es, dort, wo man zuhause ist, leben und zugleich sterben zu dürfen. Das Ganze in Würde und ohne Schmerzen. Der Tod inklusive der Trauerfeier soll so erfolgen, wie es sich der Mensch gewünscht hat. Die Qualifikation zur Sterbebegleitung dauert ein Jahr, aufgeteilt in Grundkurs und Hauptkurs. Im Grundkurs geht es zudem in ein Praktikum im Hospizdienst. Viermal im Jahr haben die Begleiter Termine zur Supervision.

So funktioniert Trauerbegleitung

Die Trauerbegleitung ist nicht der Weg hinaus aus dem Leben wie bei der Sterbebegleitung, sondern für trauernde Angehörige vielmehr der Weg zurück ins eigene Leben. Die Trauerbegleiter inklusive einer Seelsorgerin vereinbaren individuelle Termine und Treffpunkte. Laut Jacqueline Benz dürfen die Trauernden mit den Begleitern über ihre Sorgen und Gefühle sprechen. „Das wird schon wieder“, „ist doch nicht so schlimm“ oder „reiß dich mal zusammen“ sind keine Sätze, die man in dieser Arbeit hören wird. „Es ist für Betroffene innerhalb des Trauerprozesses oft einfacher, mit den Trauerbegleitern über ihre Gefühle und Sorgen zu sprechen, als mit einem guten Freund, dem man alles schon teils mehrfach erzählt hat“, so Benz.

Der Prozess der Trauerbegleitung geht meist über ein halbes, manchmal auch zwei Jahre. Das 39-köpfige Team des Ambulanten Hospizdienstes, darunter eine hauptamtliche Koordinatorin, umfasst neun ehrenamtliche Trauerbegleiter. Die Begleitung besteht aus Gesprächen, Spaziergängen und Unternehmungen.

Mit viel Wissen im Gepäck und einem starken Team im Rücken: Jacqueline Benz koordiniert den Ambulanten Hospizdienst in Hessisch Lichtenau.
Mit viel Wissen im Gepäck und einem starken Team im Rücken: Jacqueline Benz koordiniert den Ambulanten Hospizdienst in Hessisch Lichtenau. © Konstantin Mennecke

Helfen kann auch das Begegnungscafé, das Menschen zusammenbringt, die einen Verlust beispielsweise von einem Partner oder Kind erlitten haben. „Die Betroffenen sollen mal rauskommen und mit Menschen in Kontakt treten, die es verstehen, wenn auch mal eine Träne fließt“, so Jacqueline Benz. Dabei gibt es Waffeln, Kaffee und auch Kuchen nach Anmeldung. Zudem gibt es ein Jahresprogramm mit Feiern, Ausflügen, Tai Chi und mehr.

Tod darf kein Tabuthema sein

Eine grundlegende Liebe zu Mitmenschen ist es laut Jaqueline Benz, was die Hospizdienst-Mitarbeiter haben müssen. Die Arbeit, egal ob als Sterbe- oder Trauerbegleiter sei fordernd, zugleich aber auch erfüllend. „Wir haben engagierte Ehrenamtliche, die im Nachhinein sagen: Das war ein schöner Tod. Es war alles so, wie es sich der Mensch gewünscht hat“, sagt Benz.

Die Begleiter müssen für ihre Arbeit selbst gefestigt im Leben stehen. Man dürfe nicht etwa depressiv sein. „Dann kann man aus der Arbeit aber viel mitnehmen und selbst die Angst vor dem Tod verlieren.“ Manchmal nehme man aus einer Begleitung auch mehr mit, als man in der Situation geben kann. Und manches Mal kullern auf beiden Seiten die Tränen.

Grundsätzlich sei es wichtig, das Thema auch bei jungen Menschen präsent zu machen. Das passiere unter anderem mit der Aktion „Hospiz macht Schule“. Dann kommen auch ein Arzt und ein Bestatter in die Klasse und klären auf. „Kinder haben viele Fragen, auf die sie kindgerechte Antworten bekommen sollen“, sagt Benz. „Warum muss ein Mensch sterben“ ist unter anderem eine davon. „Viele Kinder werden von der Beerdigung, beispielsweise von der geliebten Oma weggehalten. Für sie ist es aber genauso wichtig, trauern zu können oder die Oma ein letztes Mal antippen zu können.“ Dieses nicht richtig trauern können schleppe man sonst mit bis ins Erwachsenenalter – wenn dann beispielsweise die eigenen Eltern sterben. Der Tod dürfe deshalb kein Tabuthema sein.

Was die Begleiter auch haben, sind immer wieder freundschaftliche Bindungen zu den begleiteten Familien und Angehörigen – sie halten über den Tod hinaus.

Von Konstantin Mennecke

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