25 Jahre Hospizgruppe Eschwege

Hubertus Meyer-Burckhardt und Rita Russek diskutieren mit anderen über Trauer

Die Gäste (von links) Stefan Weiller, Rita Russek und Annelie Keil teilten bei Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt Erfahrungen aus ihrem Leben mit dem Publikum, sorgten mit ihrer lockeren Art für eine angenehme Atmosphäre – und zwischendurch auch für einige Lacher.
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Die Gäste (von links) Stefan Weiller, Rita Russek und Annelie Keil teilten bei Moderator Erfahrungen aus ihrem Leben mit dem Publikum, sorgten mit ihrer lockeren Art für eine angenehme Atmosphäre – und zwischendurch auch für einige Lacher.

Die Hospizgruppe Eschwege hatte zum 25-jährigen Jubiläum zu einer Diskusion mit Fernsehmoderator Hubertus Meyer-Burckhardt sowie Rita Russek, Stefan Weiller und Annelie Keil eingeladen.

Eschwege – „In dieser Sicherheit zu wissen, wie ich sterbe, liegt etwas Tröstendes“, sagte Schauspielerin Rita Russek am Mittwochabend in der Eschweger Stadthalle. Sie bezog sich damit auf das Erlebnis eines Freundes, als sie bei einer offenen Gesprächsrunde der Eschweger Hospizgruppe zu Gast war.

Die Hospizgruppe hatte anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums zu der Veranstaltung eingeladen, bei der der Journalist und Fernsehmoderator Hubertus Meyer-Burckhardt mit seinen prominenten Gästen Rita Russek, dem Autoren Stefan Weiller und der Soziologin Annelie Keil über die Themen „Verlust, Abschied, Trauer“ sprach. Zirka 140 Menschen waren in der Stadthalle, als Moderator Meyer-Burckhardt darauf einging, dass Abschied viele Gesichter habe.

„Das Leben muss nicht halten, was ich mir von ihm versprochen habe“, zitierte der Moderator die 1939 geborene Annelie Keil. Er stellte sie als eine Frau vor, die bereits früh Furchtbares erlebt habe und dennoch einer der fröhlichsten Menschen sei, die er kenne. Auf Abschiede in verschiedenen Lebensabschnitten ging sie ein, sprach das Publikum an: „Sie alle haben den größten Abschied bei Ihrer Geburt erlebt.“

Über die Erfahrungen in seiner Hospizarbeit und die große Rolle von Musik darin sprach der Autor Stefan Weiller. Er lobte die Hospizarbeit auch dahingehend, dass das Sich-Informieren gegen die Angst helfe. „Ich habe weniger Angst“, sagte er mit Blick darauf, dass er in seiner Arbeit viel über den Tod erfahren habe. Er betonte, wie wichtig es sei, über das Thema zu reden. „Dazu gehört auch der Umgang mit dem assistierten Suizid.“

Die Gäste teilten Erfahrungen aus ihrem Leben und ihrer Arbeit mit dem Publikum, sorgten mit ihrer lockeren Art und einer sehr guten Dynamik untereinander für eine angenehme Atmosphäre – und zwischendurch auch für einige Lacher bei einem eigentlich ernsten Thema. Gleichzeitig stießen sie oft auf starke Zustimmung. So fragte Russek bei der Diskussion darüber, wie Menschen das eigene Sterben gestalten und ob sie beispielsweise ein letztes Lied oder Gericht aussuchen dürfen: „Wo ist die Erlaubnis, lustvoll bis zum Ende sein zu dürfen?“ Keil riet dazu, solche Wünsche für den Sterbeprozess in der Patientenverfügung festzuhalten, denn in dieser Situation bedauerten Menschen oft, etwas nicht getan zu haben. „Es gibt immer nur die biographische Zeit“, erklärte sie.

Der Moderator sprach mit Russek darüber, wie Zeit im Theater empfunden wird und welche Rolle es für den Freund von ihr spielte, zu wissen, wo er nach seinem Tod begraben sein würde. Keil nannte dazu ein Beispiel aus der Arbeit mit obdachlosen Menschen. Sie ging auf die Vorstellungen dessen ein, was nach dem Tod passiere – mit Blick auf Erfahrungen aus Kinderhospizen. Auf die Frage, wie der Tod ihres Mannes ihr Verhältnis zum Leben verändert habe, erinnert sich Russek „Ich habe mit ihm ausgeatmet.“ Sie erzählte auch, wie der Tod bei ihrem Aufwachsen auf dem Land bereits früh dazu gehörte.

Im Schlusswort an das Publikum sagte Annelie Keil: „Eine der wichtigsten Übungen im Leben ist, Anfänger zu bleiben.“ Anita Menda, Lena Sickmann und Andreas Höch aus dem Vorstand der Hospizgruppe dankten den Gästen für ihre Beiträge. (Eden Sophie Rimbach)

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