Neues Leben statt Bauruine

Hundelshäuser kämpfen  für Nahversorgungszentrum in alter Zigarrenfabrik 

+
Soll Versorgungszentrum werden: Für das Gebäude der alten Zigarrenfabrik in Hundelshausen soll eine Machbarkeitsstudie beauftragt werden, die mögliche Dienstleistungen, Investitionen und Zuschüsse auslotet.

Seit Jahrzehnten steht die ehemalige Zigarrenfabrik an der Durchgangsstraße in Hundelshausen leer. Jetzt könnte dort ein Nahversorgungszentrum entstehen - wenn schnell Förderanträge gestellt werden.

„Wenn wir nicht sagen, dass wir es unbedingt wollen, dann stirbt das Ding.“ Mit dem Ding meinte Hundelshausens Ortsvorsteherin Karin Meissner-Erdt das geplante Nahversorgungszentrum (NVZ), das im Ortskern in der früheren Zigarrenfabrik an der Kasseler Straße entstehen soll. Und dass sie geschlossen hinter dem Projekt stehen, machten Ortsbeirat und die Vorstände sämtlicher örtlichen Vereine unmissverständlich klar in einer gemeinsamen Sitzung am Montagabend im Bürgerhaus.

Scheitere das Projekt, wäre das in den Augen der Ortsvorsteherin „eine Tragödie“ für den größten Stadtteil von Witzenhausen. Die Infrastruktur würde stark geschwächt, und im Zentrum des Dorfes verbliebe eine Bauruine.

Ein Blick aufs Nutzungskonzept: Dr. Michael Glatthaar vom Stadtplanungsbüro Proloco und Hundelshausens Ortsvorsteherin Karin Meissner-Erdt.

Damit es so weit nicht kommt, forciert der Ortsbeirat jetzt das Vorhaben. Das muss er auch, weil er ein Förderprogramm des Bundes in Anspruch nehmen möchte, auf das zuvor Dr. Michael Glatthaar (Göttingen) vom Stadtplanungsbüro „Proloco“ aufmerksam gemacht hatte, das mit der Entwicklung eines Nutzungskonzeptes beauftragt worden war.

Die Stadt, erläuterte Glatthaar, müsste sich bewerben, um von diesem Förderprogramm mit dem Titel „LandVersorgt“ profitieren zu können. Im Erfolgsfall trüge der Bund 80 Prozent der Investitionskosten, die für den nötigen Um- und Ausbau des Gebäudes auf zwei bis 2,5 Millionen Euro geschätzt werden und von einem Architektenbüro exakt beziffert werden sollen.

Der Haken: Die Bewerbungsfrist läuft schon Ende März aus, und die nächste Stadtverordnetensitzung ist erst für April geplant. Eine außerordentliche Sitzung sei aber vorher möglich, befand Silvia Hable als Vertreterin des Magistrats.

Entstanden war die Idee eines Nahversorgungszentrums, nachdem die Familie Otto angekündigt hatte, aus wirtschaftlichen Gründen ihren Dorfladen schließen zu müssen, inzwischen aber nach Angaben der Ortsvorsteherin signalisiert hat, bleiben zu wollen, falls sie es bis zur Realisierung des NVZ durchhalten könne.

Dass ein solches Zentrum dringend notwendig sei, unterstrich auch Detlef Büchner als Vorstand des Kulturvereins Gelstertal. Niemand wisse, wie Hundelshausen in zehn Jahren aussehen werde, und es sei fraglich, ob es dann noch eine Bäckerei, einen Blumenladen oder eine Metzgerei geben werde.

Nach dem Konzept von Proloco sollen im Erdgeschoss der früheren Zigarrenfabrik ein Dorfladen, im ersten Obergeschoss eine Tagespflegeeinrichtung und im zweiten Obergeschoss barrierefreie Wohnungen entstehen. Verschiedene Handelsketten mit Produktpreisen wie in der Stadt seien für den Dorfladen im Gespräch. Interesse an dem Projekt hätten auch Sozialträger angemeldet.

Im Raum stehen Ideen für ein Café, einen Geldautomaten, einen Treffpunkt für Jung und Alt, ein Beratungsbüro etwa für Krankenkassen und VdK, einen Lieferservice und nicht zuletzt die Gründung eines eigenen Fördervereins. Als Einzugsgebiet für das Nahversorgungszentrum werden auch die Nachbardörfer wie Trubenhausen, Weißenbach, Dohrenbach und Roßbach genannt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.