„Ich war gewalttätig“

Prozessauftakt: 29-Jähriger aus dem Kreis schoss mit Gaspistole

Justizia hält eine Waage
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Justizia hält eine Waage (Symbolbild)

Am Freitag kam es zum Prozessauftakt gegeneinen Mann, der mehrere Personen mit einer Gaspistole bedroht hatte.

Werra-Meißner/Kassel – Er hatte kein Geld, lebte zeitweise auf der Straße, konsumierte Betäubungsmittel, fühlte sich auch in einer psychiatrischen Klinik bedroht und verfolgt: Deshalb griff ein heute 29-jähriger Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis nach eigener Aussage im vergangenen Jahr gleich zwei Mal zu einer Waffe und bedrohte damit mehrere Personen.

Weil er laut Anklage zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig war, sitzt er vorläufig in der forensischen Psychiatrie in Haina, Außenstelle Gießen. Vor der 10. Großen Strafkammer des Kasseler Landgerichts begann am Freitag das Sicherungsverfahren, in dem geklärt werden soll, ob der Angeklagte wegen Gefährdung der Allgemeinheit auf Dauer in einer geschlossenen Psychiatrie bleiben muss.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann vor, im Oktober 2019 zunächst auf dem Bahnhof in Bad Hersfeld einen ihm unbekannten Mann somalischer Herkunft mit einer Gaspistole bedroht und einen Schuss auf ihn abgegeben zu haben. Verletzt wurde dabei niemand. Zwei Monate später, als er in einer psychiatrischen Einrichtung in Eschwege behandelt wurde, fühlte er sich laut Anklage verfolgt von zwei Mitpatienten und schoss auf sie und einen Pfleger mit Pfeffergas aus einer Gaspistole. Dabei verletzte er die Opfer leicht.

Vor Gericht gab der Beschuldigte seine Taten zu. „Es war falsch, was ich getan habe“, sagte er, es tue ihm leid. Auf intensive Befragung durch den Vorsitzenden Richter Robert Winter schilderte er, was passiert war. Er habe gesehen, dass der junge Mann auf dem Bahnhof in Bad Hersfeld Geld gezählt habe. Warum er geschossen habe? „Ich wollte das Geld haben.“ Als der weglief, habe er ihn nicht verfolgt. Polizisten seien da auch schon die Treppe zum Bahnsteig herauf gekommen.

Die Waffe habe er in einem Laden gekauft, auch wenn er keinen dafür notwendigen Kleinen Waffenschein besitze. Auch ein Springmesser wurde damals bei ihm gefunden. Warum überhaupt eine Waffe, fragte der Richter. „Ich war in der Vergangenheit ein sehr gewalttätiger Mensch“ sagte der 29-Jährige. Er habe gewalttätigen Hip-Hop gehört, seinen Hass ausgelebt. Waffen seien ein Faible von ihm gewesen. Heute würde er so eine Tat nicht wieder begehen.

Das Verfahren wird fortgesetzt, es sollen weitere Zeugen und Sachverständige gehört werden. Neben der Staatsanwaltschaft gibt es Nebenkläger. (Ulrike Lange-Michael)

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