„Es geht wieder bergauf“

IHK und WFG erwarten konjunkturelle Erholung im Landkreis Werra-Meißner

Der Anschluss ist Grundlage für eine Digitalisierung des Unterrichts und bietet neue Möglichkeiten der Lehre und Kommunikation.
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Der Anschluss ist Grundlage für eine Digitalisierung des Unterrichts und bietet neue Möglichkeiten der Lehre und Kommunikation.

Wirtschaftlich wird es im Werra-Meißner-Kreis 2021 „deutlich bergauf“ gehen. Darauf legen sich Experten von Industrie- und Handelskammer (IHK) und Wirtschaftsförderung (WFG), Dr. Michael Ludwig und Dr. Lars Kleeberg, in ihrer Prognose fest.

Werra-Meißner - Es gebe einen großen Nachholbedarf, gerade was Gastronomie und Reisebranche betreffe. Insgesamt werde der ländlich geprägte Werra-Meißner-Kreis als Gewinner der Krise hervorgehen, sagen Kleeberg und Ludwig. Voraussetzung sei aber eine Reduzierung der Infektionszahlen.

Gleichzeitig erwarten sie aber auch einige verzögerte Insolvenzen von Firmen, die das Pandemiejahr 2020 nicht überstanden haben. Aktuell ist die Insolvenzantragspflicht noch aufgeschoben. Pleiten aus der Pandemie werden zurzeit aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. „Ein Insolvenzverfahren kann aber helfen, einen angeschlagenen Betrieb zu sanieren und neu aufzustellen“, sagt Kleeberg. Insgesamt sei der Wirtschaftsraum Werra-Meißner „glimpflich“ durch die Krise gekommen, sagt Ludwig. Es habe zwar in der Reise- und Gastrobranche Geschäftsaufgaben gegeben, dennoch konnten durch Hilfsprogramme und Kurzarbeitergeld bisher größere Verwerfungen verhindert werden. Sorgenkind blieben die Automobilzulieferer der Region.

Durch Kontaktreduktion und Reisebeschränkungen wurde anders investiert. Das eingesparte Geld wurde oftmals in die Verschönerung des Eigenheims investiert. „Handwerk, Bau- und Heimwerkermärkte sowie Einrichtungshäuser haben von dieser Situation profitiert“, sagt Ludwig. Ebenso Händler, die auf das Onlinegeschäft vorbereitet waren.

Der Trend zur Rückkehr aufs Land werde sich verstärken, sagt Ludwig. Die Krise begünstige veränderte Arbeitsformen und Homeoffice, die auch im Werra-Meißner-Kreis möglich sind. Deshalb werde 2021 weiter in den digitalen Ausbau investiert. Der Kreis werde digitaler, innovativer und familiärer, sagt Kleeberg. „Wir haben das Zeug dazu, in Zukunft gegenüber Ballungsräumen und Metropolen zu punkten.“

„Hier kann man sich mehr leisten“ - Interview mit WFG-Chef über die Chancen der Pandemie für den Kreis

Der Werra-Meißner-Kreis könnte als Gewinner der Krise hervorgehen. Der Kreis werde digitaler, innovativer und familiärer, sagt Dr. Lars Kleeberg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner. „Wir haben das Zeug dazu, in Zukunft gegenüber Ballungsräumen und Metropolen zu punkten“, sagt Kleeberg. Im Interview mit unserer Zeitung begründet er seinen Optimismus.

Herr Dr. Kleeberg, warum wird der Wirtschaftsraum im Werra-Meißner-Kreis von der Pandemie profitieren?

Der Werra-Meißner-Kreis wird ein attraktiver Wohn- und Arbeitsraum zugleich. Ich erwarte einen moderaten Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Der ländliche Raum hat an Wert zugelegt gegenüber dem Ballungsraum. Im Werra-Meißner-Kreis sind kaum noch Bauplätze vorhanden. Wir erleben Zuzug. Jetzt müssen wir auch als attraktiver Arbeitsraum punkten.

Noch haben Städte einen großen Zulauf. Wie ist es möglich, dass auch der ländliche Raum punktet?

Mit der Pandemie hat eine Verschiebung der Machtverhältnisse begonnen. Die Region wird zunehmend für Fachkräfte, die Leben und Arbeiten besser miteinander verbinden möchten, interessant. Eine aktuelle Studie der TU München belegt, dass im ländlichen Raum Fachkräfte im Durchschnitt weniger verdienen als jene in Ballungsräumen. Gemessen an den Lebenshaltungskosten fällt ihr Lohn aber deutlich höher aus. In Metropolen ist das Gehalt etwa um bis zu 14 Prozent weniger wert.

Was macht Sie so sicher, dass sich mehr Menschen für den Werra-Meißner-Kreis entscheiden werden?

Wir stehen natürlich im Wettbewerb mit anderen Regionen. Die Region, die es in naher Zukunft schafft, attraktiv zu bleiben, wird überleben. Aber unsere geografische Lage, die Nähe zu Göttingen und Kassel, der hohe Freizeitwert, unsere niedrigen Lebenshaltungskosten, attraktive Arbeitgeber mit einer breiten Palette an interessanten Berufseinstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten sind wichtige Bausteine in diesem Überlebenskampf. Unsere acht Städte und acht Gemeinden bieten die Möglichkeit, urban und gleichzeitig auch ländlich zu wohnen und man kann sich bei uns mehr leisten und ein besseres Leben führen.

Wurde im Werra-Meißner-Kreis bisher genug dafür getan, gegenüber den Ballungszentren aufzuholen?

Einzelne Kommunen im Kreis sind schon als familienfreundliche Kommunen zertifiziert, der Kreis wird es in Kürze auch sein. Viele unserer Unternehmen setzen schon heute auf flexible Arbeitszeitmodelle und die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf. Das wird vor allem junge Familien ansprechen und an den Kreis binden.

Zusätzlich wollen wir 2021 mit konkreten Angeboten auch mehr mobile Arbeiter und Pendler erreichen und wohnortnah mit Partnern in der Region attraktive Arbeitsraumangebote für diese Zielgruppen schaffen.

Das sind hauptsächlich weiche Faktoren. Hält die Infrastruktur im Werra-Meißner-Kreis dem Anspruch junger, moderner Familien stand?

Mit der Pandemie hat auch die Digitalisierung an Fahrt aufgenommen. Dabei kommt uns der bisher erreichte Glasfaserausbau zugute, mit dem jeder im Kreis mit mindestens 30 Mbit/s versorgt werden kann. Schnelles Internet alleine reicht aber nicht aus. Jetzt geht es darum, die Vorteile der Digitalisierung auch zu nutzen. Dazu werden wir in Kürze einen Dialog mit Bürgern, Unternehmen und auch Jugendlichen starten, um Wünsche und Lösungen für weitere digitale Angebote im Kreis umzusetzen. Und die Schulen im Kreis werden in 2021 direkt an Glasfaser angeschlossen sein, um den Digitalisierungsprozess in den Schulen mit zu unterstützen.

In der Mobilität, insbesondere in der Elektromobilität, der Gesundheitsversorgung und vor allem auch in der Bildung liegen weitere Herausforderungen, denen wir uns in 2021 weiter aktiv widmen müssen.

Von Tobias Stück

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