Ihr ist keine Spur zu heiß

Kriminalhauptkommissarin Pia Wagner ermittelt bei Betrugsdelikten für die Polizei

Hauptkommissarin Pia Wagner arbeitet gerne in Zivil. Die 58-Jährige ist in der Polizeidirektion in Eschwege für Betrugsdelikte zuständig.
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Hauptkommissarin Pia Wagner arbeitet gerne in Zivil. Die 58-Jährige ist in der Polizeidirektion in Eschwege für Betrugsdelikte zuständig.

Vor 95 Jahren wurde die erste Frau Kriminalkommissarin. Heute arbeiten immer noch mehr Männer als Frauen bei der Polizei. Wie ihr Arbeitstag aussieht, erklärt Pia Wagner.

Eschwege Wagnerist Hauptkommissarin bei der Kripo in Eschwege und schon seit 40 Jahren im Polizeidienst.

Als sie 1981 als Anwärterin ihre Ausbildung begann, seien Frauen im Dienst noch seltener gewesen als heute, erzählt die 58-Jährige. Trotzdem habe sie nie negative Erfahrungen speziell als Frau im Dienst gemacht. „Stattdessen kommt es darauf an, wie man auf die Menschen zugeht“, sagt Wagner.

Aus der jahrzehntelangen Arbeit mit Tätern, Zeugen und Opfern habe sie gelernt, dass ein offener und freundlicher Umgang die beste Art sei, den Menschen zu begegnen. „Ich passe mich dabei auch an mein Gegenüber an“, sagt die Hauptkommissarin.

Grundwerkzeuge während der Ausbildung gelernt

Bei ihrer Arbeit im Bereich Betrugs- und Vermögensdelikte habe sie nach 40 Jahren schon ein Gespür dafür, wie sie den Menschen helfen könne. Die Grundwerkzeuge dafür hatte sie schon während der Ausbildung in den Fächern Kriminalistik, Kriminologie und Psychologie gelernt.

„Und wenn wir doch mal getäuscht werden, überlegen wir im Team, wie es dazu kommen konnte, um Rückschlüsse zu ziehen“, erklärt Wagner.

Zusammen mit ihren Kolleginnen, die ein Viertel der Kommissarinnen in Eschwege ausmachen, und ihren männlichen Kollegen ist Pia Wagner täglich Delikten auf der Spur. Sie ermittelt in den Bereichen Wirtschafts- und Internetkriminalität und zu Straftaten „zum Nachteil älterer Menschen“, darunter die sogenannten Enkeltricks. Wenn Kollegen ausfallen, springt die 58-Jährige auch bei anderen Ermittlungen ein. „Manchmal werden Arbeitsgruppen gebildet oder Ermittlungen werden aufgrund eines Todesfalls eingeleitet.“

Zeugen befragen, Fingerabdrücke nehmen, Vernehmungen führen

Eigentlich arbeitet Pia Wagner 40 Stunden pro Woche, für manche Fälle ist sie aber auch länger im Einsatz.

Landet ein Fall auf ihrem Schreibtisch, macht sich Wagner auf die Suche nach den Tatumständen. Zeugen befragen, Fingerabdrücke nehmen und Verdächtige vernehmen – die Hauptkommissarin ist im Innen- und Außendienst im Einsatz.

Während ihrer Ausbildung hat sie gelernt, Fußabdrücke einzugipsen und vor der digitalen Fotografie musste sie auch ihre Fotos selbst entwickeln. „Ich arbeite gerne handwerklich.“ Wenn die 58-Jährige nicht gerade dem Verbrechen auf der Spur ist, werkelt sie auch privat und bessert ihr Fachwerkhaus aus.

Den Einsatz in der Polizeidienststelle Eschwege hat sich die 58-Jährige bewusst ausgesucht. „Ich bin heimatverbunden“, sagt sie und will auch bleiben.

„Ich habe mich ganz bewusst für den Bereich Betrugsdelikte entschieden, obwohl das manche ja nicht so mögen“, erzählt Pia Wagner.

Geändert hat sich für Wagner in den Jahren bei der Polizei in Eschwege beinahe nichts – einziger Unterschied: „Ich muss jetzt keine schwere Schreibmaschine mehr zu den Ermittlungen im Außendienst schleppen“, sagt sie und freut sich.

Mit moderner Technik den Tätern auf der Spur

Wenn Pia Wagner sich an ihre Ausbildung erinnert, fällt ihr wieder ein, dass sie die Einzige in ihrem Abiturjahrgang gewesen ist, die zur Polizei gegangen war. „Ich wollte immer in einer Männerdomäne arbeiten“, sagt sie. Bis heute sei sie mit dieser Entscheidung sehr glücklich. Die Anerkennung, sich in einem männerdominierten Beruf zu beweisen, die Arbeit im Team und mit den Menschen reize sie noch immer.

Und das, obwohl die Hauptkommissarin nicht immer in leichten Fällen ermitteln musste. Besonders im Gedächtnis geblieben ist der 58-Jährigen ein Fall, der vor vielen Jahren im Werra-Meißner-Kreis und in Thüringen zur Anzeige gebracht worden war. Damals sei es um Missbrauch in satanistischen Kreisen gegangen, berichtet sie.

„Das hat mich schon gefordert, weil ich ja erst einmal in die Tiefen dieser Szene gehen musste“, sagt Wagner. Um den Fall aufklären zu können, hatte sie sich über die Satanisten informiert und versucht nachzuvollziehen, ob die geschilderten Vorwürfe glaubhaft sind. „Aber das ist schon lange her“, sagt sie.

Heute ist Wagner den Tätern mit moderner Technik auf der Spur, so wie Phishing- Nachrichten, gefälschten E-Mails, Webseiten und Kurznachrichten, die persönliche Daten abgreifen. Die Hauptkommissarin geht Hinweisen auf unseriöse Callcenter im Ausland nach, die mit Geldforderungen drohen oder mit Angeboten locken. Diese Betrügereien sind auf dem Vormarsch, deshalb wird es der Eschweger Hauptkommisarin auch in den nächsten Jahren nicht an Arbeit mangeln. (Kim Hornickel)

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